Klugherz Höschen Mecklenburg

Es gibt die unterschiedlichsten Menschen und Namen dazu und seitdem ich hier in St. Cloud arbeite lerne ich viele davon für einen kurzen Moment kennen. Es ist immer angenehm mit Kunden ein wenig Smalltalk zu machen und weil die Region um St. Cloud etwas deutsch geprägt ist finde ich auch meistens schnell einen Aufhänger. Viele Deutsche Auswanderer sind unter anderem in Minnesota gestrandet, dadurch sehe ich während der Arbeit viele deutsche Nachnamen.

Der Laden in dem ich arbeite

Mir macht es immer Spaß die Kunden zu fragen, wie sie ihren Nachnamen aussprechen. In der Regel fangen die meisten an zu lächeln, nennen mir ihren Namen und fügen dann hinzu, dass es eigentlich ein deutscher Name sei, der an das englische angepasst wurde und dass die Oma ihn noch anders ausgesprochen hat.

Mit den Münzen der amerikanischen Währung habe ich nach wie vor noch meine Probleme. Hier gibt es die riesengroße fünfundzwanzig-Cent-Münze, eine zehn-Cent-Münze, die kleiner ist als die fünf-Cent-Münze und einen ein-Dollar-Schein. Ich entschuldigte mich also neulich bei einer Kundin, als ich etwas länger brauchte um das Wechselgeld herauszusuchen. Offenbar erinnerte sie sich, dass ich die deutsche Mitarbeiterin bin und erzählte mir, dass sie das mit den Münzen verstehe. Sie selbst war neulich erst in Italien und ganz aufgeschmissen mit unserem Euro, auch wenn diese Münzen mehr Sinn machen würden.

Diese Unterhaltung hatte eine andere Kundin mitbekommen und erzählte mir sogleich, dass ihre Mutter 1952 aus Deutschland in die USA gekommen ist. Ihr Vater kam ursprünglich aus der Ukraine, musste aber nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland fliehen, wo er ihre Mutter kennenlernte. Wir kamen durch ihren Namen auf den ihres Bruders und auf meinen Namen zu sprechen, besonders auf meinen Nachnamen (der hier erschreckend wenigen etwas sagt): Merkel.

Als die Kundin das hörte erklärte sie mir, wie unverantwortlich es sei, seine Ländergrenzen nicht zu verteidigen, jeden einfach aufzunehmen und dann noch nicht einmal zu kontrollieren wer das eigentlich sei. Sie hätte ja bei den letzten Wahlen Trump gewählt, ich solle sie jetzt aber nicht falsch verstehen: Sie mag ihren mexikanischen Schwiegersohn sehr, aber der ist auch auf dem richtigen Weg in die Staaten gekommen und lebt nicht seine Kultur aus, sondern passt sich an.

Ich hätte gerne mit ihr diskutiert, weil es für mich nach einem Widerspruch in sich klang, aber ich habe hier in den USA schnell gelernt, dass man mit solchen Menschen nicht diskutiert und ich hatte genug Arbeit auf der Kleiderstange hängen, die nur darauf wartete erledigt zu werden. Für mich war es eine interessante Erfahrung, gerade weil ich immer noch überrascht bin, wenn Gespräche diese Wendung nehmen.

Auch mein Akzent lässt viele nachfragen, woher ich komme. Am Anfang habe ich auf diese Frage immer direkt mit: „Aus Deutschland!“ geantwortet. Oft wurde daraufhin mit einem überlegenen: „Achja, dass hätte ich gleich sagen können!!“ reagiert. (Warum wurde ich dann nochmal nach meiner Herkunft gefragt?) Mittlerweile antworte ich immer mit der Gegenfrage, was sie denn denken. Laut einiger Kunden komme ich aus England oder Australien. Eine Kundin, die mit ihrem erwachsenen Sohn bei uns im Laden war, tippte auf Israel. An die beiden erinnere ich mich noch gut, weil sich ein angenehmes Gespräch entwickelte. Ich erwähnte also, dass ich aus Deutschland komme, als ihr Sohn auch schon anfing mit mir auf Deutsch zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er über ein Programm, während des Studiums ein Praktikum im deutschen Bundestag gemacht hat und im Rahmen dessen Deutsch gelernt hat. Sogar mein Programm, das PPP, war ihm ein Begriff. Besonders angenehm blieb mir in Erinnerung, dass er mich während des ganzen Gesprächs mit dem SIE ansprach und nicht nach meinem Vor- sondern Nachnamen fragte, den er dann auch verwendete um sich mit mir zu unterhalten. Etwas sehr außergewöhnliches hier in den USA.

Eine andere Begegnung habe ich auch noch sehr gut im Kopf, weil sie natürlich mit Deutschland, um genau zu sein mit dem Mauerfall zu tun hat. (Für mich als kleiner Geschichtsfan ein besonderer Moment, weil seit langem Geschichte wieder lebendig wurde.)

Der Kunde brachte seine Uniform zu uns um ein neues Abzeichen aufnähen zu lassen. Aus Neugierde fragte ich nach wozu er gehöre: Army, Marines oder Air Force und ein Gespräch entspann sich. Er erzählte mir, dass er Ender der 80er in Deutschland stationiert war. Genau an dem Tag an dem die Mauer fiel, war er allerdings mit ein paar anderen Amerikanern in Ostberlin. Als die Neuigkeiten bei ihnen ankamen, versuchten sie so schnell wie möglich zurück zum Checkpoint Charlie zu kommen. Sie waren nicht sicher, was genau los war und ob sie noch in den Westen gelassen würden, oder nicht.

Ich bekomme bei meiner Arbeit also die ein oder andere Geschichte zu hören, sowie witzige Versionen von den Namen KLUGHERZ, HÖSCHEN, ZWILLING und MECKLENBURG. Auch wenn es manchmal komisch ist, weil jemand einfach seine Meinung raushaut und los redet, weil er einfach mal wieder jemandem zum Reden braucht, in der Regel freue ich mich über die Offenheit zum Smalltalken, die mir hier entgegengebracht wird und die ich in Deutschland manchmal vermisst habe.
Und es macht das Arbeiten um so viel angenehmer.

See you soon,
Eure Clara

Verspätete Ostergrüße aus Florida

Washington D.C.

Letztes Jahr im Juni hatte ich die Chance das Abgeordneten-Büro von CDU’ler Thomas Viesehon zu besuchen. Dieser war, bis zu den vergangenen Bundestagswahlen, mein Pate des parlamentarischen Patenschafts Programm (PPP). Dieser Besuch im Bundestag hat mir gute Einblicke hinter die Kulissen unseres Parlaments und in den Alltag eines Politikers gegeben. Anfang März hatte ich erneut die Chance das Büro eines Politikers zu besuchen. Nur diesmal in Washington D.C. und von dem Republikaner Tom Emmer, der den Distrikt vertritt in dem ich gerade lebe: St. Cloud, MN.

Im deutschen Bundestag Juni 2017

Im Rahmen meines Austauschprogrammes fand Anfang des Monats das Zwischenseminar in D.C. statt. Nach genau sieben Monaten kamen wir Teilnehmer alle wieder zusammen. Einige der anderen Teilnehmer hatte sich in den letzten Monaten schon wiedergesehen, um zusammen zu reisen, um Silvester zu feiern oder einfach, weil sie in der Nähe von einander leben. Für mich war es hingegen das erste Mal seit dem Einführungsseminar in New York City, dass ich die meisten wiedergesehen habe. Genau drei andere Teilnehmer hatte ich während der letzten Monate zu Gesicht bekommen und ansonsten auch wenig Kontakt gehalten. Dieses Seminar hat mich aus meiner kleinen neuen Welt, die ich mir in St. Cloud eingerichtet habe, ein wenig herausgerissen. (Mittlerweile bin ich dort aber wieder sehr gut angekommen.)

In Tom Emmers Büro

Auf dem Programm standen einige Reden zum Beispiel über die Bedeutung des Ehrenamts hier in den USA, Meinungsfreiheit und wie die amerikanische Regierung aufgebaut ist, sowie ein Besuch im State Department und dem Capitol. Neben diesem offiziellen Programm stand aber auch eine Trolley Tour am ersten und ein Basketballspiel am dritten Abend an. Durch die Tour hatten wir die Möglichkeit viele der unzähligen Monumente und Denkmäler zu sehen (unter anderem auch das Weiße Haus). Zudem haben wir uns das Newseum angeschaut in dem man in das Amerika des letzten Jahrhunderts bis heute eintauchen kann und sich dementsprechend Nachrichtenbeiträge aus der Zeit aber auch Dinge wie Überreste der Twin Towers anschauen kann. Besonders stolz wurde uns von Mitarbeitern dort erklärt, dass sie auch einen Teil der originalen Berliner Mauer im Museum haben.

Washington D.C. ist eine sehr schöne Stadt und reich an Geschichte, also in vielerlei Hinsicht das Gegenteil der meisten amerikanischen Städte. Tatsächlich hat sie mich an einige deutsche Städte erinnert, wie Leipzig und Dresden. Die Stadt erschien mir sehr offen und weitläufig, was ich nach dem Einführungsseminar in New York City wirklich sehr genossen habe. Es gibt dort keine Türme, keine Skyscraper wie in New York. Es gibt wenig schattige Straßen und die meisten sind breit und gut überschaubar. Ich hatte zwischendurch immer mal wieder das Gefühl in einer europäischen Stadt unterwegs zu sein. Vielleicht kam dieses Gefühl auch dadurch zustande, dass von unserem Hostel aus das meiste zu Fuß zu erreichen war und wir ansonsten das U-Bahn-Netz genutzt haben, was in Washington D.C. gut ausgebaut ist. Ehrlich gesagt habe dort gemerkt, wie sehr ich es vermisse ohne Auto flexibel sein zu können.

Mit Elizabeth Latham (Bureau of Education and Cultural Affairs)

Ein besonderer Tag für mich, der an dem wir das State Department besucht haben. Das „Bureau of Education and Cultural Affairs“ des U.S. Department of State ist dafür verantwortlich, dass es unser Programm gibt. Sie sorgen dafür, dass der Congress darüber Bescheid weiß, die Gelder für die Stipendien genehmigt und natürlich vieles mehr. Diese Abteilung ist für insgesamt ca. 150 Austauschprogramme zwischen den USA und der Welt zuständig. Wir wurden eingeladen uns mit der ehemaligen Leiterin dieser Abteilung zu unterhalten, sowie mit einem Mitglied der deutschen Botschaft. Außerdem war das der Tag an dem wir unseren amerikanischen Patenabgeordnenten kennenlernen sollten. Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn man mit einer Gruppe gut angezogener Leute in diesem großen Sitzungssaal ist und mit Fachleuten über Politik spricht. In diesen Momenten bin ich wirklich stolz, dass ich eine Teilnehmerin des 34. PPP bin. Noch mehr habe ich mich aber über die Auszeichnung als „Participant of the Month, Marth 2018“ gefreut. Jeden Monat wählt das State Department einen Teilnehmer aus all ihren Programmen aus. Für den Monat März wurde zum ersten Mal auch Cultural Vistas gebeten einen Teilnehmer meines Programmes auszuzeichnen und ihre Wahl fiel auf mich. Schon allein, dass meine Organisation der Meinung war, dass ich die Programmziele gut verfolge hat mich gefreut, dass aber auch die zuständige Abteilung des State Department dieser Meinung ist, gibt mir schon ein gutes Gefühl. (Den Artikel von State Department dazu gibt es hier: http://www.usagermanyscholarship.org/news-and-events/article/?article_id=10088)

Capitol Hill

Zum Abschluss besuchte ich dann das Büro von Tom Emmer. Leider habe ich ihn nicht persönlich kennen lernen können, da er spontan zu einer Abstimmung gerufen wurde. Trotzdem nahm sich einer seiner Mitarbeiter Zeit mich kennenzulernen und so unterhielten wir uns etwa zwanzig Minuten über das Wetter in Minnesota, Eishockey und die Unterschiede zwischen der deutschen und amerikanischen Regierung. Für mich persönlich war es ein wirklich gelungener Abschluss.

Obwohl es wirklich entspannend war einige Tage nicht zu arbeiten und keinen Schnee zu sehen, war ich wirklich glücklich wieder in Minnesota zu landen und mich auf den Weg nach St. Cloud zu machen, merke ich doch immer mehr, wie wohl ich mich hier fühle.

Das Zertifikat

Arbeit Arbeit Arbeit

Ich habe mir viel Zeit gelassen diesen neuen Eintrag zu schreiben, allerdings gezwungener Maßen. Seit meinem letzten Blogeintrag, den ich an einem sehr verschneiten See geschrieben habe, ist unheimlich viel passiert und es hat sich viel verändert. Nur das Wetter ist immer noch das gleiche: kalt und verschneit.

Mittlerweile ist bei mir die zweite Hälfte meines Austauschjahres angebrochen. Für mich bedeutet das, dass ich seit dem 8. Januar arbeite. Eine Auflage meines Programms ist es vierzig Stunden die Woche zu arbeiten und da es schwierig für mich war eine Vollzeitstelle zu finden arbeite ich in zwei Jobs. Die meisten Stunden absolviere ich in einem Hotel als „Housekeeping Assistant“. In diesem Feld werden immer Leute gesucht, weshalb es immerhin in diesem Betrieb leichter war eingestellt zu werden. Ich räume im Moment also die meiste Zeit fremde Zimmer auf, mache Betten und putze Badezimmer. So banal es klingt, es macht mir Spaß, denn man muss ordentlich und organisiert arbeiten um in einer halben Stunde ein Zimmer sozusagen auf null zu setzen, und es dann wieder für einen neuen Gast herzurichten. Das bedeutet alle alten Handtücher müssen raus und neue rein, das Bett muss neu bezogen werden, das Geschirr muss abgespült werden… Es ist eine körperlich anstrengende Arbeit in der man viel am laufen und sich bücken ist (an sehr anstrengenden Tage läuft man schon seine acht bis zehn Kilometer). Eigentlich lebe ich seit sechs Wochen mit permanenten Muskelkater, aber ich habe mich daran gewöhnt und es wird immer besser.

Das Hotel in dem ich arbeite

Meine zweite Stelle habe ich kurz vor der Deadline auch noch gefunden und es erscheint mir immer noch wie ein kleines Wunder, dass es geklappt hat. Tatsächlich arbeite ich als Schneiderin, was ich ja in Deutschland gelernt habe. Unsere Organisation hatte uns gebeten bis zum 15. Dezember des letzten Jahres einen sicheren Arbeitsplatz gefunden zu haben. Die Stelle im Hotel hatte ich schon, dort konnten mir aber nur maximal dreißig Stunden die Woche garantiert werden, weshalb ich etwas verzweifelt nach einer zweiten Stelle gesucht habe, in der ich Spätschichten arbeiten könnte. Ich habe im Dezember dann angefangen in die Läden der Mall reinzugehen und zu fragen ob sie gerade einstellen. Obwohl alle Läden mich gebeten haben so schnell wie möglich eine Bewerbung einzureichen, habe ich bis heute nichts von ihnen gehört.

Am 13. Dezember ist mir dann zu ersten Mal, seitdem ich in St. Cloud bin, „stitch it“ ins Auge gestochen: eine Änderungsschneiderei. Ein Resume hatte ich zu der Zeit JEDERzeit in meiner Tasche. Ohne einen echten Plan, lediglich mit dem ziel im Kopf dort eine Stelle zu bekommen, und wenn es nur zehn Stunden die Woche ist, bin ich in den Laden gegangen und habe glücklicherweise Barbara, meine jetzige Managerin, getroffen. Direkt in diesem Gespräch hat sie mir gesagt, dass sie mich einstellen möchte, sie werde gleich morgen mit ihrer Managerin sprechen. Als ich am nächsten Tag mit der offiziellen ausgefüllten Bewerbung zurückkam hatte sie schon alle Unterlagen auf dem Tisch um mich einzustellen. Als Barbaras Managerin hörte, dass sich eine junge deutsche Schneiderin vorgestellt hatte, sagte sie nur: „Stell sie ein Barb!“ tatsächlich habe ich meinen Nähtest erst abgelegt, nachdem ich eingestellt wurde und nach den ersten paar Wochen habe ich Barbara und meinem Kollegen Evan mein Portfolio gezeigt.

Mein neuer Arbeitsplatz

„stitch it“ ist eine kanadische Kette die auch einige Läden in Minnesota hat. Bekannt ist unser Laden dafür, dass wir Aufträge meistens sofort erledigen, dass heißt innerhalb von drei Stunden. Gekürzte Hosen werden von unseren Kunden in der Regel nach einem kurzen Spaziergang durch die Mall wieder abgeholt. Für mich bedeutet das, dass ich unheimlich viele neue Erfahrungen mache. Genau wie im Hotel muss ich zügig und konzentriert arbeiten, denn je schneller ich bin umso mehr Aufträge kann ich an einem Tag erledigen und aufnehmen. Ich brauchte ehrlich gesagt ein bisschen mich daran zu gewöhnen, hatte ich doch in meiner Ausbildung gelernt, dass Zeit in meinem Beruf wichtig ist. Jeder der näht weiß, wie wichtig es ist sich die Zeit zu nehmen Nähte gut auszubügeln und Säume ordentlich und gleichmäßig umzubügeln und mit Stecknadeln zu fixieren, bevor man etwas absteppt. Diese Zeit habe ich nicht immer, was sich aber überraschende weise nicht zu meinem Nachteil entpuppt. Dadurch lerne ich mich mehr auf die Materialien zu konzentrieren und schneller herauszufinden, wie ich mit verschiedenen Stoffen umgehen muss. Ich lerne an den richtigen Stellen an Handgriffen zu sparen. Das kommt auch dadurch, dass man in unserem Laden oft inmitten einer Sache unterbrochen wird, weil ein Kunde in den Laden kommt und bedient werden möchte. Der Kundenkontakt war sehr neu für mich, aber es macht mir unheimlich viel Spaß, besonders weil ich jetzt Anproben selber machen darf und meine Managerin dabei über die Schulter schauen darf. Außerdem bekommt man immer mal wieder schöne Geschichten zu hören, aber dazu ein anderes Mal mehr.

Nur eine kleine Auswahl unserer Garne

Die ersten zwei Arbeitswochen waren verhältnismäßig entspannend und dementsprechend eine gute Eingewöhnungsphase. Danach wurde es für mich unheimlich anstrengend, da ich zwei Wochen lang knapp sechzig Stunden die Woche gearbeitet hatte. In beiden Betrieben fehlten Mitarbeiter und die Arbeit musste von uns aufgefangen werden. So wurden aus meinen zehn Stunden bei „stitch it“ schnell fünfundzwanzig pro Woche und dazu noch die dreißig Stunden im Hotel. An den meisten tagen habe ich in beiden Jobs gearbeitet mit maximal einer Stunde Pause zwischendurch, was mich auf zehn bis elf Stunden pure Arbeitszeit am Tag brachte. In der Regel habe ich im Moment eine sechstage Woche und den einen freien Tag habe ich in den letzten Wochen in der High-School meines Gastbruders verbracht und die Deutschkurse besucht um meinen Community Service zu absolvieren. Dadurch hatte ich am vergangenen Samstag meinen ersten komplett freien Tag nach knapp drei Wochen.

Zu alledem habe ich mich auch dazu entschlossen einen Geschichtskurs mit dem Thema „Europa und der zweite Weltkrieg“ zu belegen. Aufgrund des hohen Arbeitspensums habe ich mich aber selber dazu entschieden „nur“ noch Gasthörerin zu sein und nicht ganz aktiv daran teilzunehmen. Für mich ist dieser Kurs aber einmal pro Woche Zeit zum Durchatmen und entspannen. Ich lerne viel Neues über die deutsche Geschichte und das von einer anderen Perspektive, was ich sehr genieße.

Aus meinem Portfolio

Es ist im Moment eine sehr anstrengende aber sehr erfahrungsreiche Zeit. Ich lerne unheimlich viel Neues über Amerika, Deutschland, aber auch über mich selber und daher schätze ich die Zeit sehr.
Dennoch freue ich mich auf die kommenden Wochen, denn da eine Kollegin von der Änderungsschneiderei gekündigt hat werde ich ihre Schichten arbeiten und nur noch ein oder zwei Tage im Hotel sein. Dadurch bekomme ich nach zwei Monaten wieder einen geregelten Wochenablauf und vor allen Dingen zwei aufeinanderfolgende freie Tage! Ich freue mich auch sehr darauf, da ich in der letzten Zeit das Gefühl hatte, dass meine Freunde und Gastfamilie zu kurz kommen und damit auch ich selber, dafür werde ich wieder etwas mehr Zeit haben, was mir unheimlich wichtig ist, weil die Zeit im Moment verfliegt und die kommenden fünf Monaten mir vermutlich vorkommen werden wie ein Wimpernschlag.

 Ich hoffe sehr, dass mein nächster Eintrag nicht so lange auf sich warten lässt, aber jetzt freue  ich mich erstmal auf ein Hockeyspiel der „Minnesota Wilds“ was ich mir mit meinem Bruder anschauen werde und auf das Zwischenseminar in Washington D.C. zudem ich mich am kommenden Wochenende auf den Weg mache.

See you soon,
eure Clara

Minnesotan Winter

Minnesota wird im Winter kalt. Für mich persönlich ungewohnt kalt, und der Winter hier ist lang. Den ersten Schnee gab es Ende Oktober zu Halloween. Seit Mitte November ist der Mississippi gefroren und auf den Seen werden Hütten zum Eisfischen aufgebaut.  Im Moment genieße ich den Blick auf den Gull Lake, der eine Stunde nördlich von St. Cloud liegt. Hier habe ich auch mein Silvester verbracht, laut Google war da Minnesota der kälteste Platz auf der Welt, kälter als Sibirien und der nördlichste Punkt Kanadas.

Viele Teilnehmer meines Programmes hat es über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr nach Miami, Las Vegas, Mexiko und unteranderem auch nach Australien verschlagen. Kurz gesagt an einen wärmeren Ort als Minnesota, wo die Temperatur gerade wieder auf minus achtzehn Grad Celsius gestiegen ist.

Lake Hubert

Mir war es wichtig über die Feiertage zu Hause zu bleiben und die Tage mit meiner Gastfamilie zu verbringen, auch wenn es ganz anders sein würde, als ich es von zu Hause kenne. Aber unter anderem auch, weil ich das Wetter in Minnesota kennen lernen wollte.

Mitte Dezember habe ich das Semester an der St. Cloud State University beendet. Es war eine wirklich aufregende Zeit, in der ich viel neues Wissen und einige tolle Leute kennen gelernt habe. Ich habe unheimlich viel erlebt und gute Erfahrungen gemacht, unter anderem, wie man mit interkulturellen Differenzen umgeht.

Kurz vor Weihnachten musste ich mich dann von der ersten guten Freundin verabschieden, die ich hier getroffen habe. Für sie war das Auslandssemester vorüber und die Heimreise nach Deutschland stand an. Viel Zeit zum Trübsal blasen blieb mir allerdings nicht, stand ja der Weihnachtsmarathon vor der Tür, der sich als weniger anstrengend als erwartet entpuppte. Ich hatte Angst, dass ich viel Heimweh spüren würde und das Weihnachtsfest meiner Familie sehr vermissen würde. Allerdings hatte ich während der ganzen Zeit nicht das Gefühl, dass Weihnachten ist. Tatsächlich hat gerade das dazu geführt, dass ich besser mit dem Heimweh umgehen konnte. Weil es sich nicht angefühlt hat wie die Weihnachtszeit in Deutschland, oder wie Weihnachten allgemein, habe ich sie nicht vermisst.

Meine Schwester, die die Kälte hier gut überstanden hat

 Ich habe um mich zu Hause zu fühlen Plätzchen gebacken und mit Claudia kleine Lebkuchenhäuser dekoriert. Außerdem hatte ich zahlreiche Adventskalender, von meinen Eltern, meiner Schwester und sogar die Mutter meiner Gastmutter hatte mir einen besorgt.

Am 23. Dezember stand dann die große Weihnachtsfeier bei den Eltern meiner Gastmutter an. Ron und Jane sind selber Gasteltern von zwei internationalen Studentinnen, Yannis aus China und Leo aus Vietnam, zudem sind sie Schwiegereltern einer Irin, haben selber polnische und deutsche Wurzeln und zudem waren noch Freunde mit norwegischen Wurzeln zu Besuch, wodurch unser erstes Abendessen zusammen zu einer internationalen Runde wurde. Dafür wurde jede Menge Essen vorbereitet, dass typisch für die Länder waren. Aus Vietnam gab es Hühnchen mit scharfer Soße, polnische Würste mit Sauerkraut, irisches Sauerbrot und Kartoffelsuppe und ich stand zwei Tage in der Küche um deutsche Spätzle und Wurstsalatvorzubereiten. Wir haben an diesem Abend gewichtelt, Karten gespielt, ein Footballspiel geguckt… kurz gesagt einfach Zeit zusammen verbracht. Es war im Grunde genommen das Gegenteil von dem, was ich am 24. Dezember erlebt habe.

Den Baum habe ich Ende November schon geschmückt

In meiner Familie wird an diesem Tag viel Zeit miteinander verbracht. Wir schmücken an dem Tag zusammen den Christbaum, gehen zusammen in die Kirche, bereiten zusammen das Essen vor… es gibt eigentlich keine Zeit am Tag an der man sich selber beschäftigen muss. In meiner Gastfamilie hat sich hingegen jeder selbst beschäftigt, bis wir um vier Uhr zusammen in die Kirche gegangen sind. Ich habe den Tag hier eher weniger als einen besinnlichen und geselligen Tag erlebt. Natürlich war er irgendwie schön, aber nicht so wie ich gerne Weihnachten verbringen möchte. Für mich hat es sich angefühlt, wie ein ganz normaler freier Tag, an dem seltsamer Weise Geschenke ausgepackt wurden.

Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass mir die Nase zufriert, wenn ich vor die Tür gehe, dass ich mehrere Versuche brauche, bis morgens mein Wagen anspringt, weil es über Nacht so kalt war. Ich habe mich auch an die Sprache gewöhnt, und daran, dass hier alles informeller ist als in Deutschland. Heimweh werde ich weiterhin haben, nur sehe ich es nicht mehr als etwas Schlechtes, das man irgendwie überwinden muss, sondern es zeigt mir, dass ich mich in Deutschland immer wohl gefühlt habe und dass das Leben dort vielleicht einfach besser zu mir passt als ich erwartet habe. 

Der Upper Gull Lake

Silvester habe ich dann zusammen mit meiner Schwester am Gull Lake verbracht an dem ich gerade wieder sitze. Meine Gastmutter hatte uns in das Haus eingeladen, welches sie für eine Woche angemietet hat. Die Seen in Minnesota sind ruhige Orte an denen man sich gut entspannen kann. Es kommt nicht selten vor, dass man eine Rehfamilie den gefrorenen See kreuzen sieht und ich finde es faszinierend, dass man hier auf einem See spazieren gehen kann. Das schöne an dem kalten Winter in Minnesota ist, dass man selten graue Tage erlebt. Oft habe ich hier strahlend blauen Himmel mit einer wunderbaren Sonne, die wenigstens etwas wärmt.

Auch an Silvester habe ich meine Gastfamilie als eine Familie erlebt, die wenig zusammen unternimmt. Meine Gastmutter hielt auch an diesem Tag streng ihre Routine ein und war um neun im Bett, so wie übrigens auch an Weihnachten, und mein Gastbruder hielt bis um elf Uhr durch, da wurde in New York Silvester gefeiert. Meine Schwester und ich blieben wach bis Mitternacht, wir tranken unseren Sekt, wie jedes Silvester, riefen unsere Eltern an, wie jedes Jahr und genossen das Feuerwerk, das von dem Restaurant im Resort veranstaltet wurde.

Merry Christmas and a happy new year aus dem kalten Minnesota

Ich hatte Feiertage, die anders waren und trotzdem schön und jetzt genieße ich die letzten freien Tage bevor der Arbeitsalltag wieder losgeht. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

See you soon,
eure Clara
 

Gastfamilien…

In einer Familie zu leben ist nicht immer einfach. Es bedeutet verschiedene Menschen zu koordinieren, auf Bedürfnisse der anderen einzugehen und dabei sich selber nicht zu vergessen. Ich habe die letzten vier Jahre alleine gelebt und hauptsächlich die Vorteile davon kennen und schätzten gelernt. Schon während der letzten Jahre war es manchmal eine Herausforderung wieder zu Hause bei meinen Eltern und Schwestern zu sein. Aber ich wusste, dass streiten auch okay ist, weil sie ja meine Familie sind und wir immer für einander da sein würden.

Jetzt ist es ein wenig komplizierter. Das Leben in einer Gastfamilie bringt das familiäre Zusammenleben auf das nächste Level. Von den anderen Teilnehmern meines Programms bekomme ich verschiedenes mit! Leider hat schon eine Teilnehmerin auf Grund ihrer Gastfamilie das Auslandsjahr abgebrochen. Andere haben sich in ihre neue Familie so sehr verliebt, dass sie nicht mehr aufhören können das allen auf Facebook mitzuteilen. Wenn ich das sehe frage ich mich wo ich einzuordnen bin. Ich glaube irgendwo dazwischen.

Ich bin wirklich sehr glücklich in meiner Gastfamilie gelandet zu sein. Meine Gasteltern haben beide im Ausland studiert. Die Eltern meiner Gastmutter, die ich kennenlernen durfte, haben einige Zeit in Deutschland gelebt, weil Ron dort stationiert war. Außerdem haben sie schon als meine Gastmutter noch klein war, immer wieder Gaststudenten aufgenommen. Zudem arbeitet meine Gastmutter an einem College viel mit internationalen Studenten zusammen. Meine Gastfamilie selber hat viele Jahre Gaststudenten aufgenommen. Allerdings bin ich die erste die mit einem Austasuschprogramm in den USA ist und nicht, weil ich hier meinen Abschluss machen möchte. Und ich bin auch noch das erste Mädchen.

Bild: mein neues Wohnzimmer

In der eigenen Familie, denke ich, lernt man die Bedürfnisse der Eltern und Geschwister von klein auf kennen, man lernt damit umzugehen und mache Dinge manchmal einfach nur auszuhalten. Vor allem, denke ich aber, dass man lernt Kompromisse einzugehen und zwar zusammen!

Ich habe mich hier langsam echt gut eingelebt. Ich fühle mich in St. Cloud sehr wohl, es ist eine herrliche, überschaubare Stadt. Zu studieren macht mehr Spaß, als erwartet und ich finde es schade, dass das Semester nächste Woche schon vorüber ist. Und ich dachte, dass ich auch langsam in meiner Gastfamilie angekommen sei, bis eine Woche vor Thanksgiving. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einfach alles auf einmal zusammenkommt. Während man versucht sich in der Stadt und auf dem Campus einzuleben und genug Menschen kennenzulernen um nicht alleine dazustehen lernt man die Familie und ihre Regeln kennen. Ich habe versucht mich einzubringen ohne dabei in Fettnäpfchen zu treten und mich zu Hause zu fühlen. Ich lebe in eine Gastfamilie in der jeder sehr selbstständig ist. Wir haben bisher erst einmal zusammen gegessen und das war an Thanksgiving. Ansonsten kümmert sich jeder selber um sein Essen. Meine Gasteltern sind beide Vollzeit Berufstätig. Der ältere Gastbruder studiert in Minneapolis und der kleine ist so beschäftigt mit der Highschool und seinem Sport, dass man sich manchmal gar nicht zu Gesicht bekommt. Weil es mir auch wichtig war in der Uni Anschluss zu finden ist mein Rhythmus ein wenig anders als der meiner Gastfamilie, was die erste Zeit wohl auch okay war. Und ich hatte auch das Gefühl, dass wir gut miteinander auskommen bis mir meine Gastmutter gesagt hat, womit sie ein Problem hat. Ich möchte mich mit meiner Gastmutter nicht streiten, ich möchte das Jahr über gerne dortbleiben. Zudem habe ich meine Gastmutter als eine Frau kennen gelernt, der man eher nicht widerspricht, sondern Besserung gelobt. Ich möchte hier auf keinen Fall jemanden schlecht reden ich möchte mehr zeigen, dass es nicht immer einfach ist mit fremden Menschen zusammen zu leben, besonders wenn es auch noch in einem anderen Land ist.

Bild: Mit meinen Gastbrüdern und einem Freund an Thanksgiving

Ich habe mich nie als eine sehr direkte Person wahrgenommen, bis ich in den USA eines Besseren belehrt wurde. Und ich habe noch nie so indirekte Menschen getroffen, wie die Amerikaner, besonders aber meine Gastmutter. Es hat mich vier Monate gebraucht herauszufinden, dass sie viele Dinge durch die Blume sagt. Ich habe hier mit interkulturellen Differenzen zu kämpfen. Meine Lösung für das Problem ist mir Zeit zu geben, aber nicht unbedingt jeder um einen herum gibt mir die Zeit.

Thanksgiving hat einiges wieder eingerenkt. Ich habe es zusammen mit meiner Gastfamilie und einigen anderen verbracht. Dieses Jahr hat das Fest bei uns stattgefunden und das heißt, dass am letzten Donnerstag fünfundzwanzig Freunde und Verwandte meiner Gastfamilie zum Essen und zusammen sein da waren. Und wie der Name des Feiertages schon sagt ist es die Zeit gewesen um Danke zu sagen. Was ich gemeinsam mit einer Freundin gemacht habe. Claudia war ebenfalls eingeladen, den Tag mit uns zu verbringen, worüber wir uns beide sehr gefreut haben und deswegen ein Geschenk besorgt haben. Ich lerne hier mich zu bedanken, zu zeigen, dass ich aufmerksam bin und mitbekomme, was in der Familie abgeht. Das ist jetzt wieder leichter, weil wir alle ein erholsames Wochenende hinter uns gebracht haben und ich wieder mehr Zeit habe und mehr zu Hause bin. Außerdem habe ich verstanden, dass die Frage: „How are you?“ Eine ausführlichere Antwort braucht, als nur „I am fine“. Im Grunde genommen steckt da die Frage nach einem Tagesbericht drin. Das ist für mich auch indirekt. Ich bin es gewöhnt Fragen gestellt zu bekommen, wenn jemand interessiert ist. In den USA ist das offener. Es wird einfach erzählt.

Bild: Claudia und Ich beim Christbaum schmücken.

Ich habe festgestellt, dass es eine gute Erfahrung ist, die ich hier mache, dass ich unglaublich viel lerne, insbesondere über mich und andere Menschen. Aber auch, dass es wichtig ist offen zu sein gegenüber anderen Kulturen. Was ich aber auch weiß ist, dass die amerikanische Kultur nicht meine ist, dass ich kommendes Jahr wieder nach Hause reisen werde und dass Deutschland eigentlich voll okay ist.

 See you soon,
eure Clara

Costume Construction

Mein Kurs „Costume Construction“ ist wohl der, der am ehesten das ist, was ich in Deutschland gemacht habe. Es geht darum nähen zu lernen, Entwürfe zu machen und an Kostümen zu arbeiten, die später auf der Bühne stehen. Nähen habe ich durch meine Mutter gelernt, seitdem ich elf bin sitze ich regelmäßig an der Nähmaschine. Ich wurde in Bewerbungsgesprächen oft gefragt woher mein Interesse am Nähen kommt und die Antwort war immer dieselbe: durch meine Mutter und meine Großeltern. Meine Großmutter mütterlicherseits hat selber eine Schneiderausbildung absolviert und dann für meine Mutter und ihre Geschwister viel selber genäht. Meine Großeltern väterlicherseits waren Feintäschner, sie haben Portemonnaies und andere feine Lederwaren gefertigt. Außerdem war es mir wichtig zu sehen, was ich mache und lerne. Besonders jetzt rückblickend denke ich, dass es mir in der Schule immer schwer viel zu verstehen, was der Lehrer erwartete, wenn ich etwas analysieren sollte, zum Beispiel im Deutschunterricht. Zudem erschien mir die Benotung immer etwas willkürlich, ich denke, weil es mir schwer viel zu verstehen, wieso meine Interpretation richtig oder falsch war.

Bild: In der Herrengarderobe des Colleges

 Beim Nähen sehe ich die Fehler selber. Allgemein genieße ich es jedes Mal wieder zu sehen, wie aus einer Idee ein Kleidungsstück wird. Mich beeindruckt es, dass man mit einem platten, eindimensionalen Schnittmuster anfängt, und mit vielen kleinen Schritten, die für mich sehr logisch nachzuvollziehen sind ein Kleid, Hosenanzug oder auch einfach nur ein T-Shirt erstellt. Ich habe festgestellt, dass ich Dinge besser begreifen und lernen kann, wenn ich sie in die Hand nehmen und anschauen kann. Das bedeutet nicht, dass ich nicht abstrakt denken kann und nicht mit Papier und Stift arbeiten kann. Ganz im Gegenteil. Jedes Kleidungsstück beginnt mit dem konstruieren des Schnittmusters und auch um Probleme während des Nähens zu lösen wird Kreativität und abstraktes Denken erfordert, weil nicht jedes Material genau das macht, was man von ihm erwartet.

 Besonders aber bei der Schnitterstellung braucht man logisches Denkvermögen. Eine gute Schnittdirectrice hat die Fähigkeit schon bei der Schnitterstellung zu erkennen wie sich das was sie zeichnet auf das Kleidungsstück auswirkt. Sie weiß wie sie Abnäher und Falten setzten muss um einen bestimmten Fall des Stoffes zu erreichen. Meistens kommt diese Fähigkeit durch sehr viel Übung und Erfahrung, durch Fehler, die man schon gemacht hat, aber auch daher, dass man das was man in 2-D zeichnet in 3-D vor dem inneren Auge sieht.

Bild: beim fixieren der gefältelten Krause

 In meinem Kurs steht das nähen im Vordergrund. Ich bin in einer Klasse mit Nähanfängern und Studenten, die noch nie genäht haben. Aber um einen Abschluss in dem Fach Theater zu erwerben muss man während seines Studiums diesen Kurs belegen. Aber es lohnt sich. Der Kurs findet immer im Herbst-Semester statt wodurch jeder sein eigenes Halloweenkostüm nähen kann. Ich habe diese Aufgabe genutzt um zwei Dinge zu machen, die ich immer schon machen wollte: einen Body, oder Badeanzug und eine Achterkrause. Eine Achterkrause wurde besonders im späten sechzehnten Jahrhundert in Spanien getragen. Sie wird auch Mühlsteinkragen genannt, weil sie kreisrund ist und schwer auf den Schultern liegt. Von Zeit zu Zeit werden Krägen, wie diese auch im Theater gefertigt, aber leider nicht in der Zeit in der ich dort meine Ausbildung gemacht habe. Dieses Projekt braucht Geduld, weil man viel mit Handstichen und so immer mit der gleichen Bewegung.

 Ich wollte nicht, dass die Krause auf meinen Schultern, sondern auf meiner Taille sitzt, als eine Art Rock. Das hatte wiederum zur Folge, dass noch mehr Material erforderlich war. Es gibt verschiedene Wege eine Krause zu fertigen, ich habe mich für die unkomplizierte Variante entschieden einen langen, geraden Stoffstreifen in Falten zu legen und dann an den äußeren Kanten zu fixieren. Aufgrund der Fixierung hat die Krause ihren Namen: man zieht die Stoffschichten zusammen, dass Waben entstehen, die auch ausschauen, wie Achten. Im Enddefekt hatte ich einen zwölf Meter langen und fünfundzwanzig Centimeter breiten Streifen, den ich Säumen und in Falten legen musste. Damit die Falten gleichmäßig werden macht es bei so etwas Sinn Fäden einzuziehen mit denen man den Stoffstreifen ganz einfach wie eine Ziehharmonika zusammen schieben kann. Danach folgte der Teil, der am meisten Zeit beanspruchte: das Fixieren. Wie vorher schon beschrieben zieht man die Stofflagen aus den Falten zusammen und fixiert sie mit kleinen Knötchen, wobei man darauf achtet die Falten in sich nicht zu verschieben. Es ist aufwendig, aber es lohnt sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Einerseits habe ich wieder einmal begriffen, wie schnell man die Menge an Arbeit unterschätzen kann. Mir war vorab bewusst, dass es viel Zeit brauchen würde diese Krause herzustellen, aber am Ende war ich doch sehr überrascht, wie viel es war. Andererseits war es auch wieder eine Übung sauber und ordentlich zu arbeiten. Besonders, wenn man einfach einen geraden streifen hat ist das wichtig, aber auch bei dem Body, den ich genäht habe, war das sehr wichtig. Für diesen hatte ich mir einen Stretch-Samt ausgesucht, der schwer war unter der Maschine zu führen.

Bild: die fertige Krause

Aber genau das hat mein Kurs „Costume Construction“ als Ziel. Dass die Studenten lernen ordentlich zu arbeiten, sich ihre Zeit gut einzuteilen und kreative Lösungsansätze zu finden. Dieser Arbeit mit Respekt zu begegnen ist meiner Lehrerin Carol sehr wichtig. Viele in der Theaterabteilung haben vor später als Schauspieler auf der Bühne zu stehen. Für Carol gibt es wenig, dass schlimmer ist als Schauspieler, die die Kostüme als selbstverständlich nehmen und selber nicht wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt.

In den letzten vier Monaten habe ich in St. Cloud die Universität besucht und einiges über Bildungssysteme gelernt. Am meisten habe ich aber verstanden, wie gut unser deutsches Bildungssystem ist – trotz kleiner Schwächen.

In Deutschland war ich Schülerin an einem Gymnasium und habe mich nach meinem bestandenen Abitur für eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin entschieden. Ich hatte gemerkt, dass ich besser lernen kann, wenn ich praktisch arbeite. Dadurch begreife ich besser, was ich tun muss, und ich kann meine Fehler leichter selber erkennen. Mein Studium in St. Cloud zeigt mir jetzt, dass ich auch theoretisch arbeiten kann und das gerne tue.

Wir haben in Deutschland ein sehr umfangreiches und breit gefächertes Bildungssystem, das allen Lernertypen die Möglichkeit gibt nach dem Schulabschluss in eine Ausbildung oder ein Studium zu starten.

Bild: Ich in meinem Halloween-Kostüm

Es gibt Berufe, wie zum Beispiel das Schneiderhandwerk, die nur durch eine Ausbildung zu erlernen sind, weil von Anfang an Praxiserfahrung gesammelt werden muss. Ich bin überzeugt, dass in vielen Studiengängen zu wenig praxisorientiert gearbeitet wird und dass in manchen Ausbildungsbetrieben dafür die intellektuelle Herausforderung fehlt. Das kommt meiner Meinung nach daher, dass in unserer Gesellschaft nach wie vor akademische Berufe ein höheres Prestige haben als Berufe im handwerklichen Bereich. Man braucht einen höheren Abschluss um studieren zu dürfen, was leider dazu führt, dass bei Auszubildenden geschlussfolgert wird, sie hätten einen „schlechteren“ Abschluss und seien somit weniger klug. Damit wurde ich als Abiturientin das eine oder andere Mal konfrontiert. Leider auch mit der Meinung, dass ich mein Abitur vergeudet hätte.

Leider gibt es in den USA eine Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten, wie bei uns, nicht. Wer hier Kostümschneiderin werden möchte, so wie ich, kann nur zwischen keiner und einer akademischen Ausbildung wählen. Das wurde mir durch viele Gespräche mit meiner Lehrerin im „Theater Department“ bewusst. Um in den USA einen Beruf am Theater ergreifen zu können, zum Beispiel als Kostümschneiderin, müsste ich zunächst und ganz generell als Hauptfach „Theater“ wählen und Fächer in diesem Bereich belegen. Das heißt, ich müsste eine Vielfalt an Kursen belegen, wie „Einführung ins Theater“, in Schauspiel und Regie, in Nähpraxis und sehr reduziert in Kostümdesign. Im Laufe der drei Studienjahre würde ich sie alle durchlaufen, vieles kennen lernen, aber nichts davon wirklich intensiv.

Nach diesem Universitäts-Abschluss wäre ich Generalistin. Erst jetzt könnte ich mich spezialisieren, indem ich mich in Theaterwerkstätten bewerbe und versuche eine Stelle als Näherin zu ergattern. Was mir in diesem Ausbildungsweg fehlt, ist der Erwerb breiter schneidertechnischer Kenntnisse und Fähigkeiten, welche ich im Betrieb und in der Berufsschule in Deutschland eben gelernt habe.

Mir wurde von der Politik und meinen Lehrern schon früh vermittelt, dass nur eine akademische Ausbildung wirklich Zukunft hat. Meines Wissens gehen in Deutschland zurzeit sechzig Prozent eines Jahrgangs an Universitäten und Hochschulen. Ich finde, wir sollten von diesem Drang wegkommen nur Akademiker auszubilden und Schüler auf Biegen und Brechen auf die Universität vorzubereiten, weil es das vermeintlich Beste für sie ist. Wir sollten mehr darauf schauen, ob ihre Fähigkeiten in der Praxis oder in der Theorie liegen, und es wertschätzen, wenn sie das selbst herausfinden. Das gilt für Deutschland und wohl auch für die USA.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA begegne ich vielen jungen Leuten, die nicht wissen, was sie studieren sollen, oder ob der Studiengang, den sie belegen, der richtige für sie ist. Sie wechseln verzweifelt hin und her oder schieben den Beginn der Ausbildung immer wieder auf. Sie jobben lieber um herauszufinden, was das Richtige für sie ist. Hört man einigen von ihnen richtig zu, möchte man ihnen einfach nur den Ratschlag geben in einen Ausbildungsberuf zu wechseln, weil man heraushört, dass sie mehr daran interessiert sind praktisch zu lernen.

In Deutschland sollten wir aufhören die Stipendien, die an ehemalige Auszubildende die studieren möchten, vergeben werden, „Aufstiegsstipendien“ zu nennen. Das suggeriert nämlich, dass eine Ausbildung im Rang unter einem Studium steht. Dabei ist es einfach nur ein anderer Weg einen Beruf zu erlernen. Eine solche Stipendium ist eine wirklich gute Sache. Es kommt natürlich auch für mich in Frage, aber nicht um „aufzusteigen“, sondern um mich weiterzubilden!

Ich finde, das Deutsche Bildungssystem ist sehr gut aufgestellt und zudem auch noch verdammt günstig. Davon kann sich Amerika eine dicke Scheibe abschneiden! Wir sollten also unser Bestes geben unser System zu erhalten.

See you soon,
Eure Clara

 

 

Duluth

Ich weiß nicht mehr genau, wie lange es her ist, dass ich an der Côte d’Azur war, aber ich kann mich noch ganz genau daran erinnern wie wunderbar ich den Blick auf das klare Wasser fand, wie sehr ich es mochte an der Küste entlang zu fahren und das endlos weite Meer zu betrachten. Das war für mich immer ein sehr angenehmes Gefühl, auch daran zurück zu denken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas hier in Minnesota finden würde. Ich habe das Land zunächst eher als einen rauen, pragmatischen Staat gesehen. Alles ist sehr platt, der Wind fegt unermüdlich durch und das Wetter wechselt mittlerweile von Tag zu Tag. Die Straßen sind Schnurgerade und wenn man doch mal abbiegen muss, dann im rechten Winkel.

Meine Gastmutter hatte mich und eine Freundin eingeladen für zwei Tage nach Duluth zu kommen und mit ihr eine Nacht dort zu bleiben. Also haben Claudia und ich uns am Freitagmorgen in mein Auto gesetzt und sind nach Norden gefahren. Etwa zweieinhalb Stunden fährt man durch unbewohntes Land, überquert Flüsse und Seen, die man irgendwann aufhört zu zählen, weil es zu viele sind. Manchmal steht ein einsamer Briefkasten an einer geschotterten Straße, aber man findet das Haus dazu nicht.
In den USA Auto zu fahren ist wirklich angenehm. Die Interstates, die man mit der deutschen Autobahn vergleichen kann sind bei weitem nicht so befahren, wie in Deutschland und zudem wird sich hier auch sehr gut an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten, die in MN bei etwa 110 km/h liegt. Was das fahren hier auch sehr besonders macht ist die Tatsache, dass man die Landschaft richtig genießen kann. Die Straße ist, anders als in Deutschland nicht von Lärmschutzwänden oder Leitplanken gesäumt. Ganz im Gegenteil, von Zeit zu Zeit wird sogar vor Wildwechsel gewarnt, was ich nur von deutschen Landstraßen kenne.

Bild: Am Strand

 

Je weiter wir nach Norden kamen, desto mehr fragte ich mich wo denn hier eine Stadt, geschweige denn der Lake Superior auftauchen soll. Nach einer längeren Weile mit Adam Levine und Dolly Parton im Ohr wurde unser Warten mit einem unbezahlbaren Ausblick belohnt. Und in diesem Moment wünsche ich mir, ich hätte ein Bild davon machen können: bevor man nach Duluth kommt schraubt sich die Straße den Berg hoch und man sieht eigentlich nicht genau, wo es hingeht und dann plötzlich am höchsten Punkt schieben sich die Hügel auseinander und geben einen endlos weiten Blick auf Duluth und den dahinter liegenden Lake Superior frei. In diesem Moment kann man nicht nur die ganze Stadt überblicken, die in einem Tal liegt, man sieht auch auf seiner rechten Seite nach Wisconsin, während man selber noch in Minnesota ist. Diese Aussicht hat uns endgültig die Sprache verschlagen. Duluth entpuppt sich danach allerdings erstmal als eine nicht wirklich schöne Stadt. Direkt am See gelegen hat sie sich zu einer Schifffahrts- und Industriestadt entwickelt. Hier teilt sich die Interstate auf und leitet einen entweder zum Südufer nach Wisconsin oder entlang des Nordufers nach Kanada weiter. Wir fuhren durch das entstehende Brücken-Wirr-Warr weiter in die Stadt hinein, bis zum Rosegarden von dem man einen herrlichen Blick auf den See hat. Von dort aus kann man wunderbar den See entlang zum Canal Park laufen. Der Canal Park teilt die Stadt von dem industriellen Part und den See vom Zufluss des St. Louis River. Es ist eine schöne Promenade, auf der Fahrrad gefahren wird, Pferdekutschen Touristen durch die Gegend fahren und sich ein Hotel an das nächste reiht. Dazwischen hat sich immer mal wieder ein Restaurant mit Seeblick einen Platz gesichert. Eigentlich hatte meine Gastmutter uns den Tipp gegeben bei „Grandma’s Saloon“ zu Mittag zu essen. Nachdem wir allerdings die Reklame für das Oktoberfest gesehen hatten und zudem die Musik mehr schrecklich war als Heimweh lindernd entschieden wir uns für die „Canal Park Brewing Company“ entschieden. Jedem den es nach Duluth verschlägt kann ich nur ans Herz legen dort ein Sandwich mit Fries zu essen. Erstens spricht der Seeblick sehr dafür auf der dortigen Terrasse Platz zu nehmen, aber auch das Essen ist wirklich gut.

Bild: Blick auf den Lake Superior vom Canal Park aus

Als Verdauungsspaziergang lohnt es sich den kleinen Kanal zu überqueren und der Straße zu folgen bis man einen Zugang zum Strand findet. Die Brücke ist auch einen Anblick wert, besonders, wenn sie hochfährt um ein Frachtschiff passieren zu lassen. Ich glaube es waren zwei oder drei Stunden, die Claudia und ich damit zugebracht haben fast schweigend nebeneinander zu sitzen, auf das Wasser zu schauen und dem Wellengang zuzuhören! Eines der schönsten Geräusche die man sich anhören kann. Abends haben wir uns noch den Enger Tower angeschaut und die 85 Stufen lohnen sich auf jeden Fall! Wir haben uns von dort oben den Sonnenuntergang angeschaut und wie nach und nach die Lichter der Stadt angehen, bis es ausschaut wie ein leicht orangener Sternenhimmel.

Für den nächsten Tag hatten wir geplant an der Küste entlang weiter zu fahren bis zum Split Rock Lighthouse und uns dann auf dem Rückweg die Gooseberry Falls anzuschauen. Und dass ist der Teil des Trips in dem ich für einen Moment dachte an der Côte d’Azur zu sein. Ron, der Vater meiner Gastmutter, hatte mir den Rat gegeben auf der Minnesotan Seite des Sees weiter zu fahren, weil er es dort schöner findet und damit hatte er einfach recht. Verlässt man Duluth kommt man zunächst auf einen kleineren Highway, der einen durch das Villenviertel der Stadt führt. Dort stehen die Häuser bis ans Wasser, wie am Wannsee, und sind mit Toren und langen Auffahrten von der Straße abgeschirmt. Zwischen den Häusern kann man immer mal ein kleines Stück vom Wasser erspähen. Und da war es wieder, das Gefühl, am Meer zu sein, die Faszination für diese Schönheit und Eleganz und die Überraschung hier so etwas zu sehen.

Bild: Split Rock Lighthouse

Das Split Rock Lighthouse liegt etwa fünfzig Meilen von Duluth entfernt, die Gooseberry Falls auf dem Weg dorthin. Die Straße führt einen direkt am See entlang immer weiter Richtung Kanada. Nachdem im November 1905 etwa dreißig Schiffe in einem Sturm verunglückt sind wurde beschlossen dort auf den Klippen einen Leuchtturm zu errichten. 1910 ging der Leuchtturm in Betrieb und konnte die folgenden knapp fünfzehn Jahre nur vom Wasser aus erreicht werden. Das Material für den Bau wurde ebenfalls über das Wasser geliefert und dann mit einem kleinen Transportzug den Hang hinaufgezogen. Die schienen sind zwar nicht mehr da, aber man kann den gleichen Weg hinunter zum Wasser nehmen. Der Strand dort ist im Grunde genommen ein langer, schwarzer Fels, der von den Wellen ganz rund und glatt gewaschen wurde.

In den zwanziger Jahren wurde dann eine Straße zu dem abgelegenen Leuchtturm gebaut, wodurch auch Touristen ihren Weg dorthin fanden, knapp 5.000 jedes Jahr bis in die dreißiger Jahre hinein. Und das zu Recht. Von dem Split Rock Lighthouse hat man einen endlos weiten Blick über den See. Ist das Wetter besonders klar kann man sogar das Ufer von Wisconsin sehen und obwohl einige Touristen jeden Tag dorthin begeben ist es dort eine wirklich schöne Atmosphäre. Man kann sich auch eines der ehemaligen Wärterhäuser anschauen. Der letzte Leuchtturmwärter leistete Dienst und lebte dort mit seiner Familie bis 1962 als der Leuchtturm geschlossen wurde. Mittlerweile ist das Split Rock Lighthouse eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Duluth.

Bild: Die unteren Wasserfälle der Gooseberry Falls

Auf dem Rückweg hielten wir noch an den Gooseberry Falls. Das sind mehrere, in einem Nationalpark gelegene Wasserfälle die man auf einem Trail umrunden kann. Ich meine insgesamt sind es fünf Wasserfälle, wir haben uns drei davon angeschaut und wie jedes Mal an diesem Wochenende einfach mal nur am Wasser gesessen und die Geräusche genossen und Menschen beobachtet.

Jeder der in den Norden Amerikas reist sollte sich die Gegend um Duluth und den Lake Superior anschauen. Besonders im Herbst wenn sich die Blätter verfärben und alles Orange wird lohnt es sich auf den Weg in den Norden Minnesotas zu machen. Genau eine Woche nach dem Ausflug nach Duluth sind Claudia und ich wieder zusammen los. Diesmal an den Leech Lake. In dieser Woche hatte in Minnesota der Herbst Einzug erhalten und die Bäume leuchteten in Orange, Gelb und Rot. Auf dem Weg und am See kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus und unser Wortschatz beschränkte sich, wie auch schon auf der Fahrt nach Duluth, auf die Worte „Beautiful“ und „Wow“. Wir hatten an diesem Wochenende nicht wirklich viel Glück mit dem Wetter, aber ich denke, dass genau das, das bezaubernde war. Obwohl es den ganzen Sonntag regnete leuchtet alles so herrlich, als würde die Sonne scheinen. Anstatt sonntags direkt zurück nach St. Cloud zu fahren machten wir einen Schlenker nach Westen zum Lake Itasca und somit zu der Quelle der Mississippi. Der Mississippi entspringt aus einem See zweieinhalb Stunden nördlich von St. Cloud. In St. Cloud selber ist der Fluss unheimlich breit, unter anderem, weil er hier angestaut wird.

Bild: An der Quelle des Mississippi

Als ich zum ersten Mal bei GoogleMaps nach St. Cloud geschaut habe, war ich richtig aufgeregt, dass die Stadt am legendären Mississippi-River liegt. Als mir meine Gastmutter dann auch noch erzählte, dass die Quelle nicht weit entfernt liegt, stand der Plan fest diese Quelle zu sehen. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass der Fluss hier im Norden noch nicht legendär ist, sondern erst in den Südstaaten, vermutlich hat da Mark Twain nachgeholfen. Lake Itasca liegt in dem gleichnamigen Nationalpark den man mit dem Auto durchfahren kann. Es ist kein sonderlich großer Park aber die Straße führt einen einmal in Kreis, entlang verschiedener Seen und über den Mississippi. Eigentlich weiß ich, dass jeder Fluss mal klein angefangen hat und trotzdem war ich überrascht, dass auch der Mississippi als kleiner Bach loslegt, bevor er zu einem ausgewachsenen Gewässer wird. Nachdem ich jetzt schon die Quelle des Flusses gefunden habe möchte ich auch gerne sehen, wie er bei New Orleans in den Golf von Mexiko mündet. Ob ich das dieses Jahr noch schaffe, oder ob ich diesen Plan weiter vor mir herschiebe, werde ich noch sehen.

Jetzt bin ich erstmal glücklich, es geschafft zu haben euch von dem wunderbaren Herbst im Norden von Minnesota erzählt zu haben und freue mich schon darauf meine Eindrücke von North und South Dakota aufzuschreiben.

See you soon,
eure Clara

Have a little patience…

Ich habe lange nachgedacht, wann ich über das Auswahlverfahren meines Austausch-Programms schreibe und auch mehrere Versuche gestartet. Das erste Mal war auf dem Heimweg vom Konsulat in Frankfurt, wo ich mein Visum beantragt habe, dann bei der Ausreise in die USA, weil ich dachte es sei vielleicht ein schöner erster Artikel und zu guter Letzt jetzt. Auslöser war, dass sich meine große Schwester entschieden hat mich über Neujahr besuchen zu kommen. Sie hat die Möglichkeit ihren Doktortitel in den USA zu machen und auf dem Weg in ihr neues Zuhause wird sie ein paar Tage bei mir Halt machen. Dass sie hierher kommen kann steht tatsächlich noch gar nicht so lange fest. Als ich ausgereist bin haben wir noch spaßeshalber gesagt, wie witzig es wäre, wenn wir uns das nächste Mal in den USA sehen würden. Erst im April dieses Jahres ist die ganze Sache langsam ins Rollen gekommen! Im September stand dann alles fest. So schnell es bei ihr voran ging, so langsam hat sich die Entscheidung ob ich in die USA gehen kann hingezogen.

Es gibt in Deutschland genau zwei Programme, mit deinen Auszubildende beziehungsweise junge Gesellen Auslandserfahrungen sammeln können und dabei finanziell unterstützt werden: ERASMUS+ und das „Parlamentarische Patenschafts-Programm“ (PPP).

Bild: Blick auf den Rio della Misericordia

Schon zu Beginn meiner Ausbildung hatte ich Lust für einige Zeit mit meinem zukünftigen Beruf im Ausland zu sein oder zumindest auch einen anderen Betrieb kennen zu lernen. Von einer anderen Auszubildenden habe ich erfahren, dass Auslandspraktika während der Ausbildung prinzipiell möglich sind. Sie selbst kam gerade von einem privat organisierten Aufenthalt in Irland zurück. Meine Ausbilderin erzählte mir zudem, dass sie schonmal eine Auszubildende in einen anderen Betrieb innerhalb Deutschlands geschickt hat. Als Austausch sozusagen.

Ich weiß nicht mehr wie genau ich darauf kam, aber vor zwei Jahren habe ich mich dann bei der Handwerkskammer in Kassel erkundigt, ob sie mir Informationen zu Auslandspraktika geben könnten. Zum Glück konnte mir Matthias Werner weiterhelfen. Er erklärte mir, dass ich mit ERASMUS+ innerhalb Europas ein Praktikum machen und mit dem PPP für ein Jahr in die USA gehen kann. Erasmus war mir schon immer ein Begriff gewesen, aber ich habe ihn nur mit Studenten und Auslandssemestern in Verbindung gebracht. Jedoch niemals mit einer Ausbildung. Mittlerweile weiß ich, dass das Programm für Auszubildende bis vor einigen Jahren noch DaVinci hieß, die beiden Programme aber leider unter dem bekannteren Namen ERASMUS+ zusammengefasst wurden.
Mit ERASMUS+ kann man während der Ausbildung bis zu vier Wochen und nach der Ausbildung sogar bis zu zweieinhalb Monate ins Ausland gehen. Dabei wird man finanziell von der EU unterstützt. Ich war dadurch vier Wochen in Italien und durfte das wunderschöne Atelier von Stefano Nicolao kennenlernen!
(http://handwerk-auf-reise.hwk-kassel.de/2016/03/23/ein-wunderland-aus-geschichte-und-seid/)

Bild: Das Stofflager von Stefano Nicolao

Dieses Praktikum hat mich angefixt. Ich wollte gerne mehr von der Welt sehen und das mit meinem Beruf verbinden. Letztes Jahr im September habe ich also an die Bewerbung für das PPP gewagt. Und ich euch, die Bewerbung hat es in sich! Aber ich nehme auch gleich vorweg: ES LOHNT SICH!

Das PPP ist ein Austauschprogramm zwischen Deutschland und den USA. Es wird von Geldern des deutschen Bundestages und des amerikanischen Kongresses finanziert. Es besteht aus zwei Formen des Austauschs: Einerseits werden Stipendien and Schüler der Mittelstufe vergeben, die in Amerika die High-School besuchen. Andererseits werden fünfundsiebzig Stipendien an junge Berufstätige vergeben, die eine Ausbildung absolviert haben. In diesem Fall gliedert sich das Jahr in zwei Teile. Zunächst wird ein Semester lang studiert, im Idealfall berufsbezogen, danach wird in einem Betrieb gearbeitet. Die Bewerbung für das PPP trainiert einen in Geduld. Ich war nicht von Anfang an davon überzeugt, dass ein Programm in den USA das richtige für mich ist.
Während meiner Schulzeit sind einige meiner damaligen Freundinnen für ein Jahr in den USA gewesen. Die meisten Freundschaften haben dadurch geendet und ich habe den USA die Schuld gegeben. Ich denke, dass war die Zeit in denen meine Vorurteile gegenüber den USA besonders stark geprägt wurden. Ich habe dann irgendwie beschlossen, dieses Land zu meiden, weil ich Angst hatte mich auch so zu verändern, wie meine Freundinnen.

Bild: Auf der Education-Abroad-Fair an der St. Cloud State University

Trotzdem, war ich der Meinung, dass ich es probieren sollte mich zu bewerben, weil es doch eine großartige Chance ist, Erfahrungen in jedweder Hinsicht zu sammeln. Und während des ganzen Prozesses war ich überrascht zu merken, wie wichtig es mir ist eines der Stipendien zu bekommen! Ich habe viel Zeit und Arbeit in mein Motivationsschreiben gesteckt, bin zu meiner Ärztin gegangen um bestätigen zu lassen, dass ich Kerngesund bin und habe meine Ausbilderin gebeten ein Arbeitszeugnis für mich auszustellen.

Und dann habe ich gewartet. Ich glaube es dauerte etwa einen Monat, bis ich davon überzeugt war, dass ich keine Chance habe und aussortiert wurde und dann doch die Einladung zu einem Interview in Berlin im Briefkasten war. Berlin hat mich richtig nervös gemacht. Wie der Name des Austauschprogramms schon erahnen lässt hat es auch mit Politik zu tun. Und ich war immer eine faule Socke, was Zeitunglesen, Nachrichten schauen und etwas über Politik herausfinden betrifft. Beruhigt hat mich die E-Mail von Christina, die zu diesem Zeitpunkt gerade in den USA war und dementsprechend das Auswahlverfahre erfolgreich hinter sich gebracht hatte. Im November 2016 bin ich also nach Berlin gefahren. Vor mir lag ein Tag in einem Assessment-Center in Hohenschönhausen mit Interview, Allgemeinwissen-Test und Englisch-Test. Der Englisch-Test war ehrlich gesagt nicht das größte Problem. Der Allgemeinwissen-Test brachte mich ins Schwitzen, weil es erstens wenig Zeit war und zweitens hauptsächlich Fragen zu vergangenen und aktuellen politischen Ereignissen waren. Aber irgendwie habe ich das doch gemeistert.

Das Interview machte mich unglaublich unruhig. Vor mir waren einige andere Bewerber an der Reihe und natürlich tauschte man sich über die gestellten Fragen aus, nicht das cleverste was man in so einer Situation machen kann. Von meinem jetzigen Standpunkt aus gesehen, war es ein angenehmes Interview, dass gut lief, aber währenddessen hat mich besonders eine Frage innerlich auf die Palme gebracht: „Sie kommen ja aus einem akademischen Haushalt. Da war es sicher schwer ihre Eltern von einer Ausbildung zu überzeugen!“

Bild: Beim Bundesinnungskongress 2016 in Kiel

Ich wusste während ich mein Abitur gemacht habe, dass ich eine Ausbildung zur Schneiderin machen möchte und habe schon während meines letzten Schuljahres unzählige Bewerbungen an verschiedenste Betriebe in Deutschland geschrieben. Und ich bin von vielen Menschen, denen ich davon erzählt habe, gefragt worden, warum ich denn mein Abitur verschwenden möchte, oder ob ich nicht etwas vernünftiges machen möchte, wie studieren. Ich habe das von vielen Menschen gehört, aber nie von meinen Eltern und meinen Schwestern! Meine Familie war immer eine große Unterstützung, auch bei der Bewerbung für das PPP. Von Anfang bis Ende.

Ich glaube was mich auch sehr störte, dass es für mich wie eine rhetorische Frage klang: Es ist schwer Akademiker-Eltern von einer Ausbildung zu Überzeugen. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass die Frage nicht so gemeint war, aber in meiner Aufregung kam das bei mir an. Was ich schon während meiner Ausbildung, aber auch ganz besonders jetzt in den USA gelernt habe ist, dass unser deutsches Ausbildungssystem großartig und einzigartig ist. Man kann das Schneiderhandwerk einfach nicht an einer Universität studieren, dafür ist sie nicht ausgelegt. Und wozu das führt sehe ich hier in den USA an meinem College. Aber warum herrscht in Deutschland immer noch die Meinung, dass eine Ausbildung Minderwertig ist? Ich möchte dieser Frage hier jetzt nicht nachkommen, darüber könnte ich einen kompletten Beitrag schreiben. Aber diese Gedanken hatte ich während des Gesprächs, während ich danach mit meinem Vater telefoniert habe und auf dem Weg zurück. Ich möchte auch niemanden abschrecken sich zu bewerben, ganz im Gegenteil! Nutzt die großartige Chance, bewerbt euch, aber seit euch bewusst, dass man das Stipendium nicht geschenkt bekommt. Das ist etwas was uns auch auf dem Vorbereitungsseminar viele Male mit auf den Weg gegeben wurde. Dass wir uns so gut es geht bewusstmachen, was da auf uns zukommt. Aber dazu später mehr.

Erstmal ging es mit dem Warten und geduldig-Sein weiter. Nach den Interviews trifft die GIZ eine Auswahl an Bewerbungen, die an die Paten, Abgeordnete des Bundestages, weitergeleitet werden. Diese Paten, in meinem Fall der ehem. CDU-Abgeordnete Thomas Viesehon, treffen die letzte Entscheidung.

Bild: Zusammen mit Thomas Viesehon im Staatstheater Kassel

In vielen Fällen heißt das, dass man nochmal zu einem Gespräch mit dem abgeordneten eingeladen wird, das sich meistens mehr um Politik dreht als das erste Interview. Ich habe bis in den Januar hinein gewartet. Auf meinem Vorbereitungsseminar habe ich mitbekommen, dass ich schnell eine Benachrichtigung bekommen habe. Es hat sich für mich trotzdem wie eine Ewigkeit angefühlt. Ich kann mich noch ziemlich gut an den Anruf erinnern, mit dem mir Thomas mitgeteilt hat, dass er sich aufgrund meiner Bewerbung für mich entschieden hat. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass er mich fragt, wann ich mal für ein Gespräch in seinem Büro vorbeikommen kann. Es hat eine Weile gebraucht bis ich verstand, dass er die Entscheidung schon getroffen hatte.

Der nächste Schritt war das Vorbereitungsseminar in Lichtenfels im März. Hier traf ich die eine Hälfte der Stipendiaten, ehemalige Teilnehmer und Mitglieder der deutschen und amerikanischen Organisation (GIZ und CV). Wir verbrachten sieben Tage damit an Workshops zu verschiedensten Themen, wie deutsche Geschichte, Unterschiede in den Kulturen, Vorurteile und Jobsuche in den USA, teilzunehmen. Mit ehemaligen Teilnehmern über ihre Erfahrungen und unsere Erwartungen zu sprechen. Den TOEFL-Test zu meistern. Und nebenbei unsere Gruppe kennenzulernen und zu schlafen. Das Vorbereitungsseminar hatte es in sich, es war intensiv, aber ich denke für uns alle notwendig um die letzten Zweifel auszuräumen, die der ein oder andere noch hegte.

Bild: Meine Seminargruppe

Wir sind gemeinsam den Ablauf des Jahres durchgegangen: Wann unsere Einreise und das erste Seminar in New York ist. Wann wir unsere Kurse wählen. Wann die Jobsuche beginnen sollte. Bis hin zu unserer Ausreise im kommenden Juli. Thema war auch, wie man ein Visum beantragt und um ehrlich zu sein, war das ein ziemlich aufwendiger Akt, den wir gleich zusammen in Angriff genommen haben. Jeden Abend saßen einige von uns in den Seminarräumen an Laptops um sich durch die unzähligen Fragen der amerikanischen Botschaft zu klicken.

Hier geht es zu der offiziellen Website meines PPP-Jahrgangs. Ein Besuch lohnt sich, dort findet ihr alle Blogs und Informationen zu unseren Platzierungen, die quer über das ganze Land verstreut sind.

Das PPP

Im April letzten Jahres habe ich meinen Paten Thomas Viesehon kennen gelernt. Er war als Abgeordneter des Landkreises Grebenstein für die vergangene Legislaturperiode im Bundestag. Thomas organisierte, gemeinsam mit seiner Frau, eine Tour durch Kassel und Grebenstein. Bei diesem Treffen lernte ich auch Andy, einen amerikanischen Teilnehmer, der in Kassel platziert war, und Hanna aus Grebenstein, die im diesjährigen Schülerjahrgang des PPP ist, kennen. Zusammen schauten wir uns das Theater und die ersten Documenta-Kunstwerke an um mich besser kennen zu lernen. Andy zeigte uns die Kasseler Tafel in der er sein sechs monatiges Praktikum in Deutschland absolvierte und zum Abschluss ging es nach Grebenstein, wo uns Hanna die Burg zeigte, die dort auf einem Berg gut sichtbar thront. Beim gemeinsamen Abendessen erzählte uns Thomas viel über seine Arbeit im Bundestag, wie er zur Politik gekommen ist und wie sehr er seine Arbeit genießt. Ich hatte ziemlich schnell das Gefühl, dass er im Bundestag ist, weil er dort etwas für seine Gemeinde erreichen kann und nicht, weil es dem Lebenslauf guttut.

Bei einem Besuch im Bundestag im Juni konnte ich dann bessere Einblicke in den Alltag eines Abgeordneten erhalten. Thomas Viesehon hatte seinen Mitarbeiter gebeten mich durch alle Winkel des Reichtags und dem angrenzenden Büroviertel der MdB’s zu führen. Und ich bin sehr froh, dass ich diese Möglichkeit wahrgenommen habe. Zum ersten Mal habe ich verstanden, was genau ein Politiker macht.

Bild: Ich im Bundestag

Das Visum war dann der nächste und letzte offizielle Schritt bevor wir ausgereist sind und es war nicht unkompliziert, das zu bekommen. Den größten Teil hatte ich eigentlich schon während des Seminars erledigt. Aber einen Termin im Frankfurter Konsulat zu bekommen, war dann doch aufwendiger als gedacht und ich war froh, dass ich Toni an meiner Seite hatte, die mir jede Frage beantworten konnte. Ich hatte schließlich einen Termin und alle meine Sachen im Schließfach am Bahnhof eingeschlossen und mich in die Schlange am Konsulat eingereiht, als mir erklärt wurde, dass der eine Strichcode auf dem von mir mitgebrachten Formular nicht vollständig sei und ich deswegen eventuell wieder weggeschickt werden würde. Irgendwie hat es dann doch geklappt an den richtigen Schalter zu kommen, an dem ich dann nach meinem Foto gefragt wurde, dass sie für mein Visum brauchen. Ich bin vor dem Seminar extra zu einem Fotografen gegangen und habe nach den aktuellen Anforderungen für ein Visa-Foto gefragt, woraufhin ich dann mit Brille fotografiert wurde. Der angestellte im Konsulat teilte mir mit, dass mein eingereichtes Foto nicht korrekt sei. Also ging es ab in den Fotoautomaten und heraus kam ein Foto, aus dem einem mein Frust, meine Müdigkeit und Verwirrtheit nur so entgegenspringt. Nachdem ich etwa eine halbe Stunde zwischen verschiedenen Schaltern, Angestellten und Sicherheitskontrollen hin und her geflitzt bin, war dieser Termin doch auch erfolgreich verlaufen und mein Visum beantragt. Das kam auch rechtzeitig an, aber nicht ohne mich noch einmal zu beunruhigen. Als ich meinen Reisepass aufschlug schaute ich auf ein Visum mit dem Stempel in der Mitte: „Ohne Vorurteil abgelehnt“. Zum Glück war in diesem Moment meine große Schwester zur Stelle, die mit mir schon einen Plan ausbaldowerte, wie man dieses Problem beheben könnte. Ich habe in diesem Moment beschlossen den Reisepass erstmal beiseite zu legen und mich um etwas anderes zu kümmern, als plötzlich ein kleiner Zettel aus dem Pass rutschte und ich mein gültiges Visum sah. Jetzt konnte das packen losgehen eigentlich losgehen, nur wusste ich noch gar nicht, wo es hingehen sollte. Glücklicherweise habe ich das etwa zwei Wochen vor meinem Abflug telefonisch von Max und Amanda von Cultural Vistas mittgeteilt bekommen: St. Cloud in Minnesota. Als mich Max fragte ob ich noch Fragen zu meiner Platzierung hätte und ich fragte wo genau das liegt, bekam ich als Antwort: „Nicht weit weg von Minneapolis!“. Ich hatte immer noch keinen blassen Schimmer wo Minnesota lag. Aber ich war froh schon Kontakt mit meiner Gastfamilie aufnehmen zu können.

Mittlerweile weiß ich gut wo in den USA Minnesota liegt: in der Osthälfte des Landes umgeben von North- und South-Dakota, Wisconsin, Iowa und Kanada. Der Staat erinnert mich an Deutschland, von der Natur und dem Klima her, nur dass der Winter etwas kälter wird. Ich bin glücklich, dass ich mich für dieses Austausch-Programm entschieden habe und es mich jetzt schon seit über einem Jahr begleitet. Schon durch den Auswahl-Prozess habe ich vieles gelernt und bin stärker geworden und ich merke auch jetzt in den USA, dass ich auf eine gute Weise gefordert werde und das genieße ich sehr. Ich bin gespannt, wo mich das PPP noch hinbringt und freue mich darauf bald wieder hier darüber zu berichten! Jetzt freue ich mich erstmal darauf meine Schwester, mal nicht an einem deutschen Flughafen abzuholen, sondern in Minneapolis und ihr mein neues Zuhause zu zeigen.

See you soon,

eure Clara

Wenn das Heimweh anklopft

Die erste Heimwehwelle hat mich ziemlich unerwartet überrollt, aber zum Glück nicht weggeschwemmt. Ich habe in den letzten Wochen so unheimlich viel erlebt und mich gut eingelebt, dass ich für den Gedanken ob ich Deutschland vermisse gar keinen Platz in meinem Kopf hatte. Nicht dass ihr jetzt denkt, dass ich Deutschland gar nicht vermisse, aber hier ist es auch schön. Ich wollte einfach gerne jedem zeigen, wie ich hier jetzt lebe. Es war für mich einfach das Gefühl umgezogen zu sein und jetzt in einer neuen Stadt zu leben. Dass im Moment ein Ozean zwischen Freunden und Familie und mir liegt habe ich bisher noch nicht kapiert.

Die letzten drei Jahre habe ich in Kassel gelebt. Das sind mit dem ICE zwanzig Minuten von meiner Heimatstadt Göttingen. Wenn alle Stricke rissen und ich mich nur noch zu Hause wohlgefühlt habe, bin ich auch mal für nur eine Nacht zu meinen Eltern gefahren. Sehr spontan meistens. Den letzten Monat bevor ich in die USA ausgereist bin habe ich auch in Göttingen verbracht.

Der pazifische Ozean in San Francisco

Als ich vor vier Jahren nach dem Abitur von zu Hause ausgezogen bin, hat es zwei Monate gebraucht, bis ich wieder Lust darauf hatte nach Hause zu fahren. Im Moment ist es ähnlich. Ich habe mich unter anderem auch auf den Weg in die USA gemacht, weil ich endlich mal wieder etwas neues und ungewohntes sehen wollte. Das hat geklappt. Was nicht so gut geklappt hat war sich innerlich darauf vorzubereiten, dass der diesjährige Geburtstag anders ausfallen würde wie gewohnt.

An sich ein toller Tag, den ich wirklich genossen habe und an dem ich Spaß hatte. So sehr, dass ich erst abends als die ganze Aufregung darüber vorbei bemerkt habe, wie sehr mir meine Familie und der alljährliche Schokokuchen mit Kerzen gefehlt hat. Für mich war es wirklich ganz anders als sonst.

Mein Geburtstag ist der 3. Oktober, Tag der deutschen Einheit. In Deutschland also ein Feiertag. In Amerika halt einfach ein Dienstag mit Schule, Arbeit und Cross Country. Vielen lachen mich gerne aus, wenn ich frage, wie das ist am eigenen Geburtstag arbeiten zu müssen, oder in die Schule zu gehen. Jetzt weiß ich es selber: man kann es ertragen, ist aber trotzdem komisch und ich freue mich auf das nächste Jahr in dem es Kuchen von Mama und das lauteste Geburtstagsständchen von der ganzen Familie gibt.

Heimweh ist ein komisches Gefühl. Ich könnte da lachen und weinen zur gleichen Zeit. Es ist unglaublich schön hier und ich freue mich hier sein zu können und das alles erleben zu dürfen. Manchmal glaube ich vor Glück fast zu platzen und ich weiß gar nicht wohin mit all den Glücksgefühlen. Und dann möchte ich einfach nur in Tränen ausbrechen, weil ich mich unglaublich einsam fühle und jetzt nicht die Umarmung von meiner Familie bekommen kann, die ich gerne hätte.

„The Mission“: Das älteste Bild in dieser Straße

Ich hatte zum Glück nicht viel Zeit um mich vom Heimweh mitnehmen zu lassen, denn ich hatte Flüge nach San Francisco gebucht. Das letzte Wochenende habe ich also bei einer alten Bekannten verbracht. Kerry hat selber vor dreizehn Jahren ein Jahr im Ausland und zwar in Deutschland in meiner Heimatstadt verbracht. Leider ist der Kontakt verloren gegangen, aber dank meiner großen Schwester wiedergefunden worden. Also habe ich mich vergangen Donnerstag auf den Weg zum Flughafen gemacht und mir zunächst die Stadt bei Nacht und aus der Luft angeschaut. Es ist ein unglaublicher Anblick, der sich da einem bietet. Es schaut aus wie der Sternenhimmel, nur halt unter einem. Den gleichen Anblick kann wunderbar von den Twin Peaks genießen. Die zwei Hügel liegen etwa im Zentrum der Stadt San Francisco. Man hat also eine schöne Rundum Ansicht auf die Stadt, die Bucht und das Meer.

Auf unserem Programm standen die Cable Cars, Alcatraz, die Golden Gate Bridge und „La Traviata“ in der San Francisco Opera. Seitdem ich vor vielen Jahren zum ersten Mal „Pretty Woman“ gesehen habe, wollte ich immer mal in die San Francisco Opera und es war mit das Beste, was ich an diesem Wochenende erlebt habe. In Deutschland bekommt man selten Inszenierungen zu Gesicht, die von Anfang bis Ende in historischen Kostümen gespielt werden. Und genau das bekommt man in San Francisco zu sehen inklusive historisch korrekten Räumlichkeiten. Einfach eine zauberhafte Welt die von Verdis Musik wunderbar umrahmt wird.

San Francisco ist zum Glück nicht wie New York. Man braucht zwar auch furchtbar lange um von einem Punkt zum anderen zum anderen zu kommen, aber es liegt nicht diese Hektik in der Stadt, die ich in New York sehr anstrengend fand. Auch die Häuser und das Ambiente hat mich mehr an eine Mixtur aus Europa und Mittelamerika erinnert. Es gibt nur wenige Wolkenkratzer in San Francisco, und dadurch auch wenig Gebäude aus grauem Beton und Glas. Besonders sehenswert sind die sogenannten „Painted Ladies“. Sie sind durch die Serie „Full house“ bekannt geworden, aber abgesehen davon einfach die schönsten Häuser der Stadt.

„Painted Ladies“ mit Downtown im Hintergrund

Ein anderer sehenswerter Ort sind die bemalten Wände in dem Viertel „The Mission“. Man findet die ein oder andere bemalte Wand in dem ganzen Viertel aber eine Straße ist wie eine Open-Air Gemäldegalerie. Ein Bild neben dem anderen und sie werden regelmäßig übermalt und es entstehen jede Menge neue Bilder. „The Mission“ ist ein sehr internationales Viertel. Dort trifft man auf Mexikaner, Vietnamesen, Japaner, Deutsche, Franzosen und auch auf Amerikaner. Wer schon einmal dort ist sollte auf jeden Fall bei der „bi-rite Creamery“ vorbeischauen und sich eine ihre ungewöhnlichen Eissorten aussuchen. Dort gibt es eigentlich alles von Olivenöl-Eis bis Salted-Caramel und Kürbiseis. Wenn man dann doch mal die deutsche Küche vermisst, so wie ich vergangene Woche dann lohnt sich ein Besuch im „Schmidt’s“. Dort bekommt man Wurstplatten, Schnitzel mit Spätzle und sehr leckeren Leberkäse. Und dabei ist es kein billiger Abklatsch, sondern wirklich gut!

Ich im „Schmidt‘s“

„Castro“ ist bekannt, weil es die Homosexuellenszene in San Francisco ist. Außerdem haben hier bekannte homosexuelle Literaten wie „Gertrude Stein“ und „Tennessee Williams“ gelebt und gewirkt. Das Viertel grenzt an „The Mission“ und ist alternativ angehaucht. Es ist das erste Mal das ich einen Laden an dem nächsten sehe, seitdem ich hier in den USA bin. Es gibt mir das Gefühl in einer Fußgängerzone unterwegs zu sein und einfach mal von Laden zu Laden zu bummeln. Eigentlich unüblich in den USA.

Ein sehr interessantes Erlebnis war für mich der Besuch auf der Gefängnis-Insel „Alcatraz“. Ich habe nie einen Film darüber oder einen der Insassen gesehen, aber ich hatte davon gehört und wollte es gerne sehen. Man kann dort themengebundene Führungen machen, wie zum Beispiel zu „Al Capone“ oder „die Insel als Naturschutzgebiet“. Kerry und ich haben uns für die einfache Tour mit dem Audio-Guide entschieden. Man wird etwa sechzig Minuten durch alle Teile des Gefängnisses geführt und hört Geschichten über berühmte Insassen wie den „Birdman“, „Machine Gun Kelly oder „Ol’Creepy Karpis“, verschiedenste Fluchtversuche und wie es für die Kinder der Wärter war auf der Insel aufzuwachsen. Alcatraz liegt etwa zwei Kilometer von der Stadt entfernt. Gerade nah genug um am Silvesterabend, die Musik und das Gelächter der feiernden Stadt zu hören aber weit genug entfernt um nicht fliehen zu können, weil man die Strecke in dem kalten Wasser nicht überlebt.

Die meisten Touristen kommen nach Alcatraz um diese Geschichten zu hören. Es gibt aber auch eine Geschichte nachdem das Gefängnis 1963 geschlossen wurde und die man immer noch sehen kann. Im Jahr 1968 haben Indianer verschiedener Stämme die Insel besetzt. Sie wollten damit auf ihre Situation aufmerksam machen: die amerikanische Regierung hat ihnen nach und nach immer mehr Land weggenommen und sie in Reservate umgesiedelt. Ganze achtzehn Monate blieben sie auf der Insel. Die Regierung reagierte indem sie ein Teil der Länder an verschieden Indianerstämme zurückgab. Leide wird in der Führung nicht darüber gesprochen. Man kann es durch Tafeln an den Wänden lesen und ein kleiner Teil des Einführungsfilmes zeigt Bilder aus diesen Tagen.

Die rote Schrift stammt von der Besetzung 1968

Ich bin froh, dass ich nach San Francisco fliegen konnte und dadurch über das Heimweh weggekommen bin. Während meiner ersten Woche an der St. Cloud State University, hat unsere Betreuerin uns eingebläut, gerade in diesen Momenten aus dem Zimmer rauszugehen und andere Menschen zu sehen. Dafür zu sorgen, dass man beschäftigt ist und etwas erlebt. Ich weiß aber auch, dass es okay ist Heimweh zu haben, das zeigt mir, dass ich immer gerne zu Hause war und dass es besonders schön wird, wenn ich meiner Familie und Freunde nächstes Jahr wiedersehe!

See you soon,

Eure Clara

Amerika – das Land der ungeahnten Möglichkeiten…

…oder so

Ein Freund hat mich neulich nach Unterschieden zwischen den USA und Deutschland gefragt. Als Antwort habe ich ihm einen Link meiner Blogs geschickt und angefangen über St. Cloud nachzudenken. Ich denke ich habe schon den ein, oder anderen, Unterschied aufgeführt, aber ich habe festgestellt, dass ich eigentlich noch nicht von dem Ort erzählt habe, in dem ich lebe.

Nach den anstrengenden Tagen in New York im August, war ich unglaublich froh nach St. Cloud zukommen. Die Stadt liegt etwa eine sechzig minütige Autofahrt, nordwestlich von den Twincities Minneapolis und St. Paul entfernt. Es ist eine ruhige Stadt mit etwa 65.000 Einwohnern. Von New York aus bin ich, gemeinsam mit einer anderen Teilnehmerin meines Programms, zunächst nach Minneapolis geflogen. Von dort ging es weiter an meinen Platzierungsort. Der Highway von den Twincities nach St. Cloud führt durch eine flache unendlich weite Landschaft, die hier und da mal von Billboards oder einem Autohändler unterbrochen wird. Ansonsten ist weit und breit nichts zu sehen, vielleicht mal ein schillernder See. Trotzdem habe ich mich keine Sekunde erschrocken gefragt, wo ich denn hier gelandet bin. Ich habe es nach den paar Tagen, Betonwüste einfach nur genossen und mich sofort wohlgefühlt. Und das tue ich jetzt auch noch.

Der Mississippi-River in St. Cloud

Mir sind auch die Zuggleise aufgefallen, die vom Süden des Staates in den Norden führen. Vielleicht gibt es auch noch mehr, aber von der Bahn wird hier wenig gesprochen. Es ist kein so präsentes Transportmittel, wie in Deutschland. Tatsächlich vermeidet es jeder Amerikaner, der pünktlich woanders sein möchte, den Zug zu nehmen. Jeder Zweite von euch wird jetzt sicher denken, dass auch jeder Deutsche, der pünktlich an einem anderen Ort sein möchte, es vermeidet die Deutsche Bahn zu nehmen. Aber in Deutschland gibt es verhältnismäßig selten Verspätungen von drei Stunden oder mehr. Beziehungsweise, wenn es doch mal so weit kommt, gibt die deutsche Bahn sich in der Regel allergrößte Mühe einen Schienenersatzverkehr zu organisieren. In Amerika gehören die Bahnlinien den Ölfirmen. Das heißt in der Regel wird jedem Güterzug Vorrang gewährt und Personenzüge stehen hinten an und gelegentlich auch mehrere Stunden auf den Gleisen. Mittlerweile habe ich auch den Bahnhof von St. Cloud gefunden. Claudia und ich konnte gar nicht glauben, dass es einer ist, weil er mehr wie eine Bushaltestelle ausschaut. Ich denke das ist ein wichtiger Unterschied.

Am Zielort angekommen, war ich glücklich die Überschaubarkeit der Stadt zu bemerken. Mit meiner Gastmutter habe ich jede Buslinie ausfindig gemacht, die direkt vor unserem Haus abfährt und mein Gastvater hat direkt ein Fahrrad für mich repariert. Ich kann hier gut Fahrrad fahren und mit dem Bus zum Campus ist auch kein Problem. Zumindest tagsüber nicht. Sobald es hier dunkel ist, wir einem davon abgeraten zu Fuß, oder mit dem Rad unterwegs zu sein. Das macht das Nachhause kommen allerdings schwer, da der Stadtbus nur bis neun Uhr abends fährt. Am Wochenende wird es noch schwerer unabhängig unterwegs zu sein. Aber um anzukommen war es genau das richtige für mich, weil es dem, wie ich mich in einer deutschen Stadt bewegt habe, gleichkam.

Egal wo man ist, es ist schwer keine Flagge zu sehen.

Trotzdem besitze ich mittlerweile ein Auto. Ich habe schnell gemerkt, dass es ohne schwer geht. Ja ich bin hauptsächlich hier um zu studieren und zu arbeiten, aber ich möchte auch diesen unheimlich schönen Staat Minnesota kennenlernen und das ohne abhängig von jemand anderem zu sein. Ohne Auto kann man hier nicht spontan sagen: „Ich fahr jetzt los an den See.“ Es erleichtert aber auch den Alltag mit meinen Gasteltern. Wenn ich abends länger wegbleibe, machen sie sich jetzt keine Sorgen mehr, weil sie wissen, wie ich nach Hause komme. Und sie wissen, dass ich auch mal meinen Gastbruder Will abholen kann, wenn sie es nicht schaffen.

Es erscheint mir so als ob die Menschen hier in Minnesota nicht frieren. Langsam wird es Herbst und ich fange an mich immer wärmer anzuziehen. Besonders wenn ich in die Bibliothek gehe achte ich darauf noch eine Schicht mehr anzuziehen, weil die Klimaanlage unnormal kalt ist. Während ich mir also eine Schicht nach der anderen anziehe und mich frage wie ich das im Winter noch toppen soll, scheint es so als würden die Minnesotan gar nicht bemerken, dass die Luft frischer wird und sie laufen herum, wie an dem heißesten Tag, den ich hier bisher erlebt habe: in Shorts und T-Shirt. Der Winter in Minnesota könnte eine Herausforderung für mich werden, er verspricht aber auch weiße Weihnachten, zugefrorene Seen und viel Wind. Da Minnesota ein sehr flaches Land ist, fegt der Wind hier nur so durch.

Typische Straße im Wohnviertel

Die Städte, die ich bisher kennen gelernt habe sind ebenfalls anders aufgebaut, als ich es von zuhause gewohnt bin. Tatsächlich ist es schwer sich in einer amerikanischen Stadt zu verlaufen, weil alle Straßen schnurgerade und in rechten Winkeln zu einander verlaufen. Sie sind eben auf einem Reisbrett entworfen worden. St. Cloud ist um eine Straße herum aufgebaut: St. Germain Avenue. Sie ist vergleichbar mit einer Fußgängerzone. Es gibt einige Restaurants, ein zwei Läden und das Paramount Theater. Belebt ist diese Straße trotzdem nicht. Um sie herum ranken sich zunächst Bankfilialen und dann kommen Wohnhäuser. Das Leben tobt am Shopstrip und in der Mall am Rand der Stadt. Ich habe noch nie so große Parkplätze gesehen wie dort, die eigentlich immer bevölkert sind. Um von einem Laden zum nächsten zu kommen fährt man, selbst wenn es nur auf der anderen Seite des Parkplatzes ist. Es ist einfach ein Industriegebiet, es hat keine angenehme Atmosphäre in der man gerne einkaufen geht. Ich möchte dort gerne alles schnell erledigen um dann wieder an den Mississippi sitzen zu können!

Das sind die Unterschiede, die einem hier direkt auffallen, die man nicht hervorholen muss, die man durch Gespräche herausfindet. Es sind die offensichtlichen Unterschiede.

Was mich auf politischer Ebene beschäftigt und welchen Unterschied ich in dem Bereich bisher erlebt habe, lest ihr hier: https://www.mitmischen.de/erleben/Ausbildung_Praktikum_Stipendium/PPP-Blog/Clara/index.jsp Schaut gerne rein!

See you soon,

eure Clara