Apprenticeships around the World

La Fenice – Der Phönix

Ich hatte zwar den Karfreitag nicht frei, dafür aber den Dienstag nach Ostern und weil ich mal ein bisschen Ruche brauchte und ein wenig für mich sein wollte nutze ich den freien Tag um nach Venezia zu fahren und es in meinem eigenen Tempo zu erkunden.

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Ich hatte einer Freundin versprochen nach zwei Schuhmachereien zu schauen, schlug ich den Weg ins Zentrum ein. Ich dachte, dass es wir bei unserem ersten Venedigbesuch einen Fehler gemacht und uns nicht das Zentrum angeschaut hatten. Ich schlug also den Weg in das Zentrum Venedigs ein und stellte erstaunt fest, das Wohnviertel der Hauptinsel, aber keine Touristenläden gefunden zu haben. Abseits der Touristenströme, dem Deutsch, Englisch, Französisch und Chinesisch genoss ich die Ruhe und schlängelte mich durch Gassen, über Brücken und Kanäle Richtung Rialtobrücke.

Schon einige Male habe ich jetzt, zu meiner eigenen Verwunderung, Flixbusse auf dem Weg nach Venedig zu Gesicht bekommen. Während ich feststellte, dass das für mich ganz ungewöhnlich war fiel mir auf, dass ich mir noch keinerlei Gedanken, über alltägliche, gewöhnliche Dinge, wie Supermärkte, Schulen, Kindergärten und andere öffentliche Gebäude gemacht hatte. Okay, einen Supermarkt habe ich neben unzähligen Kirchen im Stadtzentrum Veneziens gefunden, aber wo sind die Schulen?

Ich habe das Gefühl, dass man sich als Tourist gar keine Gedanken über so etwas macht. Es zählt hauptsächlich, wo man Andenken und etwas gutes zu Essen findet.

Nun gut. Ich fand die beiden Schusterwerkstätten, konnte aber leider nur die Schaufenster betrachten, weil sie geschlossen waren.

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Giovanna Zannella, die Schuhmacherin des einen Ladens, muss eine verrückte Frau sein, zumindest deuten ihre ungewöhnlichen, handgefertigten, Schuhe daraufhin! Es muss toll sein bei ihr ein Praktikum machen zu dürfen, nicht nur weil man sicherlich in ein tolles Ambiente eintauchen kann, sondern weil bei dieser guten Umsetzung von Kreativität auch handwerkliches Geschick da sein muss!

Wer einmal auf Signora Zannellas Website vorbeischauen möchte, hier ist der Link:

http://www.giovannazanella.it/

Nach zwei Stunden stellte ich erstaunt fest, dass ich schon fast alles erledigt hatte und auch kein Bedürfnis mehr hatte mir weitere Gassen, Kanäle und Brücken anzuschauen, weil mir sich das Prinzip Venezias erschlossen hatte und ich wenn dann runter von der Hauptinsel musste um noch einmal etwas Neues zu sehen. Hierzu muss man sagen, dass die Fahrten mit Wassertaxis, Gondeln und sogar Vaporetti sich etwas kosten lassen!

Da ich aber im Moment einen Fall des Comissario Brunetti lese, war es mir ein Anliegen einmal das „Gran teatro la fenice“ zu sehen und nahm daher auf dem Rückweg einen kleinen Umweg.

Das Theater la Fenice ist wirklich weltberühmt und deswegen erwartete ich eine sehr großes Bau mit großem Theatervorplatz. Entgegen aller meiner Erwartungen fand ich aber ein Gebäude vor, dessen Fassade sich gut in die Häuserreihe einfügt und genauso gut eine Venezianische Kirche hätte sein können. Genauso bescheiden, wie die Front des Theaters ist die am Wasser liegende Rückseite des Theaters. Während am Haupteingang immerhin noch ein Schild „Gran Teatro la Fenice“ und Konzertankündigungen auf das Theater aufmerksam machen, zeigen am Wassereingang nur goldene Phönixe an, um was es sich handelt.

Aber was an der Außenmauer gespart wurde bekommt man innen mindestens doppelt und dreifach zu Gesicht.

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Der Name „La Fenice“ , also auf Deutsch „der Phönix“, ist nicht zufällig gewählt. In seinen knapp 250 Jahren hat das Theater schon das ein oder andere Feuer gesehen, zuletzt 1996, und wurde trotzdem wieder und wieder neu aufgebaut. Sogar bei den letzten Aufbauarbeiten, die 2003 abgeschlossen wurden, achtetet man genau auf die Originalskizzen, Fotografien und Modellbauten, die es von dem Theater gibt. Es ist quasi wie der Phönix aus der Asche wieder aufgebaut worden.

Innen wird man fast von den, mit Blattgold überzogenen, Fresken und Kronleuchtern erschlagen. Die Decke wird von einer Malerei geziert, einer optischen Täuschung. Obwohl der Deckenbau flach ist, erscheint er gewölbt. Im Himmel schweben die Musen und genau über dem Dirigenten befindet sich eine Uhr, die genau die Zeit anzeigt.

Was ich besonders an dem Theater fand, war, dass es immer noch die klassischen Logen mit einer großen Königsloge gibt. Es gibt kaum Parkettplätze, da die meisten Plätze in den kreisförmig angeordneten Logen untergebracht sind.

Die große königliche Loge hat sich über die Jahre aufgrund der politischen Lage Italiens, sowie den großen Brand 1996 besonders stark verändert. Heute findet man sie in den Farben Rot und Gold vor. Noch vor sechzig Jahren, war sie in Blautönen gehalten, wie der dritte Teil der Sissi-Trilogie zeigt.

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Aber nicht nur in der Farbgestaltung hat sie sich verändert und auch zeitlich angepasst, sondern auch in ihrer Größe und Aufteilung. Denn Italien hatte nicht schon immer nur eine Regierung, sondern war auch schon auf sechs Mächte aufgeteilt, was für dieses Theater bedeutete, dass für jede Partei eine Loge da sein muss. Also wurde die Königsloge kurzerhand herausgerissen, ebenfalls einige Nachbarlogen um Platz für sechs gleichgroße Logen zu schaffen. Kurz darauf, konnten allerdings wieder Renovierungsarbeiten vollzogen werden, da Italien, oder zumindest Norditalien von Österreich eingenommen wurde und man dann nur eine große Kaiserloge benötigte. Als Italien sich wieder selber regierte und es nur eine einzigen König gab, beschränkte man sich allerdings darauf, das königliche Wappen auszutauschen.

Nach wie vor gehört das Theater mit zu den besten Opernhäusern weltweit und ist nicht ganz sicher nicht nur wegen der Opern einen Besuch wert.

Von Endlosigkeit und rennender Zeit

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Seit zwei Wochen bin ich jetzt schon in Italien und ich habe das Gefühl sie sind geflogen. Die letzte Arbeitswoche ist vergangen wie im Flug, und das liegt, denke ich hauptsächlich daran, dass ich mich sehr wohl in dem Betrieb fühle. Im Grunde genommen unterscheidet er sich tatsächlich nicht so sehr von einem Theater. Er ist kleiner und hat keine Bühnen, was bedeutet, dass die Technikabteilung wegfällt. Aber es gibt eine Schneiderwerkstatt für Damen und Herren, Modisten und eine Requisite. Dazu noch Büros für die Verwaltungsarbeit, ein Fundus voller traumhafter Kostüme und ein Stofflager. Sogar Boxen für Durchsagen sind in jedem Raum angebracht, sowie Telefone. Das alles sorgt dafür, dass es mir sehr vertraut vorkommt.

Aber natürlich gibt es auch Unterschiede und die liegen, soweit ich das bisher erkenne konnte, hauptsächlich in der Qualität der Arbeitsutensilien. Die Scheren sind nicht so scharf, die Nadeln sehr verbogen und wann die Maschinen das letzte Mal wirklich gereinigt wurden, weiß ich auch nicht. Aber es wäre mal wieder nötig. Anders ist auch, dass jedem eine Maschine zugeordnet ist, man dadurch aber kaum nutzbare Arbeitsfläche hat, außer man geht an einen der zwei großen Zuschneidetische, was aber wiederum bedeutet, dass man die meiste Zeit am stehen ist, was ich weder kenne, noch gewöhnt bin, da wir in Deutschland alle einen Arbeitstisch haben und dann die Maschinen teilen. Auch die Bügelanlagen sind hier anders. Zwar handelt es sich um Dampfbügeleisen, wie ich sie kenne, allerdings kann man nur bei einer Anlage den Dampf absaugen und dass ist noch dazu kaum zu merken.

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Die letzte Woche war ich damit beschäftigt zuerst zuarbeiten zu machen, was ich auch gar nicht so schlimm fand. Denn es gab mir die Chance mich ohne große Fehler machen zu können einzugewöhnen und zu begreifen, wie gut ich die Sprache tatsächlich verstehe. Ich steckte also, bügelte viel und nähte Kleinigkeiten, was mich aber auch schon an meine Grenzen brachte. Und ich dachte immer Röllchen annähen wäre einfach!

Donnerstag und Freitag habe ich dann mit Aurélie in der Requisite verbracht. Zusammen mit Guilleme und Alberto haben wir Engelsflügel für den Verleih hergestellt. Dazu wurde Schaumstoff in Form geschnitten, mit Draht und Stofflagen beklebt und dann in wirklicher Geduldsarbeit, nach und nach mit Federn beklebt! Unfassbar, wie lange so etwas braucht und wie heiß Heißkleber sein kann.

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Zu Ostern haben Aurélie und ich uns überlegt, dass es nett wäre ein wenig Aufmerksamkeit zu zeigen und so bereiteten wir für jeden ein kleines Überraschungsgeschenk vor, was zu unserer Freude wirklich gut ankam!

Der Frühling hat hier in Norditalien nun endlich endgültig Einzug erhalten und ich habe das Glück, die Osterfeiertage am Gardasee zu verbringen. Für zwei Nächte bin ich dorthin gefahren und es war eine super Entscheidung. Wir hatten uns für den Ort Desenzano del Garda entschieden, etwa eine Dreiviertelstunde von Vicenza entfernt, an der Südspitze des Sees. Da unser Hotel ein Problem mit der Klimaanlage hatte wurde uns ein anderes angeboten. Und so verkürzte sich unser Weg zum See, von fünfzehn Minuten auf ganze dreißig Sekunden.

Der Gardasee hat eine unglaubliche Weite und Endlosigkeit und wird von eher kleinen Städten gesäumt. Zu erreichen sind sie zum Teil mit dem Zug aber in den meisten Fällen, wie zum Beispiel die Halbinsel Sirmione nur mit dem Auto, oder mit der Fähre.

Der Ort Desenzano ist an einem Hang gelegen. Die Innenstadt ist eine hübsche Ansammlung von Gassen in denen Cafes, Restaurants und kleinen Läden aneinandergereiht sind. Oberhalb thront eine noch belebte Burg, von der man die Weite des Gardasees gerade so erahnen kann und einen wirklich wunderbaren Blick erleben kann. Leider kann man sich das Gemäuer nicht von innen anschauen.

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Das Wasser des Sees ist klarer als so manches Meer, dass ich bisher gesehen kann. Man kann an sehr vielen Stellen bis auf den Grund schauen und die Fische schwimmen sehen. Leider war die Luft- und Wassertemperatur noch zu kalt für ein Bad im See, zudem war es schier unmöglich einen Strand zu finden. Die Promenade am See entlang besteht in Desenzano lediglich aus aufgetürmten Steinen, die sehr steil in das Wasser hineinreichen.

Auf der Hauptstraße, die direkt am Fähranleger liegt, war über das Wochenende ein kleiner Markt mit Italienischen und Südtiroler Spezialitäten aufgebaut. Es wurde Schmuck, aber auch Schokoladenspezialitäten, Käse und Brezeln, sowie Obst angeboten. Und da das Wetter zum ersten Mal, seitdem ich hier bin, auch am Abend noch toll war, saßen wir am Seeufer mit einer Schale wirklich schmackhafter Erdbeeren und schauten uns den dunkler werdenden Himmel und die immer leuchtenderen Lichter am gegenüberliegenden Ufer an.

Sirmione ist ein kleiner Ort, der wie ein Steg in den See hineinreicht. Schon die Römer nutzen die Halbinsel als Ferienort und erbauten dort Sommerpaläste. Die Grundmauern einer dieser Villen ist heute noch zu besichtigen, leider haben wir es bis zu der Spitze der Insel nicht geschafft, da die Gassen Sirmiones uns sehr im Griff hatten.

Beide Städte haben einen Venezianischen Charakter, nicht nur auf Grund der schmalen Gassen und der schönen Architektur, sondern auch aufgrund der unglaublich vielen Touristen, die sich in Irrsinnigen Menschenströmen von Laden zu Laden schieben!

Auch in Sirmione liegt eine Burg. Sie ist von einem Wassergraben eingeschlossen und hat tatsächlich einen eigenen kleinen Hafen. Die Burg markiert die schmalste Stelle des Ortes und teilt ihn. Um von einer Hälfte in die andere zukommen muss man durch einen Torbogen. Ein Akt, denn dort schieben sich dicht aneinander gedrängt von beiden Seiten die Menschen Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Auch wir haben das gemacht, nur um festzustellen, dass wir von der schönen Altstadt auf die Hotelseite gelangt waren und es abgesehen von diesem Tor keinen einzigen Weg zurück gibt. Also alles wieder von vorne und ab durchs Tor. Für jeden, der Sirmione mit dem Boot besucht: es lohnt sich wahrlich nicht durch diesen Torbogen zu gehen, die Burg sieht auch von der sichtbaren Seite wunderbar aus, und nutzt lieber die Zeit in die andere Richtung zu gehen und schaut euch die Ruinen an der Nordspitze der Insel an, ich denke, das lohnt sich wirklich!

Auch wenn mein Ostern hier in Italien anders war, als ich es gewohnt bin konnte ich doch auf eines nicht verzichten: Mein Osternest!

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In diesem Sinne: Buona Pasqua e a presto, eure Clara

Anreise & Ankunft in Glasgow

Um 5 Uhr haben wir uns am Auestadion getroffen und machten uns auf den Weg, Richtung Frankfurt-Airport. Um 11.45 Uhr nahmen wir den Flieger Richtung Amsterdam, wo wir dort 2 einhalb Stunden Aufenthalt hatten.

 

Anschließend nahmen wir den Flieger nach Glasgow. 🙂

Um 16:05 Uhr (schottischer Zeit) sind wir dann in Glasgow gelandet. Dort angekommen, wurden wir von Morag zu unseren Gastfamilien gebracht. Zuerst ging es für Madeleine zu Lady Ruth. Dort lebt noch eine weitere Austauschschülerin aus Cottbus.

Danach ging es zu meiner Gastfamile. Die ist ungefähr 5 Minuten (20 Minuten zu Fuß) von Madeleine entfernt. Bei unseren Gastfamilien gab es für jeden noch etwas zu essen. Im Anschluss ging es dann für uns ins Bett, da wir ja schon seit über 12 Stunden unterwegs waren.

 

Montag, 28.03.2016 – Erster Tag in der neuen Heimat

Gegen 9 Uhr hat Nathalie mich bei meiner Gastfamilie abgeholt. Es ging zu Fuß in die Stadt, da wir heute einen freien Tag haben :). Auf dem Weg in die Stadt, haben wir viele Eindrücke der schottischen Bauweise bekommen.

In der Stadt angekommen, trafen wir uns mit Franzi (das Mädchen aus Cottbus). Sie hat uns einbisschen von der Shopping-Meile und der Stadt gezeigt, da sie schon eine Woche hier ist. Im Anschluss fuhren wir zusammen mit der U-Bahn nach Hause. 🙂 Momentan scheint die Sonne, mal sehen wie lange. 😀

Schottische Grüße nach Deutschland,

senden Nathalie & Madeleine

 

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Ein Wunderland aus Geschichte und Seide

Zusammen mit Aurélie, einer französischen Praktikantin versuche ich seit Montag Italienisch zu verstehen und zu lernen, und es tut gut zu sehen, dass es nicht nur mir schwer fällt. Marina, die Chefin der Schneiderei, sowie alle Kollegen sprechen nur Italienisch mit uns. Tatsächlich kann Martha auch deutsch, was das ein, oder andere Mal sehr hilft.

Mein erster Tag im Atelier von Stefano, war sehr anstrengend für mich! Mir war nicht bewusst, wie schwer es mir fallen würde mich auf das Nähen und Italienisch verstehen zu konzentrieren. Heute und gestern dagegen waren aber entspannt, da ich mich langsam an den Arbeitsalltag in Italien gewöhne und ich es nicht ganz so schwer nehme, dass die neue Sprache nun mal nicht über Nacht perfekt im Kopf ist.

Gestern hatten wir zwei Praktikantinnen das Glück, dass wir zu einer Präsentation von Stefano dazukommen konnten und ein wenig über die Geschichte des Kostüms lernen konnten, was einerseits sehr interessant war, andererseits aber auch ein wenig eklig und abstoßend!

Stefano beschränkte sich auf das 16. bis 18. Jahrhundert, wobei ich erst zu Versaille-Zeiten dazustieß. Zu dieser Zeit waren besonders weiße Perücken in Mode. Bis heute habe ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht, wie diese teils hoch aufgetürmten Perücken hergestellt wurden. Aber eigentlich ist ja klar, dass es damals nur Echthaarperücken sein konnten. Wie hat man jetzt aber die Haare so weiß bekommen, wie die Mode es verlangte (man muss bedenken, dass die Chemie zu dieser Zeit noch nicht so fortgeschritten war, wie heute!) ? Im Grunde genommen war es ganz einfach: man nahm das, durch das Alter, ergraute und weiß gewordene Haar Verstorbener und knüpfte Perücken daraus.

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Interessant ist es meiner Meinung nach zu wissen, wie eine bestimmte Form des Rokokokleides entstanden ist. Als das Panier in Mode kam, bestand ein solches Kleid, aus einem ausladenden Rock und eine sehr eng anliegenden Korsage, die bei der Schwangerschaft durchaus ein Problem darstellen konnte, da es nicht gut angesehen wurde, wurde die Schnürung offensichtlich lockerer gebunden.

Eine Frau hatte zu diesem Zeit meist maximal 5 Kleider im Schrank, da man für eines etwa zwanzig Meter und mehr benötigte und die Venezianische Seide nicht gerade Preiswert war.

Aus dem 18. Jahrhundert, zu den Zeiten von Marie Antoinette, kennt man aber ebenfalls Kleider, die Im Rücken eine Schleppe haben, welche am rückwärtigen Halsausschnitt in Falten gelegt wurde und den Rücken verhüllen. Die Korsage lag verdeckt auf der Innenseite und konnte unbemerkt loser gebunden werden. Diese Mode wir auf eine Schauspielerin am Hofe von Louis XIV zurückgeführt, die schwanger wurde, dementsprechend ihre Korsage lockerer binden, aber nicht zum Gespött der Leute werden wollte.

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Der Faltenrücken des französichen Kleides. Er verbarg die locker schnürbare Korsage

Belustigt, aber zu gleich ein wenig angewidert hat mich folgende Tatsache: Das Schoßhündchen. Das Schoßhündchen kam im 17. Jahhundert aufgrund fehlender Körperhygiene in Mode. Im Adel wollte man sich vom Pöbel abheben (braun gebrannt, athletisch, daher meist schlank), daher schminkte man sich sehr dick weiß, legte wenig wert auf die Figur (sie wurde ja durch das Korsett geformt) und aß soviel man konnte (das Geld dazu war ja da) und bewegte sich wenig. Durch diesen Zustand kam es, dass sich Ungeziefer auf dem Körper herumtrieb und für das Körper jucken sorgte. Abhilfe schuf man sich durch ein Schoßhündchen, es konnte auch eine Katzen sein, die man auf dem Arm herumtrug, in der Hoffnung, dass das Ungeziefer lieber auf ihnen Platz nahm.

Jetzt aber auch noch etwas zu dem Venezianischen Karneval. Wenn man in Venedig ist gehört es einfach dazu sich die Läden voller Masken anzuschauen und sich ein wenig mit dem Venezianischen Karneval auseinander zu setzen.

Durch die Zeit hinweg wurde in Venezia der Venezianische Karneval immer größer. Man sagt , dass er kurz nach Weihnachten begann und das ganze Jahr über dauerte. Was mit einem Spaß begann, wurde mit der Zeit immer gefährlich, und man sagt heute, dass der Venezianische Karneval unter anderem für das Ende des reichen Venetien geführt hat. Der Karneval gab jedem (besonders aber dem Adel) die Möglichkeit unerkannt zu bleiben.

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Zu der Kleidung gehörten ein schwarzer langer Capemantel mit kurzer Pellerine, sowie eine schwarze Haube, um die Weißen Haare zu verbergen, eine weiße grobe Maske und ein Dreispitz, der diese fixierte. Die Maske hatte die Funktion, dass sie geschlechtsneutral war und zudem die Stimmen veränderte. Jeder konnte also in die Kasinos gehen, Spielschulden konnte nicht nachgewiesen werden. es gab die Möglichkeit sich mit der oder dem Geliebten in der Öffentlichkeit zu zeigen und unerkannt zu bleiben. Die Verkleidung sorgte aber tatsächlich auch für Intrigen und viele ungeklärte Morde in Venedig.

Das Atelier von Stefano Nicolao liegt direkt an einem kleinen Kanal und ist größer, als das Schaufenster es im ersten Moment wirken lässt. Aber mit jeder Mittagspause, die Aurélie und ich haben, entdecken wir ein wenig mehr dieser Zauberwelt und versuchen die vielen Stoffe, Farben und Eindrücke so gut es geht im Gedächtnis und mit der Kamera festzuhalten.

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Ein Bruchteil der Stoffauswahl aus einem der Lager

Das Atelier ist eher lang als Breit und man glaubt gar nicht, wie tief es in die Häuser hinter dem Ladenfenster hineinreicht. Es ist reich mit eingerahmten Bildercollagen ausgestattet, die einem nur ansatzweise die Ahnung geben, für was dieses Atelier alles gearbeitet hat. Stefano Nicolao hat sich auf historische Kostüme spezialisiert und ist mit einer der besten weltweit die Originale sammeln um sehr gute Kopien davon herstellen, die auf Theaterbühnen, oder auch in Filmen zu sehen sind.

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Die obere Knopfleiste mit Stickerei stammt aus dem 18. Jahhundert. Die untere ist eine Kopie, die auf den alten Stickereien basiert.

Unter anderem hat er Kostüme für die Filme „Elizabeth“ (1998), der „Kaufmann von Venedig“ (2005) und die aktuelle Serie „Outlander“ (2015) hergestellt. Es ist verrückt und kaum zu glauben, wenn man dann die Mitarbeiter kennenlernt, da sie sich offensichtlich nicht viel daraus machen, da es einfach ihre Arbeit ist und sie schon die kommende Produktion in den Fingern haben.

Ich habe großes Glück, in dieser Werkstatt arbeiten zu können und zu sehen, welche Unterschiede es zu meiner deutschen Werkstatt gibt. Aber dazu mehr, wenn ich alles ein wenig sacken gelassen habe.

A presto                eure Clara

 

Venezia Venezia

Im Moment habe ich hier in Vicenza einen Weg, den ich sehr gerne in die Stadt, oder zurück nach Hause gehe. Es ist zwar ein kleiner Umweg, aber es lohnt sich für den kleinen Moment, die zehn Meter Weg sehr.

Es ist eine Straße relativ am Rand der Innenstadt, die auch nicht wirklich spektakulär ist, im Vergleich zur der Architektur im Rest der Stadt. Die Häuser sind schlicht und an manchen Stellen ein wenig heruntergekommen. Im Grunde genommen sieht man die Wohnungen auch gar nicht, da sie meistens hinter hohen Mauern versteckt sind. So wie auch der Grund, weswegen ich dort sehr gerne langgehe: plötzlich läuft man durch einen atemberaubenden Blumenduft. Es riecht wie in einem Blumenladen und noch viel viel besser, da alles an der frischen Luft ist.

Ich weiß leider nicht, was hinter dieser Mauer steckt, ob ein kleines Gewächshaus, oder einfach nur eine Blumenliebende Familie. Aber es lohnt sich wirklich sehr einmal im Frühjahr durch die Contrà Mure Pallamaio zu laufen und an der Ecke zur Viale Eretenio stehen zu bleiben und diesen wunderbaren Duft zu genießen.

Gestern habe ich endlich meinen Praktikumsbetrieb kennengelernt, in dem ich die kommenden drei Wochen arbeiten werde. Zusammen mit Federica, meiner Betreuerin hier in Vicenza, bin ich nach Venedig gefahren und habe mich dort vorgestellt.

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Es ist ein Traum von Laden, so wie ich es in der Stunde, die ich dort war, wahrgenommen habe. Das Atelier von Stefano Nicolao liegt nahe des Canale Grande und nur zehn Fußminuten vom Bahnhof Venezia S. Lucia entfernt und ist eine wahre Augenweide. Die Werkstatt produziert in 100% Handarbeit historische Kostüme für Theater- und Filmproduktionen. Die Schaufenster sind gefüllt mit atemberaubenden barocken Kostümen. Teilweise findet man auch Originale aus dem 17. Jahrhundert aus Frankreich in dem riesengroßen Fundus.
Das Vorstellungsgespräch verlief recht kurz. Ich sollte mich mit ein paar kurzen Italienischen Sätzen vorstellen:

Io mi chiamo Clara, ho venti anni e vengo dalla Germania. Io vivo a Kassel.
Attualmente sto facendo un aprendistato com sarta. La mia azienda è la sartoria del teatro di Kassel.

Der Rest des Gespräches verlief auf Italienisch und Federica übersetze das eine oder andere Mal, aber ich war selber überrascht, dass ich doch schon etwas verstehe, und wie gut man sich den Sinn erschließen kann, selbst wenn nur einige bekannt Worte fallen.

Aber mehr dazu in den kommenden Wochen 😉

Heute bin ich nochmal nach Venezia gefahren. Diesmal zusammen mit Lisa und Anchisa um eine kleine Sightseeingtour durch die Stadt zu machen. Und was soll ich sagen? Es ist schwer diese Stadt zu beschreiben, denn es ist einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn man durch die verwinkelten Straßen und Gassen Venezias läuft, die immer wieder von Brücken und unglaublichen Anblicken unterbrochen werden. Diese Stadt ist wirklich einfach ein Meisterwerk und auf jeden Fall nicht nur einen Ausflug wert.

Ohne Karte ist es besonders schön, denn man findet zu den wichtigsten Orten sowieso ohne einen Stadtplan. Und so zogen wir los, streiften heute durch zauberhafte kleine Läden. Je weiter man vom Zentrum der Stadt entfernt ist, desto weniger touristisch sind die Läden geprägt. So fanden wir einen Laden, in dem wir den Besitzer allein mit der Tatsache glücklich machen konnten, dass wir begeistert von seinem Laden waren und ihm zuhörten, wie er erzählte, dass sein Vater immer noch jede einzelne der Masken selber entwirft und macht.

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Die Maske wurde hangefertigt und besteht aus verschiedenen Stoffen, sowie Papier

Es ist ein recht kleiner Laden, der randvoll gefüllt mit klassischen Venezianischen Masken ist. In allen erdenklichen Formen, Farben und Größen. Verschiedenste Materialien werden als Aufbauten auf den Rohling verwendet. Stoffe, Leder (!), Papier, Borten, Blattgold… man findet vieles verschiedenes. Der Maskenrohling ist stets aus Pappmaschee, da es das Originalmaterial ist (und angenehmer für die Haut). Zudem hat jedes Original ein Siegel auf der Innenseite der Maske.

(Ein kleiner Tipp am Rande: die schönsten Masken sind die, die aus Pappmaschee sind. Auf ihnen leuchten die Farben viel mehr, sie sind nicht touristisch und immer in Handarbeit auf der Insel gefertigt! Natürlich kosten sie mehr, aber nicht viel. Es lohnt sich sehr bei dem Kauf ein wenig darauf zu achten). Der Herr, der uns von seinem Vater erzählte war der einzige verkäufer, der uns freundlich verabschiedet hat, als wir ohne etwas zu kaufen den Laden verließen. (Preislich lag es dann leider doch über unseren Möglichkeiten, aber dieses kleine Paradies konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen!)

Venezia ist ein Überraschungsei, das muss man einfach so sagen. Wir sind später einfach auch den Schildern gefolgt, weil wir zur Piazza San Marco wollten. Und man folgt den Schildern und biegt rechts in eine kleine Gasse ein, dann links in eine noch kleinere, kämpft gegen entgegenkommende Touristenströme an, überquert ein Brückchen nach dem andern und zwischendurch verliert man irgendwo dazwischen die Orientierung. Bis dann plötzlich etwa sehr helles weißes zwischen den Häusern durchblitzt und man am Rand der Piazza steht. Und es ist ein wahrlich begeisternder Anblick. Für einen Moment kann man gar nicht glauben, dass man noch in Europa ist. An diesem Platz begreift man wie Weltoffen Venezia gewesen sein muss und man erkennt und welchem weltlichen Einfluss es, durch seinen Handel, gestanden hat. Auf diesem Platz findet man mehr orientalische Architektur als europäische und es haut einen einfach nur um.

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Am Rande der Piazza San Marco/das Gebäude an der Promenade

Um diese Atmosphäre wirklich so richtig ausgiebig genießen zu können, sollte man sich vorstellen, dass man ganz alleine auf dem Platz steht (was höchstens mal nachts der Fall sein könnte), tief einatmet und das Wasser riecht. Sich einfach mal jede kleine Verzierung anschaut, denn soetwas gibt es kein zweites mal!

Bevor man sich auf den Rückweg macht, sollte man sich aber noch ein Eis gönnen und da man ja schon mal an der Piazza San Marco ist, sollte man auf jeden Fall zu Todaro gehen. (zwei eiskugeln sind dort erstens vergleichsweise billig und zweitens ist das Eis dort sehr sehr lecker.) Es lohnt sich ebenfalls sehr an der Promenade entlang zu laufen. Richtung Westen (also zurück Richtung Bahnhof) für sie in den Ku’damm Venezias und gen Osten in das Viertel Castello, dass wir leider nicht mehr erkunden konnten.

Durch unser Kartenlosen losziehen, haben wir es tatsächlich geschafft einmal im Kreis um das Zentrum Venedigs herumzulaufen, und sogar die Rialtobrücke rechts liegen zu lassen. Aber wir haben uns jetzt schon dafür entschieden und zwei Wochen wieder zurückzukommen und dann das Zentrum in Angriff zu nehmen. Endstation: Rialtobrücke!

A Presto          Eure Clara

Als Orthopädieschuhmacherin in Italien – Lisa Vaupel

Zurück in Deutschland

Wunderschön, gastfreundlich, verregnet- so wird mir meine Zeit in Italien in Erinnerung bleiben, mit vielen tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und besonders die Kollegen und Chefs, die mich völlig überrascht haben.

Nachdem ich mich am vierten Wochenende von meiner Erkältung erholt hatte und Verona am Sonntag besuchte, begann die letzte Arbeitswoche in Padova. Diese habe ich sowohl bei den Orthopädieschuhmachern verbracht, als auch bei den Orthopädietechnikern.  Bei den Orthopädietechnikern konnte ich weitere Erfahrungen bei der Herstellung von Korsetts sammeln, denn nachdem mir in der vierten Woche gezeigt wurde, wie das Polyethylen verarbeitet und aufgeschnitten wird, konnte ich nun die nächsten Arbeitsschritte ausführen. Je nachdem welche Korrektur mit den Korsetts erreicht werden sollen, mussten diese unterschiedlich in Form geschnitten werden. Dies hieß für mich die Form aufzeichnen (mit Unterstützung des Mitarbeiters) und mit der Stichsäge ausschneiden, was durch die runde Form der Korsetts als Ungeübter eine echte Herausforderung war. Als nächstes habe ich dann die Kanten entgratet. Mit verschiedenen Aufsetzten der Schleifmaschine bin ich immer wieder über die Kanten bis diese glatt waren so, dass sich der Kunde bei der späteren Anprobe nicht verletzen kann. Im Klartext heißt dies, dass es Arbeit war, die viel Spaß gemacht hat und ich stehend und mit viel Armarbeit das Polyethylen auseinendergezogen habe, um an alle Kanten zu gelangen. Dementsprechend habe ich hinterher meine Arme gemerkt.

Bei den Orthopädieschuhmachern habe ich weiterhin den Bettungs- und Einlagenbau unterstützt und am Donnerstag, also meinem vorletzten Arbeitstag, kam es dann zur Prüfung , was ich in den letzten Wochen gelernt habe  😉  … Der Meister hat mir zur Aufgabe gegeben eine Bettung nach seinem Vorbild zu schleifen, sprich er hat eine Bettung eines Paares komplett fertig geschliffen und meine Aufgabe war es dies ihm nachzutun unter Berücksichtigung von Fußstellung, Abatzhöhe, den Höhen der Bettung und dem Scheitelpunkt der Rolle. Mit den Worten „quasi perfetto“ hat er mein Ergebnis bewertet.

Und schon war der letzte Arbeitstag in Padova angebrochen. An diesem letzten Vormittag habe ich noch einige Einlagen beschliffen und in der OT Polsterungen für Korsetts zugeschnitten als ich zum Gespräch gebeten wurde … und Überrschung… die Kollegen und Chefs haben für mich zum Abschied einen absolut tollen Umtrunk mit Snacks organisiert. Es gab Prosecco und Sandwiches, Kekse und Kuchen, eine wirklich liebe Ansprache des Chefs, viele Fotos, Geschenke und Gelächter. Der Abschied ist mir wirklich nicht leicht gefallen, da diese fünf Wochen grandios waren in einem tollen Land, in dem ich viel erlebt und gesehen habe und so bin ich am Samstag morgen mit einem lachenden und einem traurigen Auge in den Zug gen Heimat gestiegen.

Ciao

Lisa

 

Als Schneiderin in Italien – Clara Merkel

Und die Vicentini essen Katzen…

Jeden Morgen wenn ich von meiner Wohnung zur Stazione laufe um dort den Bus zu nehmen, habe ich den perfekten Blick auf die Alpen und jedes Mal halten ich für einen kurzen Moment den Atem an. Es ist einfach wunderbar zu sehen, wie in der Stadt die Osterglocken blühen und auf den Bergen der Schnee strahlt. Heute hingen zwar ein paar Wolken davor, nichts desto trotz habe ich endlich einmal daran gedacht diesen Anblick für euch festzuhalten. Am besten macht man es morgens, da es sich im Moment zum Abend hin immer zuzieht und eventuell auch mal regnet!

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Die schönsten Entdeckungen in einer Fremden Stadt macht man ganz unerwartet. Für mich bedeutet das, man vergisst den Stadtplan und verlässt sich auf sein Bauchgefühl, was einen eigentlich immer an den richtigen Ort bringt.

Trotzdem freue ich mich, dass ich heute Vormittag die Führung von Lisa hatte. Da sie aus Vicenza kommt konnte sie uns viel zu der Stadt erzählen und es auch sehr lebhaft präsentieren. Zudem bin ich glücklich darüber, weil ich jetzt etwas mehr über die Geschichte und die Geheimnisse dieser, zauberhaften Stadt weiß.

Es gibt in Italien ein Sprichwort über diese Region hier, das wohl auch so gut wie jeder Italiener kennt:

„Venessiani gran signori / Padoani gran dotori / Veronesi tuti mati /
Visentini magnagati.“

Man sagt also:
„ Venezianer sind große Herren / die aus Padova sind großartige Ärzte / die aus Verona sind alle verrückt /
die aus Vicenza essen Katzen.“

Dieses Sprichwort lässt sich wohl auf das 17. Jahrhundert zurückführen. In dieser Zeit gehörte Vicenza zu Venedig und um eine Mäuse- und Rattenplage zu bekämpfen und somit die Pestgefahr einzudämmen, schickten die Venezianer eine „Katzenarmee“ nach Vicenza.

Nach einiger Zeit verlangten die Vicentini aber nach mehr Katzen, wohl um einen großen Palast von weiteren Mäusen zu befreien, gaben die Katzen aber nie zurück. Also sagte der Venezianische Stadthalter: „Die in Vicenza müssen die Katzen wohl essen, wenn sie nicht zurückgeschickt werden.“

Aber keine Sorge, man findet auf keiner Speisekarte „gatto“, also die Katze.

Auf der anderen Seite der Bahnlinie, liegt die Stadt Vicenza auf einem Berg. Im Zentrum der Kuppel und aus jedem Winkel der Stadt zu sehen (auch von meinem Zimmer aus.) , liegt der Dom der Stadt. Der Dom stammt ebenfalls aus Zeiten der Pest und ist nicht nur durch Zufall dort erbaut worden. Es gibt die Geschichte, dass eine Frau dort oben Schafe gehütet hat, als ihr die Madonna erschienen ist. Sie sagte zu ihr, dass die Stadt dort eine Kirche erbauen solle und die Pest wäre vorbei. Daraufhin wurde eine kleine Kirche so schnell es ging gebaut und tatsächlich verschwand die Pest kurz nach der Fertigstellung. Später wurde die Kirche weiter ausgebaut und ist zu einer Kathedrale mit großem Platz geworden, die al Pilgerstätte vieler Katholiken dient.

Ich werde sie mir in den nächsten Tagen anschauen.

Allgemein ist es auch nennenswert, dass die Gründung der Stadt Vicenza auf das Jahr 600 v. Chr. zurück geht. Die Römer sorgten später dafür, dass eine gewisse Infrastruktur mit Straßen und dem Hauptplatz, (hier steht mittlerweile die im 16. Jahrhundert von Andrea Palladio erbaute Basilika. Die als Gerichtsgebäude und überdachter Marktplatz diente.) entstand. Die Reste der originale Stadt liegen mittlerweile etwa vier bis sechs Meter unterhalb der heutigen Straßen und sind an einigen Stellen in der Stadt erhalten und zu besichtigen.

P1000986Architektonisch ist die Stadt ein Meisterwerk. Besonders im 16. Jahrhundert baute der Architekt Palladio viele Gebäude im Antiken römischen Stil, die er aber nicht nur schön ausschauen ließ, sondern auch nutzbar machte. Zudem muss man einfach erwähnen, dass Palladio ein sehr sparsamer Bauherr war. Vicenza wirkt, als sei alles aus Marmor gebaut, aber das täuscht. Palladio verwendete lediglich Ziegelsteine, die verputzt und bemalt wurden. An machen Gebäuden kann man das sehr gut erkennen, was daran liegt, dass Palladio während der Erbauung verstarb und sie nicht komplett fertig gestellt wurden.

In den nächsten Wochen werde ich definitiv noch nach Verona fahren um mir Julias Balkon anzuschauen, um die Häuser der Familien Capulet und Montague anzuschauen, um zu sehen, wo die Tragödie von statten ging. Nur das ich jetzt weiß, dass Shakespeare von alleine nie auf diese grandiose Idee gekommen ist und ohne einen Vicentino niemals einen so großen Erfolg mit seiner Tragödie „Romeo und Julia“ gefeiert hätte.

P1000988Die Ursprüngliche Novelle stammt von Luigi da Porta, geboren und gestorben in Vicenza. Die Villa in der er verstorben ist, liegt im Stadtzentrum von Vicenza. Nur an einer kleinen Tafel ist zu erkennen, dass er dort gelebt hat und gestorben ist. Seine Novelle, basierend auf wahren Familien und mit Autobiografischen Zügen, erfreute sich keiner großen Bekanntheit, bis Shakespeare es in eine Tragödie umschrieb und die Familie Capulet Julias Balkon an ihr Haus bauen lies, der bis heute noch zu besichtigen ist.

Allerdings muss man dazu sagen, dass lediglich Verona und Shakespeare davon profitierten. Selbst in Vicenza wissen die wenigsten, dass ein Vicentino die Idee dazu hatte.

Ich empfehle jedem trotz einer Führung, in der man die Stadt auf eine meist intellektuelle Art kennen lernt, auch einfach mal ohne Stadtplan zu erkunden. Man glaubt gar nicht, was sich hinter den Toren der Häuser verbirgt. Der Reichtum hier ist meistens hinter großen Holztoren verborgen, aber öffnen sie sich erst einmal erhascht man einen kleinen Blick in die Welt der reichen Vicentini. Man schaut in blühende Gärten, auf Wandbrunnen und Fresken, wie man sie an der Außenfassade nicht zu Gesicht bekommt. Je mehr man sich von dem Touristen entfernt, der man durchaus sein darf, desto näher kommt man dem italienischen Leben, dass mir um so einiges langsamer, aber trotzdem intensiv erscheint, als das unsere.

Aber inwiefern es sich unterscheidet und ob es überhaupt stimmt, werde ich noch ausgiebig erkunden. 😉

Bis dahin                     A presto                  eure Clara

Als Schneiderin in Italien – Clara Merkel

Sogar die Busse sind anders…

Nach einer langen Reise gestern hatte ich heute also meinen ersten Tag in Vicenza.
Ich habe mich für eine Zugfahrt entschieden. Was bedeutet, dass man zehn Stunden lang sitzt. Aber diese Zeit wird mit wunderbaren Ausblicken in eine, sich stetig verändernde Landschaft belohnt. Wider aller Erwartungen führt die Zugstrecke nicht durch lange Tunnel unter den Alpen durch, sondern einfach obendrüber. Der höchste Punkt ist der Brennero-Pass, der Österreich und Italien trennt.
Ist man einmal über die Alpen drüber und der Zug klettert langsam nach Verona die Berge herunter merkt man sofort, dass hier ein anderes Klima ist, als in Deutschland. Bäume werden langsam an grüner zu werden und zu blühen. Blumen verteilen überall kleine Farbkleckse in der Landschaft.
Man sieht auch sofort, dass es sich um ein anderes Land handelt. Nicht aufgrund der Landschaft und allgemeinen Tatsache, dass man gerade acht Zugstunden hinter sich gebracht hat, sondern an der Architektur. Dem Baustil und der Farbe der Häuser. Es ist einfach anders als Deutschland.

Auch wenn diese Reise lange dauert, lohnt es sich wirklich und empfehle ich es jedem mal so eine Zugfahrt zu machen und die Zeit nicht am Handy zu hängen, sondern damit zuzubringen einfach nur aus dem Fenster zu schauen, ob mit, oder ohne schöner Musik im Ohr.

Am Bahnhof wurde ich von meinem Mitbewohner abgeholt. Ich werde die kommenden vier Wochen in Vicenza in einer WG wohnen. Mein Glück ist, dass sie sehr zentral liegt und fast alles fußläufig zu erreichen ist. Wir stellten uns dann erst einmal der Herausforderung den Busfahrplan zu lesen. Hier in Italien ist es nicht so, dass man pro Buslinie eine Tabelle bekommt in der alle Haltestellen mit den jeweiligen Abfahrtszeiten hat, sondern man schaut in eine Tabelle in der man die die Abfahrtszeit des Ausgangspunktes erfährt. Durch schätzen ist man dann entweder pünktlich, oder auch nicht an seiner Haltestelle.
Heute morgen im Bus musste ich mich dann einer anderen Neuen Sache stellen. Es gibt weder durchsagen, noch eine Anzeige, die die nächste Haltestelle ankündigt. An sich keine schlimme Sache, aber einem Busfahrer, der kein englisch spricht ohne Italienisch erklären zu müssen, wo man aussteigen muss ist nicht unbedingt einfach… lässt sich aber bewältigen. 😉

In der Eurocultura-Zentrale angekommen, wurde mir das Programm vorgestellt und der Plan der Woche erklärt. Ab morgen habe ich einen 4-tägigen Sprachkurs zusammen mit anderen Praktikanten. Zudem kommt eine Stadtführung durch Vicenza und am Freitagvormittag eine Vorstellung in meinem Betrieb dazu.
P1000959Zusammen mit Anshi einer anderen Praktikantin aus Deutschland bin ich heute nach der Präsentation meiner Tutorin auf eine kleine Erkundungstour durch Vicenza gegangen, Es ist eine schöne übersichtliche Stadt mit vielen kleinen Piazzas. Das wunderbare daran ist, dass es eine super gut erhaltene Altstadt ist, in deren Hintergrund man noch die Ausläufer der Alpen sieht, die der Stadt einen kleinen Rahmen geben.

Es gibt über die Unterschiede hinaus noch so viel zu entdecken, allen voran die neue Sprache und die Städte hier in Norditalien.
Vicenza ist die Mitte von einer Ansammlung von sehenswürdigen Städten, wie Venezia, Verona und Padova. Alle sind mit den Zug maximal vierzig Minuten entfernt, eine Tatsache Tagesausflüge nur begrüßt.
Aber das ist ein anderer Tag und dann eine neue Erfahrung und tausend neue Eindrücke.

Also a presto
Eure Clara

Als Orthopädieschuhmacherin in Italien – Lisa Vaupel

Kurz vor dem Endspurt

Die letzte Woche hat angefangen und die Zeit ist nur so vorbei geflogen.

Das vierte Wochenende habe ich genutzt, um in Richtung Voralpen zu fahren, so zumindest mein Plan. Nachdem ich am falschen Gleis gewartet hatte,  mir der Zug vor der Nase weggefahren ist und es wenig später in Strömen angefangen hat zu regenen, habe ich kurzerhand meine Pläne gändert und bin nach Padova. Erstens, weil näher gelegen, darum flexibler zu erreichen. Zweitens, weil dieser Zug nur wenig später fuhr.

In Padova, der Stadt, in der ich auch arbeite, angekommen und mit Schirm bewaffnet bin ich auf gen Innenstadt. Hier fand ich dann einen Markt nach dem anderen , unzählige, kleine Geschäfte, die wirklich nur ein Produkt geführt haben (Beispiel Gürtelladen: hatte ich vorher noch nie in dieser Form gesehen). Ein Highlight war für mich die Besichtigung der Universität, an der schon Galilei gelehrt hat. Die prunkvollen Räume mit vielen Verzierungen waren toll anzusehen.

Nach vielen Schritten in verregneten Gassen, Kirchenbesichtigungen und durchnässt, bin ich dann wieder zurück und habe den Sonntag (noch verregneter) zum shoppen in Vicenza genutzt.

Die vierte Arbeitswoche verlief, dann kurz: Montag und Dienstag wieder Bettungsbau und Ausputz. Mittwoch habe ich dann bei Orthopädietechnikern beim Orthesenbau geholfen und konnte so über den Rand der Schuhtechnik blicken. Aufgabe war es für den Oberkörper Stützen (Korsetts) zu bauen. Hierzu habe ich nach passenden Formen von Oberkörpern (ähnlich wie ein Leisten beim Schuhbau), die möglichst passende Maße hatten, gesucht. Dann wurden die Maße final in die Form gearbeitet durch wegraspeln oder auftragen von Gips. Anschliessend wurde die trockene Form mit Stoff überzogen als Abstandhalter.

Nächster Arbeitsschritt war es nun das ganze mit Polyethylen, orthopädiegeeignetes Plastik, zu erwärmen, somit formbar zu machen und auf das Modell zu modellieren. Nach erkalten konnte ich dann das Ganze aufschneiden und von der Form lösen.

Die restliche Arbeitswoche verlief unspektakulär, da ich mit Erkältung im Bett lag. Jedoch konnte ich den letzten Tag in Italien an einem Wochenende richtig genießen.

Sonntag war zur Abwechslung ein richtig sonniger, schöner Tag. Diesen habe ich genutzt, um eine weitere Stadt in der Umgebung zu besuchen. Meine Wahl viel auf Verona. Auf gut Glück bin ich losgelaufen und an tollen Orten, wie der Arena vorbei gekommen. Die malerische Innenstadt war überflutet mit Menschen und den ersten Touristen. Highlight war für mich aber nicht die Innenstadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten, sondern über den Fluss hinweg das Teatro Romano. Es ist ein Theater unter freiem Himmel mit gewundenen Treppen, die weiter den Berg hinauf oberhalb des eigentlichen Theaters führen. Dem Besucher bietet sich von den zahlreichen Aussichtspunkten tolle Ausblicke über die Dächer von Verona und für mich war es ein wirklich tolles letztes Wochenende in Italien.

A presto!

Als Orthopädieschuhmacherin in Italien – Lisa Vaupel

Arbeitsalltag

Auch in der dritten Woche meines Praktikums war ich wieder im Einlagen- und Bettungsbau und habe dort neben einigen Vokabeln ( sughero= Kork, colla= Kleber, asciutto= trocken, okay= okay…) die firmeninterne Bauweise der Bettungen gelernt.

Angefangen von der Leistenherstellung über die Adaption der Leisten bis hin zum eigentlichen Bettungsbau. Leisten herstellen heißt, dass eine Gipsform mit Leistenschaum ausgegossen wird. Dieser besteht aus zwei Komponenten und härtet aus sobald diese miteinander vermischt werden. Der Gips wird anschließend abgeschlagen und der Leisten in seine Form geschliffen. Oder aber der Leisten ist bereits vorhanden, da der Kunde schonmal Schuhe bekommen hat und es müssen nur Kleinigkeiten geändert werden. Hierzu habe ich Kork auf betreffende Bereiche geklebt und diese übergangsfrei in Form geschliffen (Das vollstaendige Leistenschleifen ist Meisterarbeit.).

Ausserdem hatte ich diese Woche das erste Mal Gelegenheit beim Modellieren des Schaftes, also des Schuhoberteils zuzusehen. Hier wird auf Basis des dreidimensinoalen Leistens ein zweidimensinales Schnittmuster konstruiert. Je nach Fussdeformitaet und Schaftmodell ist dies mit unterschiedlich viel Aufwand verbunden.

Bei dem Anschauungsmodell hat es sich um ein einfacheres gehandelt, bestehend aus einem Ober- und Unterteil. Zuerst wurde die Mittellinie aufgezeichnet, da das Model nur fuer eine Seite gemacht wird und hinterher gespiegelt wird.  Der italienische Meister hat dazu die linke Leistenseite mit Klebefolie beklebt und die Umrisse so uebernommen. Indem er diese dann auf Papier glatt gestrichen hat, hatte er die erste Form. Nach mehrmaligem anlegen, wegschneiden und dazufuegen enstand so das obere Teil des Modells. Das untere hat er nach eigenen Erfahrungswerten freihand zugeschnitten und minimal im Zusammenspiel mit dem oberen Modelteil geaendert.

A presto!

 

PS: Die Schreibweise ist seltsam. Italienische Rechner kennen keine oe’s, ae’s und ue’s oder scharfe s. 😉