Klugherz Höschen Mecklenburg

Es gibt die unterschiedlichsten Menschen und Namen dazu und seitdem ich hier in St. Cloud arbeite lerne ich viele davon für einen kurzen Moment kennen. Es ist immer angenehm mit Kunden ein wenig Smalltalk zu machen und weil die Region um St. Cloud etwas deutsch geprägt ist finde ich auch meistens schnell einen Aufhänger. Viele Deutsche Auswanderer sind unter anderem in Minnesota gestrandet, dadurch sehe ich während der Arbeit viele deutsche Nachnamen.

Der Laden in dem ich arbeite

Mir macht es immer Spaß die Kunden zu fragen, wie sie ihren Nachnamen aussprechen. In der Regel fangen die meisten an zu lächeln, nennen mir ihren Namen und fügen dann hinzu, dass es eigentlich ein deutscher Name sei, der an das englische angepasst wurde und dass die Oma ihn noch anders ausgesprochen hat.

Mit den Münzen der amerikanischen Währung habe ich nach wie vor noch meine Probleme. Hier gibt es die riesengroße fünfundzwanzig-Cent-Münze, eine zehn-Cent-Münze, die kleiner ist als die fünf-Cent-Münze und einen ein-Dollar-Schein. Ich entschuldigte mich also neulich bei einer Kundin, als ich etwas länger brauchte um das Wechselgeld herauszusuchen. Offenbar erinnerte sie sich, dass ich die deutsche Mitarbeiterin bin und erzählte mir, dass sie das mit den Münzen verstehe. Sie selbst war neulich erst in Italien und ganz aufgeschmissen mit unserem Euro, auch wenn diese Münzen mehr Sinn machen würden.

Diese Unterhaltung hatte eine andere Kundin mitbekommen und erzählte mir sogleich, dass ihre Mutter 1952 aus Deutschland in die USA gekommen ist. Ihr Vater kam ursprünglich aus der Ukraine, musste aber nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland fliehen, wo er ihre Mutter kennenlernte. Wir kamen durch ihren Namen auf den ihres Bruders und auf meinen Namen zu sprechen, besonders auf meinen Nachnamen (der hier erschreckend wenigen etwas sagt): Merkel.

Als die Kundin das hörte erklärte sie mir, wie unverantwortlich es sei, seine Ländergrenzen nicht zu verteidigen, jeden einfach aufzunehmen und dann noch nicht einmal zu kontrollieren wer das eigentlich sei. Sie hätte ja bei den letzten Wahlen Trump gewählt, ich solle sie jetzt aber nicht falsch verstehen: Sie mag ihren mexikanischen Schwiegersohn sehr, aber der ist auch auf dem richtigen Weg in die Staaten gekommen und lebt nicht seine Kultur aus, sondern passt sich an.

Ich hätte gerne mit ihr diskutiert, weil es für mich nach einem Widerspruch in sich klang, aber ich habe hier in den USA schnell gelernt, dass man mit solchen Menschen nicht diskutiert und ich hatte genug Arbeit auf der Kleiderstange hängen, die nur darauf wartete erledigt zu werden. Für mich war es eine interessante Erfahrung, gerade weil ich immer noch überrascht bin, wenn Gespräche diese Wendung nehmen.

Auch mein Akzent lässt viele nachfragen, woher ich komme. Am Anfang habe ich auf diese Frage immer direkt mit: „Aus Deutschland!“ geantwortet. Oft wurde daraufhin mit einem überlegenen: „Achja, dass hätte ich gleich sagen können!!“ reagiert. (Warum wurde ich dann nochmal nach meiner Herkunft gefragt?) Mittlerweile antworte ich immer mit der Gegenfrage, was sie denn denken. Laut einiger Kunden komme ich aus England oder Australien. Eine Kundin, die mit ihrem erwachsenen Sohn bei uns im Laden war, tippte auf Israel. An die beiden erinnere ich mich noch gut, weil sich ein angenehmes Gespräch entwickelte. Ich erwähnte also, dass ich aus Deutschland komme, als ihr Sohn auch schon anfing mit mir auf Deutsch zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er über ein Programm, während des Studiums ein Praktikum im deutschen Bundestag gemacht hat und im Rahmen dessen Deutsch gelernt hat. Sogar mein Programm, das PPP, war ihm ein Begriff. Besonders angenehm blieb mir in Erinnerung, dass er mich während des ganzen Gesprächs mit dem SIE ansprach und nicht nach meinem Vor- sondern Nachnamen fragte, den er dann auch verwendete um sich mit mir zu unterhalten. Etwas sehr außergewöhnliches hier in den USA.

Eine andere Begegnung habe ich auch noch sehr gut im Kopf, weil sie natürlich mit Deutschland, um genau zu sein mit dem Mauerfall zu tun hat. (Für mich als kleiner Geschichtsfan ein besonderer Moment, weil seit langem Geschichte wieder lebendig wurde.)

Der Kunde brachte seine Uniform zu uns um ein neues Abzeichen aufnähen zu lassen. Aus Neugierde fragte ich nach wozu er gehöre: Army, Marines oder Air Force und ein Gespräch entspann sich. Er erzählte mir, dass er Ender der 80er in Deutschland stationiert war. Genau an dem Tag an dem die Mauer fiel, war er allerdings mit ein paar anderen Amerikanern in Ostberlin. Als die Neuigkeiten bei ihnen ankamen, versuchten sie so schnell wie möglich zurück zum Checkpoint Charlie zu kommen. Sie waren nicht sicher, was genau los war und ob sie noch in den Westen gelassen würden, oder nicht.

Ich bekomme bei meiner Arbeit also die ein oder andere Geschichte zu hören, sowie witzige Versionen von den Namen KLUGHERZ, HÖSCHEN, ZWILLING und MECKLENBURG. Auch wenn es manchmal komisch ist, weil jemand einfach seine Meinung raushaut und los redet, weil er einfach mal wieder jemandem zum Reden braucht, in der Regel freue ich mich über die Offenheit zum Smalltalken, die mir hier entgegengebracht wird und die ich in Deutschland manchmal vermisst habe.
Und es macht das Arbeiten um so viel angenehmer.

See you soon,
Eure Clara

Verspätete Ostergrüße aus Florida

All good things come to an end – even in Iceland

Vier Wochen sind nun vergangen, seitdem ich in Island angekommen bin und heute Nacht geht es auf zum Flughafen und damit zurück nach Deutschland. In dieser allzu kurzen Zeit habe ich dennoch viel an Erfahrung sammeln können – sowohl kulturell, als auch fachlich. Aber alles der Reihe nach.

Die dritte Woche durfte ich einen jungen Kollegen begleiten, der erst vor kurzem anfing in der Firma zu arbeiten. Wir wurden von einem dritten Mitarbeiter in ein Objekt eingewiesen und führten dort eine manuelle Abtauung eines Tiefkühlers durch. Die Ursache für diese Vereisung war auch nicht zu übersehen, die Kühltheke war einfach überladen, so dass es zu einem Luftstau kam und der Verdampfer einfach immer weiter abkühlte.

Kurz den Betreiber auf die Problematik hingewiesen und es ging zurück in die Werkstatt. Dort warteten (für meine Verhältnisse) große Kältemitteltanks auf uns, die umgerüstet werden sollten um ein Ammoniaksystem eines Schiffes leeren zu können. Hierzu wurden die Tanks geleert und anschließend die kupferhaltigen Messingventile gegen solche aus Edelstahl getauscht, da Ammoniak erstere schnell korrodieren lässt. Aus den anfangs drei Fässern, die sich schon in der Werkstatt befanden, gesellten sich bald noch acht weitere und somit wurde daraus eine mehrtägige Aktion. Zuerst wurde überprüft, ob sich noch Kältemittel in den Tanks befand und falls ja, ob vielleicht auch noch Öl-Reste vorhanden waren, die gesondert entsorgt werden mussten. War das erledigt, wurde das Kältemittel einfach so abgelassen – was in Deutschland und der EU soweit ich weiß als Straftat geahndet wird, nur ist Island eben kein Mitglied der EU. Folgend wurden die Ventile ersetzt.

Leer wogen diese Tanks um die 500-700kg und konnten bis zu 500l Ammoniak aufnehmen
Die alten Messingventile…
…und die neuen Edelstahlventile

Zuletzt wurde, um sicher zu stellen, dass die neuen Ventile auch dicht sind, eine Druckprobe mit 7 bar Überdruck durchgeführt und eventuelle Leckagen mit Lecksuchspray (eine Art Seifenspray, das Blasen wirft, sobald unter der Oberfläche Gase austreten) gesucht. War dieser Test bestanden wurde die Luft abgelassen und eine Vakuumpumpe angeschlossen um das Innere der Behälter von sämtlichen Gasen zu befreien. Die Pumpen wurden zum Teil über Nacht laufen gelassen und am nächsten Morgen, ehe sie erneut zum Einsatz kamen wurde ein Ölwechsel durchgeführt, damit die volle Leistung gewährleistet werden konnte.

Die Druckprobe

Zuletzt wurden die Tanks mit einer Spraydose gekennzeichnet, damit klar war, womit sie gefüllt sein würden und anschließend auf einen LKW verladen um sie in den Hafen zu bringen.

R717 ist die Kältemittelbezeichnung für Ammoniak
Selbst der Gabelstapler musste mit

Nach 2 Tagen war alles erledigt. Am Mittwoch wurden zuerst Türanschläge mehrerer Tiefkühlräume getauscht und direkt danach der 6-monatige Service an der Kälteanlage einer Supermarktkette durchgeführt. Hier hat beim Überprüfen des Hochdruckwächters das Abblasventil am Sammler ausgelöst, bevor dies der Wächter tat. Der Verdacht lag nahe, dass dieser verstellt war, da die Abdeckung fehlte, dies war allerdings nicht der Fall und das Gerät musste getauscht werden. Außerdem waren die Leitungen einer anderen Anlage zu den Schaltern sehr abgenutzt und wurden getauscht und dabei so verlegt, dass sie sich nicht wieder aufreiben können.

Der neue Druckschalter
Die neuen Leitungen (schwarz)

Damit war die Arbeitswoche auch schon zu Ende, da in Island der Gründonnerstag ebenfalls zu den Osterfeiertagen zählt. Damit erwarteten mich 5 freie Tage, in denen ich den Süd-Westen Islands erkunden konnte. Hierzu möchte ich einfach ein paar Bilder sprechen lassen, da sich dieses absurd Schöne schlecht in Worte fassen lässt.

Schnell waren die freien Tage verflogen und die letzten 4 Tage Arbeit riefen.
Wegen des Ausfalls eines Getränkekühlers in einem Supermarkt war schnell klar, dass etwas mit dem Verdichter nicht stimmte. Er lief nicht an. Anhand der Stromaufnahme konnte schnell ermittelt werden, dass der Motor blockiert. Dank der großen Lagerfläche der Firma war schnell Ersatz gefunden und zwar sogar ein baugleicher gebrauchter Verdichter. Dieser wurde abgeholt und die Zylinderköpfe abgenommen um den Zustand der Zylinderplatten des Austauschkompressors zu überprüfen. Anschließend wurden die Verdichter ausgetauscht und ein Ölwechsel am „neuen“ Verdichter vorgenommen. Danach wurde er angeschlossen und Vakuum gezogen, um die Fremdgase (Luft) aus dem inneren des Motors und des Verdichters zu bekommen. Nach einem kurzen Probelauf war sofort klar, dass auch Kältemittel im System fehlte und beim Inspezieren des alten Geräts wurde schnell klar, wie es dazu kommen konnte. Der Verdichter hatte nämlich keinen Tropfen Öl mehr, demnach musste es eine größere Undichte im System gegeben haben. Diese wurde am Tag darauf gesucht und schnell gefunden, da sich schon wieder etwas Öl am Boden gesammelt hatte. Die Stopfbuchse des Absperrventils auf der Saugseite war lose. Es wurde nochmals ein Ölwechsel durchgeführt und mit dem Feinlecksuchgerät nach weiteren Undichten gesucht. Erfolglos, also waren wir erfolgreich. Zu guter Letzt haben wir noch die beschädigten Vibrationsdämpfer getauscht.

Zum Glück war genügen Platz im Keller

Das neue Öl war nach einem Tag schon nicht mehr klar
Der alte Vibrationsdämpfer hatte den Geist aufgegeben

Zuletzt wurde an diesem Tag noch der 6-monatige Service für einen Supermarkt durchgeführt. Dies hieß abermal: Die Anlage vermessen und das Prüfprotokoll ausfüllen und dabei weiter zu versuchen nichts zu verwechseln, weil man die Wörter nicht wirklich kennt.

Das Prüfprotokoll auf Isländisch
Zu zweit geht das Vermessen der Anlagen gleich doppelt so schnell

Am Donnerstag war dann ein reiner Servicetag für zwei Fischereien, zwei Supermärkte, sowie den Kühlraum am Flughafen Reykjavík – ein kleiner Flughafen am Rand der Stadt an dem Inlandsflüge angeboten werden.

Am Freitag wurde es dann noch einmal spannend. Arbeiten an einem Transkritischen CO2-Anlage bei einem Großhändler. Insgesamt 21 Verdichter arbeiteten hier sowohl für die Kühl- und Tiefkühltheken als auch für die Raumkühlung im Laden. Mein Kollege erklärte mir den Aufbau und die Funktion der Anlage ausführlich, während wir Kältemittel (also CO2) nachfüllten, was letztendlich den ganzen Tag dauerte. Aber umso mehr Zeit war um sich mit der Anlage zu befassen.
Zurück in der Firma verabschiedete ich mich von meinen Kollegen und realisierte dabei, dass die 4 Wochen jetzt wirklich vorbei sind. Es war eine wundervolle Erfahrung, extrem nette Arbeitskollegen, eine unglaublich schöne Natur, interessante Kultur und nicht zuletzt ungemein lehrreich!

Island, ich werde definitiv zurückkommen!

Ein letztes Mal…

Hallo,
diesmal aus Deutschland,

wir wurden heute morgen um 6:30 Uhr am Appartement abgeholt und von einem Taxi zum Flughafen gebracht. Dort merkten wir, dass nicht nur die maltesischen Busse die Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Mit einer halben Stunde Verspätung startete unser Flugzeug in Richtung Heimat. Nach einem angenehmen Flug sind wir um 11:30 Uhr in München gelandet.

In unserer letzten Woche haben wir noch einiges erlebt.
Am Karfreitag sind wir mit der Fähre auf die (fast) unbewohnte Insel Comino gefahren, die nur drei Einwohner hat. Dort sahen wir uns die Blaue Lagune an und trauten uns sogar, kurz ins 15 Grad kalte Wasser zu hüpfen.

Blaue Lagune
Ausblick von Comino auf das Meer

Zurück in Rabat empfing uns eine traurige Stimmung. Die Einwohner hatten sich im Zentrum Rabats versammelt, waren schwarz gekleidet, kaum einer redete und gelacht wurde auch nicht. Alle verfolgten den Karfreitagsumzug, der sogar von Fernsehkameras begleitet wurde. Für uns wirkte dies eher befremdlich.

Für den Ostersonntag hatte George uns einen Trip nach Gozo gebucht. Auf der Insel erwartete uns ein Taxifahrer, der uns zu den schönsten und interessantesten Orten von Gozo brachte. So erklärte er uns, wie beispielsweise das Meersalz gewonnen wird und zeigte uns die Salzgärten.

Die Salzgärten sind links unten zu sehen.

Außerdem sahen wir uns die Überreste des Azure Window an, das letztes Jahr leider bei einem Sturm einstürzte. Dabei wurden wir von einer Welle überrascht und dementsprechend nass. 😉

Bei der Ramla Bay schauten wir uns die Kunst des Kitesurfings an und genossen die Aussicht.

Ramla Bay

Anders als in Deutschland, ist der Ostermontag auf Malta kein gesetzlicher Feiertag, weshalb wir wie gewohnt zur Arbeit gingen. Donnerstag hatten wir unseren letzten Arbeitstag. Wir hatten ein Abschlussgespräch und erhielten ein kleines Geschenk von der Behörde sowie unser Arbeitszeugnis. Nach Feierabend wurden wir von unseren Kollegen zum Abschied in eine kleine Bar eingeladen, wo wir gemütlich zusammen saßen und uns unterhielten.

Unsere Kollegen, in deren Büro wir saßen

Gestern hatten wir Zeit, uns auf die Abreise vorzubereiten und die Koffer zu packen.

Für uns ist es immer noch kaum zu glauben, dass  wir vier Wochen auf Malta verbracht haben, da die Zeit wie im Flug vergangen ist. Diese Insel haben wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Wir haben neue Bekanntschaften geknüpft, die über das Auslandspraktikum hinaus gehen, sodass man sich in Deutschland wiedersehen wird.

Wir können dieses Auslandspraktikum nur empfehlen, da man viele neue Erfahrungen sammelt und sicherer im Umgang mit der englischen Sprache wird. Zudem wächst man über sich hinaus und lernt andere Arbeitsweisen kennen.

Liebe Grüße

Meike und Alexandra 😊