Die erste von vier Wochen in Island

Nach langer Vorfreude war es vergangenen Sonntag endlich so weit. Gegen 14 Uhr Ortszeit (also eine Stunde früher als in Deutschland) setzte die Maschine zum Landeanflug an und nach den 4 Stunden Blindflug von Wolke zu Wolke klarte es das erste mal auf und es bot sich ein atemberaubender Blick auf die Landschaft direkt vor Keflavik – dem größten Flughafen Islands.

Jetzt mag man sich gerade bei diesem Anblick fragen, wozu brauchen die Isländer Mechatroniker für Kältetechnik? Dazu aber später mehr.

Víðar, ein Mitarbeiter des Bildungszentrums IÐAN hat mich netterweise am Hotel Viking (Fjörukráin) abgeholt und zu meinem Hostel in Hafnarfjörður gebracht. Die Stadt liegt direkt südlich von Reykjavík. Am nächsten Morgen hat mir Víðar dann die wichtigsten Orte in der Stadt gezeigt, unter anderem relevante Bushaltestellen, das Stadtzentrum und zwei seiner liebsten Bäder.
Anschließend ging es weiter nach Reykjavík. Dort gab es quasi Sightseeing im Schnelldurchlauf, sowie einen Zwischenstopp mit Kaffee und einem Snack bei IÐAN. Als letzter Punkt auf der Tagesordnung brachte Víðar mich zu meiner Arbeitsstelle, der Firma Frost im Gewerbegebiet, direkt um die Ecke meines Hostels.

Ungewöhnlich aber sofort als gut befunden habe ich die Tatsache, dass nicht nur im Hostel sondern auch auf der Arbeit die Schuhe direkt nach der Eingangstür ausgezogen werden und im Büro, dem Aufenthaltsraum und der Küche nur Haus- oder eben gar keine Schuhe getragen werden.

Wie der Zufall es will gibt es unter meinen Kollegen einen Schweizer, der letztes Jahr angefangen hat für die Firma auf Island zu arbeiten. Ihn durfte ich auch direkt die ersten 2 Tage begleiten. Wir haben in verschiedenen Supermarkt-ketten Kühltheken enteist und bei zwei Anlagen Kältemittel aufgefüllt, damit diese wieder zuverlässig arbeiten können.


Abgesehen von der Größe (Werkzeug vorn als Größenvergleich) war das nichts neues für mich

Kurz darauf ging es aber ans Eingemachte. Ein anderer Kollege meinte am nächsten Tag, dass ich ihn jetzt die restliche Woche unterstützen soll, es ginge auf einen Schlachthof. 10.000 Hühnchen soll es da jeden Tag an den Kragen gehen.


Während des Betriebs wollte ich nicht unbedingt ein Foto machen

Damit das Fleisch auch direkt gekühlt und/oder gefroren werden kann stehen im Maschinenraum sechs große Verdichter.

Unsere Aufgabe? Eine 10.000h-Wartung. Nach 10.000 Betriebsstunden muss ein Ölwechsel gemacht werden und so ziemlich sämtliche Dichtungen getauscht werden. Gerade beim öffnen der Anlage sagt mir mein Kollege: „Don’t breath!“
Was er meinte, war ich sollte nicht tief einatmen, da sich gerade in diesem Augenblick die Reste des Ammoniaks (das Kältemittel dieser Anlage – R717) verflüchtigten und ein beißender Geruch wahrnehmbar war.

Ein Zylinder war beschädigt und musste wieder plan geschliffen werden, damit es nicht zu Folgeschäden an der Anlage kommt.

Alles gereinigt, von Ablagerungen befreit, neu geölt und mit neuen Dichtungen versehen wurde Verdichter Nummer eins wieder zusammengesetzt.

Anschließend wurde er noch entlüftet. Das soll heißen, er wurde einmal mit Ammoniak gefüllt und dieses dann abgelassen um die Fremdgase (Luft) loszuwerden. Folgend mussten wir warten, bis das Öl Betriebstemperatur erreicht hatte, was zu unser beider Freude hieß: Kaffee trinken!

Bei der Gelegenheit wollte ich mehr über die Anlage erfahren, an der wir arbeiteten. Gespräche waren dank Gehörschutz nämlich bisher Mangelware. Als ich über die drei Tonnen Ammoniak im Kreislauf nicht schlecht gestaunt hatte, wurde ich belächelt und hinzugefügt, dass es sich hier um eine kleine Anlage handele. Mir wurden noch ein paar Bilder von neuen Anlagen in Norwegen gezeigt, bei denen es bis nahe an die 100 Tonnen Ammoniak reichte.
Nach der Inbetriebnahme des Verdichters warteten wir noch, bis die Sauggastemperatur von -40°C erreicht wurde. Und genau diese -40°C  sind der Grund, wieso man sogar in Island Kältetechniker braucht!

So ging eine spannende Arbeitswoche für mich zu Ende und ich hatte endlich die Zeit mir die Gegend rund um Hafnarfjörður anzuschauen, Bouldern zu gehen und natürlich die Seele in einem Bad baumeln zu lassen.

In diesem Sinne:

Liebe Grüße

Felix

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