Spanischer Alltag – Leben, Arbeiten & Genießen

Hola aus Valencia,

die Zeit vergeht wie im Flug und ich habe es ein wenig vergessen einen neuen Beitrag zu schreiben. Jetzt sind schon fünf Wochen meines Aufenthaltes vorrüber und mir bleibt nur noch eine Woche. Für einen Halbzeitbericht bin ich also schon etwas spät dran, dafür kann ich nach fünf Wochen schon das ein oder andere Fazit ziehen und ein wenig über den spanischen Alltag berichten. Ich kann mich natürlich nur auf das beziehen, was ich erlebt habe und nur mit dem vergleichen, was ich aus Deutschland kenne.

Wie man es aus Urlauben vielleicht kennt und was auch innerhalb der EU wünschenswert ist, ist die Tatsache, dass sich der Lebensstandart von Deutschland und Spanien sehr ähneln. Dies macht das Leben und Ankommen einfacher, da es nur bedingt Unterschiede zu Deutschland gibt. Man merkt jedoch in Valencia, dass die Finanzkrise zum Teil große Auswirkungen in Spanien hatte. So gibt es beispielsweise viel Wohnungs- und Häuserleerstand in der Stadt, was man an den unzähligen Verkaufsschildern erkennt und was man aus deutschen Großstädten weniger kennt. Die Regierung der Stadt muss sich vor der Krise auch etwas übernommen haben und einige Fehlinvestitionen wurden gebaut. So gibt es große Veranstaltungsgebäude die nahezu ungenutzt sind, da es gar keinen Verwendungszweck dafür gibt oder einen Yachthafen der für den America Cup 2007 komplett neu gestalten wurde. Seit dem stehen jedoch die ehemaligen Bootshäser der Teams leer und der Hafen ist fast ungenutzt.

In Gesprächen mit Einheimischen und mit Studenten habe ich herausgehört, dass es zum Beispiel ungewöhnlich ist, dass Jugendliche zum Studieren ausziehen, da es einfach zu teuer ist und das obwohl die Mietpreise hier deutlich geringer sind als in Kassel. Dies hängt damit zusammen, dass die Arbeitslosenquote wohl immernoch sehr hoch ist.

Die Krise und ihre Folgen hindert die Menschen jedoch nicht daran ein lebendiges und ausgelassenes Leben zu führen und vor allem zu genießen. Valencia ist voller Kneipen, Restaurantes und Bars. Eine spanische Tradition ist es in der Frühstückspause mit der Firma in eine Bar zu gehen, ein sogenanntes Bocadillo zu essen , was nichts anderes ist als ein belegtes Brötchen, und dazu einen Kaffee oder auch schon einmal ein Bier zu trinken. Auch während der Mittagspause, der Siesta, gehen viele Leute in Bars und essen dort das Menú del día , das Tagesmenü, was meist aus 2 Gängen besteht. Dementsprechend existieren viele Bars, die auch tagsüber gut besucht sind. Die Preise sind jedoch oftmals günstiger als in Deutschland, sodass der tägliche Besuch finanziell machbar bleibt.

So arbeitet man also von Pause zu Pause und verbringt viel Zeit auf der Arbeit und mit seinen Kollegen. Die Arbeit nimmt durch die langen Pausen auch den ganzen Tag in Anspruch, was natürlich in Deutschland ähnlich ist. Der Unterschied den ich festgestellt habe ist besonders, dass alles in Spanien später ist.

In Deutschland mache ich eine Ausbildung zum Maurer. Wir fangen in unserer Firma um 6:30 Uhr an zu arbeiten und um 16:30 Uhr sind wir fertig. In der Baufirma hier vor Ort fangen wir erst um 8:30 an zu arbeiten und sind auch frühstens um 18:30 Uhr fertig. Bis man dann zuhause ist, geduscht, eingekauft und gekocht hat ist es schnell mal 21:00 Uhr, was hier in Spanien auch die übliche Zeit für das Abendessen ist.

Ein weiterer großer Unterschied, was die Arbeit als Maurer bzw. Bauen allgemein betrifft, ist das Klima und die etwas andere Lebensart. Durch ganzjährig warmes Klima ist es hier vor Ort nicht wichtig und auch nicht üblich zu dämmen, wie das in Deutschland der Fall ist. Dadurch entsteht eine ganz andere Bauweise, da man auf Kälte, Frost und Schnee keine Rücksicht nehmen muss. So gibt es hier tatsächlich Außenwände die aus 4cm dicken Steinen gebaut werden. In Deutschland werden Außenwände normalerweise aus mindestens 24cm dicken Steinen gebaut. Ein weiterer Unterschied liegt in der Wohnsituation. Die meisten Spanier wohnen in Städten und dort selbstverständlich in Wohnungen. Die Häuserblocks, aus denen Valencia größtenteils besteht, haben dann meist 6-8 Etagen und enthalten viele Wohnungen. Die Häuser sind oft aus Betonskeletten erstellt und jegliche Wände sind nichtragend, deshalb ist die Dicke auch nicht relevant. Die dünnen Wände bieten natürlich wenig Schallschutz, aber das stört die Menschen hier wohl nicht besonders viel. In Praxis beim Renovieren bedeutet das, es ist recht einfach die Wände einzureißen und eine Wohnung neu zu gestalten.

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Diese Unterschiede zwischen Spanien und Deutschland, von denen es natürlich noch viele mehr gibt, bedeuten aber nicht, dass es hier schlechter ist. Ich fühle mich sogar sehr wohl und bin direkt gut angekommen. Mit der Zeit hat sich mein Spanisch auch auf ein paar Worte ausgeweitet und die Kommunikation während der Arbeit klappt etwas besser. Was mir sehr gut gefällt ist die freie, lustige und ausgelassene Art hier zu leben und das Leben zu genießen. Außerdem finde ich es toll, dass die Stadt, durch die vielen Bars und Restaurantes, so lebendig ist und die Leute die Gesellschaft suchen.

Ich freue mich auf eine weitere Woche und werde die Zeit noch genießen bevor es zurück nach Deutschland geht.

Hasta Luego

Oliver

PS: Hier noch einige Bilder dieser schönen Stadt:

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Plaza de Virgen
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Plaza de Virgen
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ein Platz auf dem Sonntagsmittags getanzt wurde
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Cantral Market
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Central Market

 

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