Los geht’s! Studium 1.0

Ein wichtiges Schild hier in Amerika. Man findet es am Theater, an Kirchen und natürlich auch bei der Social Security Administration

21. August

Bei der Social Security Administration ist es so, wie ich es in Deutschland noch nie erlebt habe! Die Behörde öffnet offiziell um neun Uhr. Der Rat meiner Gastmutter? „Sei spätestens um 8.30 am da!“ Und sie hat Recht! Um halb neun beginnt sich langsam eine Schlange vor der Tür zu bilden. Als ich komme ist nur eine einzige Person da, sie sitzt noch in ihrem Auto, kommt aber schnell heraus um klarzustellen, dass sie die erste da war. Es kommen noch einige dazu, bis etwa fünfzehn Menschen vor der Tür warten.

8.45 am

Ein Officer öffnet die Tür und gibt eine schnelle Sicherheitseinweisung: keine Handys, keine Video- oder Tonaufnahmen, kein Facebook, kein Snapchat oder Instagram, außerdem keine Waffen, wie Messer oder Pistolen. Sollte er einen herrenlosen Rucksack oder eine Tasche entdecken, werde er sofort ein SWAT-Team rufen, weil er ja nicht weiß, was darin ist.

Damit sind die Türen für den Check-In geöffnet: Man zieht eine Nummer und ich bin die zweite von etwa dreißig Leuten! Meine Hoffnung wächst, dass ich schnell wieder draußen bin.

Ein Ausschnitt aus der Komödie Lysistrata von Aristophanes

9.00 am

Eine erneute Sicherheitseinweisung! Quintessenz des Ganzen ist absolute Stille im Raum. Und dann verpufft meine Hoffnung zügig dran zu kommen. Meine Nummer ist A415, die erste die aufgerufen wird ist aber A422. Ein Raunen geht durch den Raum und die Erklärung vom Officer kommt prompt: „Hier wird nicht in der richtigen Reihenfolge aufgerufen!“

Tatsächlich komme ich dann doch recht schnell an die Reihe. Die Dame hinterm Tisch ist freundlich und weiß auch sofort Bescheid um was es hier geht, so dass es nicht lange braucht, bis ich wieder gehen kann.

Sicherheit ist, wie ich im letzten Artikel schon beschrieben habe (http://handwerk-auf-reise.hwk-kassel.de/2017/08/22/im-a-husky-now/), ein großes Thema. Das habe ich in dieser, aber auch schon in einer anderen, Behörde in St. Cloud bemerkt.

So bin ich vor vier Wochen in meine erste Semesterwoche gestartet. Ich habe drei Fächer gewählt: „Introduction to Theatre“, „Women & Sexuality in Theatre“ und natürlich „Costume Construction“. Von meinem Programm wird vorgegeben, dass ich sechs von meinen neun Credits für berufsbezogene Fächer verwenden soll. Da ich meine Ausbildung zur Damenmaßscheiderin an einem Theater absolviert habe, denke ich, dass alle drei Fächer mit meinem Beruf zu tun haben. Im Rahmen von zwei Fächern werde ich zudem auch praktisch arbeiten und Zeit in dem Collegeeigenen Theater verbringen.

Alles dreht sich jetzt ums Theater und ich merke immer mehr, dass das ein Ort ist, an dem ich gerne arbeiten möchte, wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Meine beiden Lehrer haben, bevor sie mi dem unterrichten angefangen haben, lange an Theatern in Amerika gearbeitet. Man kann sich wunderbar mit ihnen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse unterhalten. Und sie lassen das auch gerne in ihren Unterricht einfließen um Beispiele greifbar zu machen und um wirklich zu verstehen, warum etwas so ist, wie es nun einmal ist.

Ich habe in den letzten Wochen immens viel dazu gelernt. Auf unterschiedlichen Ebenen. In „Costume Construction“ lernen wir zu nähen. Ich fange gemeinsam mit allen anderen mit den Grundlegenden Handstichen an. Ich nähe Probeläppchen und verstehe, wie es ist in einer Gruppe nähen zu lernen. Es ist ein anderes Konzept, als die betriebliche Ausbildung in Deutschland, die ich erleben durfte. In diesem Fach werden wir zunächst jeder ein Halloween-Kostüm nähen und danach auch die Kostüme für die kommende Theaterproduktion nähen.

Mein Halloween-Kostüm

„Introduction to Theatre“ verbindet viele Dinge, die ich gerne mache und in den letzten Jahren vermisst habe: Geschichte und Textanalyse. Das schönste daran ist, dass es sich auf das Theater bezieht. Wie ist Theater entstanden und hat es sich gewandelt? Welche Formen des Theaters gibt es noch, neben dem westlich geprägten, wie wir es in Europa kennen?

Das für mich interessanteste Fach ist aber „Women & Sexuality in Theatre“. Dadurch beschäftige ich mich einem Thema, dass in Deutschland für mich nicht so präsent war: Feminismus! Auch in diesem Fall ist es fest mit dem Theate verbunden. Es ist interessant nicht nur herauszufinden, welche Strömungen des Feminismus im 20. Jahrhundert besonders stark waren, sondern auch wie sie sich auf das Theater ausgewirkt haben. Dieses Fach hat mich während der ersten Woche, zweifeln lassen, ob ich wirklich die richtige Wahl getroffen habe. Die Texte die wir lesen sind anspruchsvoll und es macht es nicht leichter, dass sie auf Englisch sind. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass ich diesen Kurs nicht abgewählt habe. Ich gewöhne mich daran die Texte zu lesen und freue mich auch schon darauf, wenn wir anfangen über Freud zu sprechen.

Ich freue mich darauf mehr darüber zu lernen und den ein oder anderen Eintrag darüber zu schreiben, so wie diesen hier:

http://handwerk-auf-reise.hwk-kassel.de/2017/09/07/grosses-theater/

See you soon,

Eure Clara

Veröffentlicht von

Clara Merkel

-Als gelernte Schneiderin nach Minnesota-

Seit August ’17 bin ich in den USA. Ich habe, dank des Parlamentarischen Patenschafts-Programms die Möglichkeit ein Semester an der St. Cloud State University zu studieren und danach in Amerika arbeiten zu dürfen.
Hier halte ich meine Erlebnisse und Erfahrungen und vielleicht auch mal einen Nähtip fest.
Viel Spaß ;)

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