Die zweite Hälfte

Dienstag, Tag 32

Mittlerweile sind schon über vier Wochen des Praktikums hier in Finnland um. Ich kann gar nicht so richtig glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Das letzte Mal, dass ich mich hier gemeldet habe, ist nun auch schon wieder über zwei Wochen her.

An der Arbeit habe ich mich mittlerweile wirklich gut eingelebt. Es ist tatsächlich teilweise schwierig, Aufgaben für mich zu finden und aufgrund der Arbeitsabläufe hier nicht möglich ein Teilprojekt von Anfang bis Ende zu begleiten, aber ich konnte mich ganz gut mit den Gegebenheiten arrangieren.

Da ich nun auch die Kollegen kenne, denen ich helfen kann, weiß ich, wohin oder an wen ich mich wenden kann und finde doch immer genug zu tun.

In der dritten Woche hat sich hier merklich die Arbeitsatmosphäre geändert und es lag spürbar eine gewisse Spannung in der Luft. Wie ich im Gespräch mit dem Vorarbeiter später erfahren habe, läuft es in dem Betrieb wohl immer so. An einem bestimmten Punkt „legt sich ein Schalter um“ und die Arbeitsweise verändert sich. Es ist schwer zu erklären, aber es fühlt sich an, als würde irgendwie noch intensiver gearbeitet werden, das Zusammenspiel zwischen allen Bereichen scheint stärker zu werden. Nach einigen Wochen ist aber auch alles wieder beim Alten und es kehrt die so wichtige Ruhe ein. Grund für die andere Arbeitsatmosphäre war jetzt gerade, dass alle Projekte für ein Schiff fertig gestellt wurden und nun komplett auf die Produktion für ein anderes Schiff umgestellt wurde. Das ist tatsächlich auch ein Punkt, der noch immer etwas schwer vorstellbar für mich ist – der Betrieb baut (fast) ausschließlich Möbel und andere Innenausbauteile für Schiffe. Da es sich jedoch um Kreuzfahrtschiffe handelt, sind es keine kleineren Möbel, die gerundet an die Form eines Rumpfes angepasst werden müssten, sondern Küchenmöbel oder Regale wie man sie in Größe und Bauweise in beliebigem Gebäude finden würde.

Ich habe in den letzten Tagen unter anderem bei dem Zusammenbau eines großen Eichenregales mit eingebauten LED-Leisten und geschlossenem Stauraum für einen Parfümerie geholfen, kleine runde Teaktischplatten geschliffen, die Kanten gerundet und alles geölt, riesige Deckenpaneele geschliffen, Küchenschränke zusammengebaut, aber auch beim Bau eines kleinen einzeln stehenden Schminktisches mitgewirkt. Es ist eine ganz gute Mischung aus Arbeiten, die ich alleine mache, bei denen die Abläufe und alles weitere klar sind, und Arbeiten, bei denen vier Hände und zwei Augenpaare einfach sehr hilfreich sind. Und nicht zu vernachlässigen die Erfahrungen, die ich gerade erst anfange zu sammeln mit meiner Ausbildung.

Aber abgesehen von der Arbeit: Das Wetter war hier in letzter Zeit eher grau. Wenn ich mich mit Kollegen über meine Pläne für die freie Zeit unterhalten habe und sagte, dass ich mir ein bisschen Sonne wünschen würde, habe ich immer nur belustigt zu hören bekommen, dass ich mir für mein Praktikum dann aber das falsche Land ausgesucht hätte – Finnland sei eben bekannt für das graue, regnerische Wetter. Dann genieße ich eben das!
Mit meiner Mitbewohnerin, die vor zwei Wochen hier ankam und auch ein Auslandspraktikum macht, bin ich dann aber am Sonntag noch einmal von ganz viel Sonnenschein überrascht worden und wir haben mit dem Fahrrad eine der Inseln vor der Stadt erkundet und wieder darüber gestaunt, dass es selbst von dort in diesem Schärenmeer nicht möglich ist bis zum Horizont zu schauen.

Ich bin gespannt, was in den letzten Tagen noch passiert und was ich noch erleben darf – gefühlt wird es schon morgen wieder mit dem Flieger Richtung Deutschland gehen! 

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