Apprenticeships around the World

Gefördert von der Europäischen Union und aus Mitteln des Landes Hessen

Kontakt:
Anna Adamsky                                                                         
Tel. 0561 7888-139
Mobilitätsberatung                                                                anna.adamsky@hwk-kassel.de

Als Verwaltungsfachangestellte in Tschechien – Elinor Müller

Die Planung

Die Frage, die ich vor meiner Abreise am häufigsten bekommen habe, war definitiv, warum ich ausgerechnet nach Prag möchte. Ich hatte das Gefühl, dass Prag sehr unscheinbar für viele Leute ist und die Menschen nicht wirklich etwas mit der tschechischen Hauptstadt verbinden. Meine Antwort auf die Frage liegt inzwischen schon über 4 Jahre zurück. 2020 wollte ich einen Kurzurlaub in Prag machen, da mein Opa sehr von der Stadt geschwärmt hat. Allerdings kam dann die Pandemie dazwischen und mit der Zeit, mit dem Anfang der Ausbildung und allem, was dazugehörte, habe ich dieses Reiseziel etwas aus den Augen verloren. Allerdings wusste ich, dass mein Ausbildungsbetrieb, die Handwerkskammer Kassel, das Erasmus+ Programm unterstützt und daher war mir klar, dass ich die Gelegenheit, ein Auslandspraktikum zu machen, definitiv wahrnehmen wollte. Und ich habe mich dazu entschieden, mein Reiseziel und das Auslandspraktikum miteinander zu Verbinden und das Praktikum also in Prag zu machen. Mit der Hilfe von Frau Adamsky, der Mobilitätsberaterin der Handwerkskammer Kassel, habe ich die Möglichkeit bekommen, in den Verwaltungen von 3 verschiedenen Schulen mein Praktikum zu absolvieren. Unterkunft und Fahrkarten waren dank des Zuschusses der Erasmus+ Förderung schnell gefunden und gebucht, so dass ich am 23.03.2024 die Reise antreten konnte.

Die Anreise, Unterkunft und ersten Erfahrungen in der „Goldenen Stadt“

Die Anreise verlief größtenteils, bis auf einen Gleiswechsel 2 Minuten vor Zugeinfahrt reibungslos. Am Hauptbahnhof in Prag angekommen, begann für mich eine kleine Odyssee, denn ich habe mich nicht zurechtgefunden, genauer gesagt habe ich nicht den Ort gefunden, an dem meine Tram Richtung Unterkunft abfährt. Nachdem ich also eine Weile herumgeirrt bin, habe ich den richtigen Bahnsteig gefunden und war am Samstag um ca. 20:30 Uhr an meiner Unterkunft angekommen.

Meine Unterkunft war das sogenannte „University Hotel“, welches zwar einen noblen Namen hat, allerdings nichts anderes als ein Studentenwohnheim ist. Es ist aber dem Preis entsprechend fair gewesen, denn ich hatte ein kleines Apartment mit Küchenzeile und eigenem Bad.

Den Sonntag hatte ich also genug Zeit, um schon mal die erste Erkundungstour zu machen. Ich bin also Richtung Hauptbahnhof gefahren und habe von dort aus einen großen Spaziergang gemacht.

Das Praktikum

Mein Praktikum war auf 3 Schulen aufgeteilt, in denen ich im Sekretariat bzw. im Büro gearbeitet habe. In der SKOLA EU PRAHA bin ich allerdings unter Anderem auch mit in den Unterricht gegangen. Das liegt daran, dass die Schule auf europäische Verwaltung  spezialisiert ist und ich somit den Unterricht, den ich sonst in der deutschen Berufsschule gemacht hätte, dort auf der SKOLA EU PRAHA miterleben konnte, denn die Themen haben sich teilweise überschnitten. Das Schulsystem in Tschechien ist nämlich anders aufgebaut als das in Deutschland: Es gibt hier keine duale Berufsausbildung. Das Oberstufengymnasium ersetzt sozusagen die Ausbildung. Die SchülerInnen sind also grundsätzlich Vollzeit-SchülerInnen und haben in der Zeit der Oberstufe ein 6-Wöchiges Praktikum, in welchem sie dann in dem von ihnen gewählten Bereich arbeiten. Außerdem haben die SchülerInnen zusätzlich die Möglichkeit, am Erasmus+ Programm teilzunehmen. Die SKOLA EU PRAHA hat kooperative Schulen und Betriebe in 3 deutschen Städten, in Rotenburg an der Wümme, Berlin und Weiden. Wenn man, wie in diesem Fall, also sein Abitur im Bereich Verwaltung macht, kann man anschließend direkt in der Verwaltung  arbeiten. Da es aber ein allgemeines Abitur mit Fachrichtung ist, könnte man auch alles Mögliche Andere studieren oder in jedem anderen Bereich anfangen zu arbeiten. Natürlich sind die Chancen aber größer, dass man genommen wird, wenn man in dem Bereich anfängt, in dem man das Abitur gemacht hat, da man dann noch individuellere Vorerfahrungen hat.

Jedenfalls war es für mich aus diesem Grund sehr interessant, in den Unterrichtsstunden mit dabei zu sein, und als es um Themen wie Steuern oder Arbeitnehmer-/Arbeitgeberrechte ging, habe ich mich nahezu gefühlt wie in meiner normalen Berufsschule. Abgesehen von dem Unterricht habe ich aber auch viel über das Bildungssystem und die Kompetenzverteilung der Verwaltung zwischen Schule und Staat erfahren, wie also beispielweise die Finanzierung der Schulen läuft, aber auch die Bewerbung und Einstellung von LehrerInnen. Es ist nämlich nicht so wie bei uns, dass LehrerInnen vom Staat eingesetzt werden dürfen, wo sie gerade gebraucht werden, sondern die LehrerInnen bewerben sich nach dem Studium direkt bei den Schulen und die Schulen haben selbst die Handlungskompetenz zu entscheiden, wen sie einstellen und wen nicht. Dies wird also nicht vom Staat bzw. von einem Schulamt kontrolliert, sondern die Schule ist dafür selbst verantwortlich.

An zwei weiteren Tagen habe ich an der Schule außerdem an einer Sprachkompetenzschulung teilgenommen. Dabei ging es um einfache Konversationen in der jeweils anderen Sprache, ebenso wie um Fachbegriffe im Bereich Verwaltung und um Telefonate im Arbeitskontext.

Im Thomas Mann Gymnasium, auf tschechisch Gymnázium Thomase Manna, bin ich dann auch mehr in das praktische Arbeiten gekommen.  Abgesehen von normalen, kleinen Aufgaben, die ich gemacht habe, wie z.B. Akten und Dokumente (aus-) sortieren und Unterlagen, bei denen die Verjährungsfrist abgelaufen ist, zu vernichten, habe ich auch einiges an Übersetzungs- und Kommunikationsarbeit gemacht. Da das Gymnasium eine bilinguale Schule mit Deutschunterricht ist, habe ich Bewerbungsanschreiben und Lebensläufe von Schülern, welche auf Deutsch verfasst waren, auf Vollständigkeit sowie grammatikalische Richtigkeit und Rechtschreibung kontrolliert. Ich habe zukünftige Deutschprüfungen sowie Lehrerleitfäden für Prüfungen kontrolliert und korrigiert. Da die Schule auch oft Austauschfahrten nach Deutschland macht, hatte ich außerdem die Aufgabe, eine Deutschlandkarte inklusive Bundesländer zu zeichnen und auszuschneiden, wo in Zukunft die Orte der Austauschklassen markiert werden. Was mir außerdem sehr viel Spaß gemacht hat, war die Erstellung von Postern über ein Programm zur Erstellung von Medien. Da ich mich durch meine Arbeit in der Handwerkskammer in der Stabstelle Kommunikation mit dem Programm bereits auskannte, war Pavla begeistert von den verschiedenen Postercollagen, die ich über das Programm von vergangenen Austauschfahrten erstellt habe. Die Poster habe ich dann im Schulgebäude aufgehangen. Außerdem habe ich (auch über dieses Programm) einen Infoflyer zum dualen BWL-Studium erstellt, welches die Schule in Kooperation mit deutschen Universitäten und Betrieben anbietet.

Außerdem war ich in der Střední průmyslová škola, auf deutsch die industrielle technische Sekundarschule. Dort habe ich mich größtenteils um Erasmusverträge gekümmert. Ich habe die Verträge berichtigt, auf den neuesten Stand gebracht und mit den jeweiligen Informationen der SchülerInnen und den Aufgabenbereichen fertig gestellt. Ich habe außerdem nach neuen Praktikumsstellen im Elektro- und Maschinenbaubereich in zwei deutschen Städten geschaut und diese möglichen Erasmus-Kooperationsbetriebe für die Schule in einer Liste zusammengefasst.

Sprache 

Nachdem ich eine ganze Weile über eine Sprachenlern-App tschechisch gelernt hatte, dachte ich, gut für die Zeit in Tschechien vorbereitet zu sein. Es stellte sich heraus, dass ich keine 3 Meter mit meinen tschechisch weit kam und doch meistens wieder auf Englisch gewechselt habe. Manchmal habe ich versucht, es durchzuziehen und einfach zu gucken, wann auffällt, dass ich die Sprache eigentlich gar nicht richtig beherrsche, und zumindest in den letzten 2 Wochen der Praktikumszeit konnte ich ohne Probleme auf Tschechisch einkaufen. Die einfachen Konversationen, wie woher ich komme, wie ich heiße und wie alt ich bin, konnte ich natürlich schon, die haben mir aber nicht geholfen, wenn ich von Jemandem auf Tschechisch gefragt wurde, wie lange ich noch in Prag bin oder ob ich schon Leute kennen gelernt habe. Tatsächlich fanden also die meisten Gespräche doch auf Englisch statt. Und wenn ich das mal so sagen darf, sprechen Tschechien besser Englisch als Deutsche, daher war es gar kein Problem, auch inhaltlich schwierigere oder tiefgehendere Gespräche auf Englisch zu führen.

Sightseeing

An den Wochenenden und Nachmittagen habe ich die Zeit meistens fürs Sightseeing genutzt. Da in der Zeit, in der ich in Prag war, auch noch an den meisten Tagen total gutes Wetter war, hat es sich  angeboten, die Zeit draußen, und nicht nur in Museen, Galerien und Burgen zu verbringen. Natürlich habe ich das auch gemacht, aber die verschiedenen Aussichtspunkte, die Moldau und die Altstadt haben es mir auch sehr angetan. Ich war außerdem bei zwei Führungen dabei, eine über den Untergrund von Prag, also über die Bunker, Kammern und Gänge die man erstmal weder sieht noch vermutet. Die andere Führung war durch das jüdische Viertel, da Prag eine lange, tiefgehende und interessante Geschichte dahingehend, was man nicht nur an den vielen Synagogen und dem Einfluss Franz Kafkas erkennen kann. An einem meiner letzten Tage war ich noch im Schmetterlingshaus Papilonia, um dem regnerischen Wetter von draußen zu entfliehen.

Highlights

Meine Highlights waren auf jeden Fall die Bootsfahrt auf der Moldau und die Aussicht von der Prager Burg. Es hat mich auch sehr gefreut, dass ich in Prag Kontakte knüpfen konnte, mit denen ich in meiner Freizeit etwas unternommen habe.

An den Schulen hat mir vor Allem die Administration und die Schulorganisation der SKOLA EU PRAHA gefallen. Außerdem waren sowohl die LehrerInnen als auch die SchülerInnen sehr offen und haben mir gerne auf alle Fragen bezüglich der Schule geantwortet. Außerdem war die Schule sehr interessant unter dem Aspekt, dass die SchülerInnen dort im Bereich Administration/Verwaltung unterrichtet werden und ich daher Parallelen zur Berufsschule ziehen konnte.

Abreise

Die Abreise lief leider nicht ganz so reibungslos wie es hätte sein können, da mein Zug ausgefallen ist und ich somit drei Mal umsteigen musste, und das mit (zu) viel Gepäck. Aber abgesehen davon kann ich die Deutsche Bahn gar nicht so sehr dafür kritisieren, da ich trotzdem nur eine 3/4 Stunde später als geplant um 19:30 Uhr in meiner Heimat ankam.

Fazit

Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung, nach Prag gegangen zu sein und auch damit, das Praktikum an den Schulen absolviert zu haben. Es hat mir einen ganz neuen Einblick auf die Arbeit und das Arbeitspensum der Schulverwaltung gegeben und ich konnte hinter die Kulissen des Sekretariats gucken, welches ich in meiner Schulzeit immer nur aus der Schülerperspektive betrachten konnte.

Prag ist eine wirklich schöne Stadt und mir haben die vier Wochen sehr viel Spaß gemacht. Die Leute sind größtenteils sehr zuvorkommend und die ganzen historischen Gebäude sind einfach total schön.

Als Verwaltungsfachgestellte in Spanien – Celina Nowak

Mein Praktikum mit Erasmus+

Die Planung

Mein Name ist Celina Nowak und ich mache eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Fuldatal (3.Lehrjahr). Nach Absprache mit meinem Ausbildungsbetrieb, durfte ich ein zweiwöchiges Praktikum mit Erasmus+ während meiner Ausbildung absolvieren. Ich habe gemeinsam mit Frau Anna Adamsky (Handwerkskammer Kassel) mein anstehendes Erasmus+ Praktikum geplant. Mithilfe einer Organisation in Spanien habe ich meine Unterkunft und mein Praktikumsbetrieb in Spanien gefunden.

Die Anreise

Meine Anreise nach Sevilla startete am 15.10.2023 um 4:00 Uhr morgens in Kassel. Angekommen am Flughafen in Frankfurt startete mein Flug um 9:35 Uhr nach Sevilla, Spanien. Nach knapp 3 Stunden Flugzeit landete ich um 12:35 Uhr in am Flughafen in Sevilla. Anschließend habe ich meine Koffer geholt und in der Empfangshalle wartete schon ein Taxi auf mich. Ich wurde zu meiner Unterkunft gebracht, an dieser mich schon eine Mitarbeiterin der Organisation in Sevilla empfing. Gemeinsam gingen wir in die Unterkunft und es fand die Schlüsselübergabe statt und ich bekam mein Zimmer für die nächsten zwei Wochen gezeigt. Mit mir in der Unterkunft wohnten in der ersten Woche noch sechs weitere Mitbewohner und in der zweiten Woche waren wir nur noch zu dritt (Jungs und Mädchen).

Mein Praktikum

Mein Praktikum habe ich an einer Schule für Abitur, Berufsbildung und weitere Kurse absolviert. Zu meinen Aufgaben gehörte die Verwaltung des Archivs, Personalbögen in die jeweiligen Akten einzusortieren, Bescheinigungen auszugeben und ich durfte in die Unterrichtsstunden Spanisch und Englisch reinschauen und mitmachen.

Sprache

Während meines Aufenthaltes in Sevilla habe ich Englisch und Spanisch gesprochen. Meine Englischkenntnisse sind auf dem Level B1 und meine Spanischkenntnisse sind auf dem Level A1/A2.

In der WG habe ich mit meinen Mitbewohner*innen auf Englisch gesprochen und konnte somit meine Englischkenntnisse verbessern. Für mein Praktikum hatte ich mir gewünscht, dass die Mitarbeiter*innen auch Englisch sprechen können, damit man sich besser verständigen kann. Nur wenige Mitarbeiter*innen an der Schule (Praktikumsbetrieb) konnten Englisch sprechen. Also fand die Kommunikation überwiegend auf Spanisch statt. Da meine Spanischkenntnisse nicht so gut sind, war die Kommunikation etwas schwierig. Ich empfehle ein Spanischsprachiges Praktikum allen, die auf den Level B1 sind, da die Kommunikation dann einfacher fällt.

Meine Unterkunft

Meine Unterkunft war in einem Mehrfamilienhaus. In der Wohnung gab es insgesamt 8 Schlafzimmer. Ein Einzelzimmer (Mein Zimmer), ein Dreibettzimmer und zwei Zweibettzimmer. Es gab zwei Toiletten mit Nutzung für alle Mitbewohner und ein Badezimmer an dem Einzelzimmer. Zur gemeinsamen Nutzung eine Küche, eine Waschmaschine und ein Wohn- und Essbereich. Außerdem hatten wir noch einen Balkon. Zum Wochenende kam immer eine Reinigungskraft, diese die Schlafzimmer sowie Bäder gereinigt hatte. Meine Erfahrung mit der Unterkunft war insgesamt in Ordnung. Mein eigenes Badezimmer, welches ich an meinem Einzelzimmer hatte, war nicht sauber und nach der ersten Woche leider defekt. Somit habe ich dann die zwei anderen Bäder benutzt. Die Küche und der Wohn- und Essebereich waren in einem guten Zustand. Man sieht jedoch, dass die Wohnung oft bewohnt ist. Preislich gesehen (268,00€) für die 13 Tage ein Preis der fair ist. Jedoch würde ich als Tipp mitgeben, sich Bilder, wenn möglich, im Vorhinein von der Wohnung zeigen zu lassen.

Die Organisation

Die Organisation, über die ich mein Praktikum geplant habe hat mir eine Unterkunft, einen Praktikumsplatz, einen Transfer vom Flughafen in Sevilla zu meiner Unterkunft und eine Busfahrkarte bereitgestellt. Außerdem hatte ich in Sevilla vor Ort eine Ansprechpartnerin von der Organisation (Sprache Englisch). Am 16.10.23 fand eine Begrüßungsveranstaltung für alle neuanreisenden statt. Diese wurde von der Organisation durchgeführt. Anschließend wurden wir von Mitarbeitern zu unseren Praktikumsplätzen gebracht. Am letzten Tag vor der Abreise fand am Standort der Organisation eine kurze Abschlussveranstaltung statt und wir erhielten ein Zertifikat über die Teilnahme.

Erasmus+ Fördersätze

Es gibt die „Fördersätze Erasmus+“. Man bekommt einen Zuschuss pro Tag und eine Reisekosten Pauschale einmalig pro Teilnehmer. Die jeweilige Höhe ist abhängig von dem Land und der Entfernung vom Heimartort. 80% bekommt man vor Abreise und die restlichen 20% bekommt man nach der Reise, wenn alle benötigten Unterlagen eingereicht wurden.

Die Abreise

Meine Abreise zurück nach Deutschland war am 28.20.2023. Um 10:00 Uhr habe ich mich auf den Weg zum Flughafen in Sevilla gemacht. Um 13:15 Uhr startete mein Flug zurück nach Frankfurt. Angekommen in Frankfurt bin ich mit dem ICE nach Kassel-Wilhelmshöhe gefahren.

Mein Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass die zwei Wochen in Spanien eine sehr gute Zeit waren. Ich habe mich persönlich weiterentwickelt und konnte Arbeitserfahrung in einem anderen Land machen. Dadurch das mein Praktikum in einer öffentlichen Schule stattfand und nicht in einer öffentlichen Verwaltung, konnte ich leider nicht viele neue Dinge dazulernen, diese mir in der Ausbildung in Deutschland zugutekommen. Dennoch konnte ich in die Aufgabentätigkeiten eins Sekretariats reinschauen und Erfahrungen sammeln. Zudem konnte ich in meiner Freizeit auch die Stadt Sevilla näher kennenlernen und meine Freizeit selbst gestalten. Durch das Wohnen in der WG kam man mit Personen aus unterschiedlichen Ländern zusammen und konnte dadurch auch eine Menge neues dazulernen und neue Freundschaften knüpfen. Für das nächste Mal würde ich darauf achten, dass vor Ort im Praktikum Personen sind, die Englisch sprechen können, damit das Erlernen oder Verbessern der Landessprache einfacher ist und das Arbeiten dadurch vereinfacht wird. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Praktikum mit Erasmus+ sehr gut gefallen hat und ich gerne wieder ein solches Praktikum absolvieren würde. Ich empfehle jeder Person ein Praktikum mit Erasmus+ zu machen, die eine neue Herausforderung sucht.

Als Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement in Schweden – Sophia Menzel

Auslandspraktikum in Schweden

Im zweiten Lehrjahr meiner Ausbildung, zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement, absolvierte ich ein vierwöchiges Auslandspraktikum in Schweden.

Meine Reise begann am Sonntag, den 24. September 2023. Angekommen am Bahnhof in Malmö wurde ich von Berth H., dem schwedischen Kontakt der Mobilitätsberatung, empfangen. Er brachte mich zu meiner Unterkunft und stellte mich meinen Gasteltern vor. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie, und ihre beiden Töchter mir sehr ans Herz wachsen, und die gemeinsamen  Fernsehabende mit „Swedens Idol“ zu einer Tradition werden würden.

– Lukie, die Katze meiner Gasteltern

Am nächsten Tag wurde ich von Berth zu meine Praktikumsbetrieb gebracht: die Firma Ahlsell.  
Dort angekommen hatte ich zunächst ein Meeting mit dem Filialleiter, welcher mich herzlich begrüßte. Nach einem Einführungsgespräch und einem Firmenrundgang begann schon direkt mein Arbeitsalltag.

 

Da sich die Firma zu der Zeit in Umbau- und Vergrößerungsmaßnahmen befand, bestand meine Hauptaufgabe in den nächsten Wochen aus dem Abbauen alter Regale und dem Aufbauen und Auffüllen neuer Regale. Dass diese Arbeit komplett von meinen Arbeitsaufgaben in Deutschland abwich, hat mich überhaupt nicht gestört. Denn so konnte ich die jungen „Sommerarbeiter“, welche in meinem Alter waren, besser kennen lernen. Mit Phillip, Oskar, Emma und Ludwig hatte ich wirklich eine wunderbare Zeit.

– brunchen im Café Jord

Aber natürlich habe ich nicht nur Regale auf- und abgebaut. Ich wechselte alle paar Tage die Abteilung und konnte so viele verschiedene Einblicke bekommen. Vormittags half ich bei der Warenannahme und -kontrolle, nachmittags war ich häufig an der Kasse beschäftigt. Aber auch bei der Warenbestandsprüfung, der Inventur, Bestellungen und der Kundenbetreuung half ich mit.

Meine Highlights an der Arbeit waren die Frühstück-, Mittags- und Kaffeepausen. Dort kam ich bei Knäckebrot, Zimtschnecken und Kaffee mit vielen netten Arbeitskollegen ins Gespräch.

– Fika (sv: „Kaffeepause“)

In meiner Freizeit habe ich auch viel erlebt. Noch vor meiner Anreise hatte ich mir mit Google Maps eine Karte von Malmö und Umgebung erstellt und alle möglichen Plätze, Wege, Cafés und Bars markiert, die ich besichtigen wollte. Tatsächlich konnte ich alle Punkte meiner Karte abarbeiten, denn ich hatte Glück mit dem Wetter, am Wochenende schien immer die Sonne.

Mein Highlight der Reise war der Wochenendausflug mit zwei Freunden aus Deutschland. Wir sind mit dem Auto nach Ystad gereist, eine Stadt an der schwedischen Südküste, und am Meer entlang wieder zurück nach Malmö gefahren.

Mein Highlight der Reise war der Wochenendausflug mit zwei Freunden aus Deutschland. Wir sind mit dem Auto nach Ystad gereist, eine Stadt an der schwedischen Südküste, und am Meer entlang wieder zurück nach Malmö gefahren.

Die Zeit in Schweden verging, wie im Flug und schon bald war die letzte Woche angebrochen. Der Gedanke an meine Abreise löste in mir gemischte Gefühle aus. Einerseits freute ich mich meine Familie und meine Freunde aus Deutschland wiederzusehen, andererseits wusste ich, dass mir der Abschied schwerfallen würde. Die Schweden sind mir echt ans Herz gewachsen.

Und so kam es wie es kommen musste, und es war Freitag, der 20. Oktober 2023, mein letzter Arbeitstag. Kurz vor Feierabend versammelten sich alle Mitarbeiter an der Kasse und mir wurde eine riesengroße Musikbox überreicht. „Because you love to listen to music. And now you will think of us, when you are back in Germany!“, sagte mein Filialleiter. Auch ihm viel der Abschied schwer ,Or you Stay here an keep working at Ahlsell. We would be very happy“ sagte er scherzhaft.

Meinen letzten Abend verbrachte ich mit meinen Gasteltern. Wir machten gemeinsam Burger und sahen uns die ein letztes Mal zusammen die Serie „Swedens Idol“ an. Wir tranken und redeten noch bis spät in die Nacht. Am nächsten Tag stand meine Abreise an, und ich wurde von Berth H. an den Bahnhof gebracht.

Abschließend kann ich sagen, dass diese vier Wochen mich maßgeblich geprägt haben. Ich habe so viele unglaublich nette und großartige Personen kennen gelernt und so viel Schönes gesehen. Noch oft denke ich an diese Zeit zurück. Und eins ist klar: mein nächster Urlaub geht nach Schweden!

Als Maßschneider in Schweden – Sina Kase

im 2. Lehrjahr in Stockholm

Von Sina Kase, 21 Jahre, aus Waldeck-Frankenberg, Auszubildender in Kassel

Ich erhielt die Empfehlung für den Praktikumsplatz von einer anderen Auszubildenden und hatte das Glück, mein Praktikum in Stockholm zu absolvieren. Das Theater befindet sich direkt neben dem Schloss Drottningholm, wo auch die schwedische Königsfamilie wohnt, und ist ein original erhaltenes Barocktheater aus dem Jahr 1766. Es ist der schönste Ort der Welt, vor und hinter der Bühne. Die Kostüme, an denen ich mitgearbeitet habe, auf dieser Bühne zu sehen, in so einer tollen Oper, war eine Ehre für mich.

Die Schneiderwerkstatt befand sich neben dem Theater in einem alten Pavillon, der neben der Schneiderwerkstatt auch noch den Theatershop, die Übungsräume des Orchesters, die Werkstatt der Perückenmacher, den Pausenraum der gesamten Crew und die Räume der Bühnentechniker beherbergte. Die Räume wurden nie um-, nur ausgebaut, deshalb sind viele Decken-, Boden- und Wandbemalungen und Gemälde noch original erhalten und gaben den Arbeitsbereichen einen gewissen Charme.

In der Schneiderwerkstatt arbeiteten wir meistens zu viert, es herrschte übliches Chaos und Unordnung, und wir mussten uns bei der Nutzung von Nähmaschinen und Bügelanlagen gut absprechen. Die Gewandmeisterin hatte einen eigenen Arbeitsraum mit Büro, in dem auch alle Anproben stattfanden. Eine fest angestellte Schneiderin, eine saisonal eingestellte Schneiderin, eine weitere Praktikantin und ich arbeiteten in der richtigen Werkstatt. Trotzdem waren die Hierarchien niedrig, wir sprachen uns alle beim Vornamen an und ich wurde nie herablassend behandelt, wie ich es aus vergangenen Praktika in Deutschland kannte. Ich verstand mich gut mit meinen Kolleginnen.

Da ich in den letzten vier Wochen vor der Premiere dort war, waren die meisten Kostüme schon fertig. Die zweite Praktikantin und ich nahmen letzte Pass- und Dekoänderungen vor und nähten Knöpfe und Verschlüsse an. Allerdings fing ich direkt damit an, die Kostüme des Orchesters zu fertigen, im Laufe des Praktikums fertigte ich sieben Hemden und um die zehn Westen, alle grob im Stil des 17. Jahrhunderts. Eine dieser Westen wurde von einem Sänger und Schauspieler auf der Bühne getragen, alles andere vom Orchester.

Mit allen angewandten Techniken entsprach das fast meinem Können, und so lernte ich im Praktikum vor allem effizientere Fertigungsabläufe und den Arbeitsablauf vor einer Premiere im Theater kennen. Ich fand das sehr interessant und trotz der immer gleichen Kleidungsstücke, die ich fertigte, abwechslungsreich. Meine Arbeiten unterschieden sich nicht großartig von den ausgelernten Schneiderinnen, die im Unterschied zu mir letzte Kostümteile wie Umhänge, Röcke und Hüte fertigten und mit der Gewandmeisterin letzte Entscheidungen über die Designs trafen und uns Praktikanten anleiteten. Meine Arbeitsabläufe und die Fertigungstechniken für die Hemden und Westen erarbeite ich mir so selbstständig nach dem, was ich gelernt hatte. Ich lernte aber auch, dass sich klassische Maßschneiderverarbeitung in einigen Punkten sehr von den Techniken im Theater unterscheidet. Im Theater wird viel mehr improvisiert, je nach Kostüm und Accessoire auch mal getackert und geklebt, und da manche Kostüme für andere Aufführungen wiederverwendet werden, viel mehr mit Fokus auf einfach Abänderung gearbeitet. Zum Beispiel reparierte ich Westen und Hosen, die die Namensschilder von bis zu vier anderen Schauspielern aus vier anderen Stücken trugen und zwischendurch kein einziges Mal gewaschen wurden, weil das Material dies nicht zuließ.
Den Einblick in den Berufsalltag würde ich somit als sehr akkurat bezeichnen. Wir Praktikanten arbeiteten genau dieselben Stunden wie die Schneiderinnen, Überstunden derer ausgenommen, und machten dieselben Pausen. Die Liebe der Schneiderinnen zum Handwerk wurde in ihrer Arbeitsmoral sichtbar, und ich fand es wirklich schön zu sehen, dass alle mehr als nur einen Job zum Geldverdienen arbeiteten. Es war ein gesundes Arbeitsumfeld und ein gesundes Verhältnis zur Arbeit, die sich wirklich gelohnt hat, denn das Ergebnis auf der Bühne war wirklich phänomenal.

Vor der Premiere haben wir auch mit einigen Mitarbeitern des Theaters ein Konzert besucht. Ein Mitglied des Orchesters, Jonas Nordberg, ist ein bekannter Lautenspieler und hat im Barocktheater auf Schloss Gripsholm Konzerte gegeben, von denen wir eins besucht haben. Der Kurztrip nach der Arbeit dorthin und in das anschließende Dorf Mariefred war eine sehr schöne Erfahrung.

Dadurch, dass fast alle Abteilungen des Theaters im selben Haus arbeiteten oder kursierten, bekam ich kurze Einblicke in die Arbeit der Bühnentechniker, des Orchesters, der Operndirektorin und des Choreographen. Ich führte Gespräche mit einigen interessanten Personen, wo sich die Gelegenheit ergab. Ich hörte das Orchester proben, hörte die Leute in diversen Sprachen im Pausenraum reden. Die Oper erschien mir so wie das Ergebnis der Leidenschaften einzelner Künstler und ich habe es geliebt.

Meine Zeit in Stockholm war auch abseits des Praktikums sehr erfüllend. Es war das erste Mal, dass ich alleine soweit reiste und musste mich zum ersten Mal selbst versorgen, weil ich noch nicht von zu Hause ausziehen konnte. Es hat wieder aller Erwartungen Spaß gemacht und sehr gut geklappt. Bloß bin ich ein schrecklicher Koch. Ich hatte mir für die vier Wochen ein Zimmer gemietet und hatte so gleich auch eine Mitbewohnerin und zwei Katzen. Die Wohnung befand sich in einem Wohngebiet nahe einer S-Bahn-Station und einem Einkaufszentrum, mein Ausblick sowie das ganze Stadtbild war aber von Grünflächen, Bäumen und riesigen Wohntürmen geprägt. Mir wurde bewusst, wie gut die Abwesenheit von Autos wirklich tat.

An den Wochenenden besuchte ich so viele Museen wie ich nur konnte und erkundete die Innenstadt Stockholms. Ich entdeckte einen Flohmarkt und lief sogar in der Pride Parade mit. Durch den sehr gut ausgebauten ÖPNV (laut meiner Kollegen „ausreichend“, aber ich bin Deutsche Dorfverhältnisse gewöhnt) kam ich überall gut mit S-Bahn, Tram, Bus und zu Fuß an. Es gab eine Bootsverbindung direkt in die Innenstadt, kostenlos für Mitarbeiter und mit einer tollen Aussicht. Historische Häuser, Wohntürme und modernste Infrastruktur stand im Einklang mit Wäldern und riesigen Meeresarmen, da die Stadt sich über zahlreiche Inseln erstreckt. Auf meinem Weg zur Arbeit überquerte ich zwei Meeresarme, beide so breit wie riesige Flüsse wie der Rhein. In einer Großstadt zu wohnen, war für mich als Dorfkind eine tolle Erfahrung, und in Stockholm, mit so einer viel fortgeschritteneren Infrastruktur als in Deutschland, umso positiver.

Am Ende des Praktikums wollte ich eigentlich gar nicht gehen. Ich hatte mich so schön eingearbeitet und eingelebt und fühlte mich so geborgen wie Zuhause. Das Praktikum im Ausland zu machen war komplett meine eigene Entscheidung, die Planung desselben die schlimmste Phase meines Lebens und fast komplett ohne die Hilfe meiner Eltern, und während meines Praktikums war jede einzelne Entscheidung im Alltag über mich selbst meine eigene. Ich war gewissermaßen völlig unabhängig. So habe ich, trotz der teils anstrengenden Arbeit oder der entwickelten Routine, mich wirklich lebendig und frei gefühlt und habe über meinen Beruf hinaus fürs Leben gelernt.
Ich habe große Träume und Ziele für die Zukunft, so viel dass ich noch abseits von der Schneiderei lernen und machen will, aber dank diesem Praktikum weiß ich eins: Wenn ich für den Rest meines Lebens als einfacher Schneidergeselle oder Meister in einem Theater arbeiten würde, hätte ich nichts dagegen. Es wäre ok. Es wäre auch so ein erfülltes, schönes Leben. Und ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte und froh, dass ich sie ergriffen habe.

Als Tischlerin in Finnland – Marie Imke

Die Zeit ist gerannt….

Sonntag, „der Tag danach“

Schon sind sechs Wochen Auslandspraktikum in Finnland um… Ich sitze nicht mehr am Küchentisch einer Wohnung in Turku, sondern wieder an meinem Schreibtisch in Deutschland und gerade bei der letzten Woche frage ich mich wirklich, wo die Zeit geblieben ist. Und das geht nicht nur mir so! Ich habe an meinem letzten Tag von einigen Kollegen gesagt bekommen, dass sie gar nicht glauben können, dass ich tatsächlich sechs Wochen in dem Betrieb gearbeitet habe. Aber bei der Menge an neuen Eindrücken und Erfahrungen, die ich machen durfte, darf ich mich eigentlich auch nicht darüber wundern, dass sich die sechs Wochen im Nachhinein eher wie sechs Tage anfühlen.

Ich habe viel lernen und erleben dürfen in meiner Zeit in Finnland und bin sehr dankbar dafür. Es war toll für einige Wochen einen anderen (Arbeits-)Alltag erleben zu dürfen, sich in einer anderen Umgebung wiederzufinden und in einer anderen Sprache zu kommunizieren und ich weiß schon jetzt, dass ich viel daraus habe mitnehmen können.

Das Stadtzentrum Turkus war unglaublich lebendig und es gibt so viele schöne Orte an denen man seine freien Abende oder das Wochenende verbringen konnte. Die Tatsache, dass man sich überall problemlos auf Englisch verständigen konnte und mit dem Bus alles gut erreichen konnte, hat die Freizeitgestaltung sehr leicht gemacht.

Für Tagesausflüge an den Wochenenden musste man sich natürlich etwas beschränken bei der Auswahl der Ziele, um nicht den ganzen Tag in Zug oder Bus zu sitzen, aber die Südwestküste Finnlands hat da definitv viel zu bieten. Mit meiner Mitbewohnerin war ich beispielsweise an den letzten Wochenenden noch in einem Nationalpark nördlich von Turku, etwas mehr im Landesinneren, und in Rauma, einer Stadt an der Westküste Finnlands mit einer unglaublich schönen bunten Altstadt mit den typischen Holzhäusern.

Aber nun noch einmal zu meinen Arbeitserfahrungen im Ausland – schließlich habe ich die meiste Zeit in Finnland logischerweise in meinem Praktikumsbetrieb verbracht.

Der größte Unterschied zu meiner Ausbildung in Deutschland bestand definitiv darin, dass ich in Finnland nur in einer Werkstatt gearbeitet habe und in meinem Ausbildungsbetrieb nicht nur in der Werkstatt arbeite, sondern eben auch zu Kunden auf Montage fahre. Beides hat natürlich irgendwie seine Vor- und Nachteile. Zum Beispiel ist es doch ganz angenehm, wenn man immer alle Werkzeuge und jegliches Material zur Verfügung hat und nicht erst noch in das Auto laden und sich dann auf der Baustelle einrichten muss. Es hat mir aber auch definitiv gefehlt, das Werkstück, das man gebaut hat in seiner späteren Umgebung zu sehen. Oftmals kann etwas erst vor Ort aufgebaut werden und so erlebt man gar nicht den ganzen Fertigungsprozess mit Montage und notwendigen individuellen Anpassungen, denn dafür sind andere Mitarbeiter zuständig.

Ein weiterer großer Unterschied war außerdem die Größe des Betriebes. Mein Ausbildungsbetrieb ist nicht groß und bei uns muss jeder an jeder Maschine arbeiten und die verschiedenen Arbeitsgänge ausführen. Bei dem Praktikumsbetrieb gab es jedoch feste Arbeitsbereiche. Einige Kollegen haben nur Kanten angefahren, nur mit der CNC-Fräse gearbeitet oder an der Formatkreissäge Schichtstoff und Platten zugesägt. So ist ein Werkstück bis zum Verpacken für den Transport zum Schiff durch viele Hände gegangen. Es war unglaublich wichtig, die Arbeiten zu dokumentieren und die Baupläne und Materiallisten weiterzugeben.

Beruhigend war, dass es bei Werkzeugen und Maschinen zwischen den Ländern keine Unterschiede gibt. In Finnland wurden sogar viele in Deutschland hergestellte Materialien verwendet, die ich so schon kannte und deren Beschriftung sogar auf Deutsch war, was mich anfangs sehr überrascht hat. Einziger Unterschied war vermutlich die Verwendung des Zollstocks. Ich nutze ihn normalerweise fast nur. Ein Arbeitskollege von mir in Finnland konnte sich das aber scheinbar nicht mit anschauen und hat mir ein Maßband gegeben, dass dort von jedem für jegliche Art des (Ver-)Messens genutzt wird.

Viele Unterschiede in der Arbeitsweise konnte ich also in diesen Wochen nicht feststellen und es war ein gutes Gefühl zu erkennen, dass man gelerntes Wissen und Fähigkeiten auch relativ problemlos in der Arbeitswelt im Ausland nutzen kann.

Morgen geht es nun aber für mich wieder hier in Deutschland zu Arbeit – mit vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen.

Als Tischlerin in Finnland – Marie Imke

Endspurt

Donnerstag, Tag 41

Donnerstagmorgen. Heute ist der vorletzte Tag meines Praktikums hier in Finnland. Die ganze Woche war die Abreise schon sehr präsent, aber gestern nach dem Abschlussgespräch mit Vesa, dem Organisator des Praktikums hier in Finnland, und Klaus, dem „Supervisor“ des Betriebs, der meine Ansprechperson ist, wurde es mir erst so richtig bewusst.

Wir haben eine kurze Bilanz gezogen und sind uns einig gewesen, dass es schön gewesen wäre, wenn ich mehr mit Vollholz hätte arbeiten können und anfangs nicht so häufig neue Aufgaben hätte fordern müssen. Dies war aber in den Wochen anders einfach nicht möglich und von daher bin ich dankbar, dass die Kommunikation mit den Kollegen so gut geklappt hat und sie sich immer Zeit genommen haben zum Beantworten von Fragen oder Einbeziehen in einen Arbeitsvorgang, wodurch ich doch immer gut beschäftigt war.

In der letzten Woche gab es für mich aber noch einmal die Gelegnheit mit Vollholz zu arbeiten. Ich habe Treppenstufen zugeschnitten und sollte außerdem einen Rahmen für den Boden eines Pooldecks vorbereiten. Dafür habe ich lange Leisten Teakholz zugeschnitten, abgerichtet und auf Maß gehobelt, um anschließend mithilfe der Tischfräse eine Nut-Feder-Verbindung über die gesamte Länge herzustellen. So konnte ich nun jeweils zwei Leisten L-förmig verleimen und anschließend die Kanten mit der Handoberfräse bearbeiten.

In den letzten Tagen hatte ich nun noch die Möglichkeit an einem Teilprojekt mitzuwirken, das klein wirkte, aber doch sehr zeitintensiv ist und an dem ich zusammen mit zwei KollegInnen arbeite. 
Es soll eine Art Säule aus übereinander gesteckten Zahnrädern entstehen, von denen einige später Uhren präsentieren sollen. Dafür müssen viele Verbindungen gefräst, Teile aufgeleimt und geschliffen werden, damit am Ende bei der Montage und nach der Lackierung alles exakt zusammenpasst.
Ich bin gespannt, wie viele Stunden von meinen zwei letzten Arbeitstagen ich damit noch beschäftigt bin!

Und dann hatte ich gestern noch eine sehr schöne Begegnung: ein Kollege ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, was ich vor hätte – ich könnte doch jetzt nicht gehen, es gäbe noch so viel zu tun! Und wenn ich jetzt gehen müsste, sollte ich doch wenigstens bald einmal wiederkommen.
Das von ihm so herzlich zu hören, hat mich unglaublich gefreut und mir gezeigt, dass ich in diesem Team vielleicht doch schon länger mehr „angekommen“ bin, als ich selbst gedacht habe. Ein super schöner Abschluss! 

Als Tischlerin in Finnland – Marie Imke

Die zweite Hälfte

Dienstag, Tag 32

Mittlerweile sind schon über vier Wochen des Praktikums hier in Finnland um. Ich kann gar nicht so richtig glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Das letzte Mal, dass ich mich hier gemeldet habe, ist nun auch schon wieder über zwei Wochen her.

An der Arbeit habe ich mich mittlerweile wirklich gut eingelebt. Es ist tatsächlich teilweise schwierig, Aufgaben für mich zu finden und aufgrund der Arbeitsabläufe hier nicht möglich ein Teilprojekt von Anfang bis Ende zu begleiten, aber ich konnte mich ganz gut mit den Gegebenheiten arrangieren.

Da ich nun auch die Kollegen kenne, denen ich helfen kann, weiß ich, wohin oder an wen ich mich wenden kann und finde doch immer genug zu tun.

In der dritten Woche hat sich hier merklich die Arbeitsatmosphäre geändert und es lag spürbar eine gewisse Spannung in der Luft. Wie ich im Gespräch mit dem Vorarbeiter später erfahren habe, läuft es in dem Betrieb wohl immer so. An einem bestimmten Punkt „legt sich ein Schalter um“ und die Arbeitsweise verändert sich. Es ist schwer zu erklären, aber es fühlt sich an, als würde irgendwie noch intensiver gearbeitet werden, das Zusammenspiel zwischen allen Bereichen scheint stärker zu werden. Nach einigen Wochen ist aber auch alles wieder beim Alten und es kehrt die so wichtige Ruhe ein. Grund für die andere Arbeitsatmosphäre war jetzt gerade, dass alle Projekte für ein Schiff fertig gestellt wurden und nun komplett auf die Produktion für ein anderes Schiff umgestellt wurde. Das ist tatsächlich auch ein Punkt, der noch immer etwas schwer vorstellbar für mich ist – der Betrieb baut (fast) ausschließlich Möbel und andere Innenausbauteile für Schiffe. Da es sich jedoch um Kreuzfahrtschiffe handelt, sind es keine kleineren Möbel, die gerundet an die Form eines Rumpfes angepasst werden müssten, sondern Küchenmöbel oder Regale wie man sie in Größe und Bauweise in beliebigem Gebäude finden würde.

Ich habe in den letzten Tagen unter anderem bei dem Zusammenbau eines großen Eichenregales mit eingebauten LED-Leisten und geschlossenem Stauraum für einen Parfümerie geholfen, kleine runde Teaktischplatten geschliffen, die Kanten gerundet und alles geölt, riesige Deckenpaneele geschliffen, Küchenschränke zusammengebaut, aber auch beim Bau eines kleinen einzeln stehenden Schminktisches mitgewirkt. Es ist eine ganz gute Mischung aus Arbeiten, die ich alleine mache, bei denen die Abläufe und alles weitere klar sind, und Arbeiten, bei denen vier Hände und zwei Augenpaare einfach sehr hilfreich sind. Und nicht zu vernachlässigen die Erfahrungen, die ich gerade erst anfange zu sammeln mit meiner Ausbildung.

Aber abgesehen von der Arbeit: Das Wetter war hier in letzter Zeit eher grau. Wenn ich mich mit Kollegen über meine Pläne für die freie Zeit unterhalten habe und sagte, dass ich mir ein bisschen Sonne wünschen würde, habe ich immer nur belustigt zu hören bekommen, dass ich mir für mein Praktikum dann aber das falsche Land ausgesucht hätte – Finnland sei eben bekannt für das graue, regnerische Wetter. Dann genieße ich eben das!
Mit meiner Mitbewohnerin, die vor zwei Wochen hier ankam und auch ein Auslandspraktikum macht, bin ich dann aber am Sonntag noch einmal von ganz viel Sonnenschein überrascht worden und wir haben mit dem Fahrrad eine der Inseln vor der Stadt erkundet und wieder darüber gestaunt, dass es selbst von dort in diesem Schärenmeer nicht möglich ist bis zum Horizont zu schauen.

Ich bin gespannt, was in den letzten Tagen noch passiert und was ich noch erleben darf – gefühlt wird es schon morgen wieder mit dem Flieger Richtung Deutschland gehen! 

Als Tischlerin in Finnland – Marie Imke

Update

Sonntag, Tag 16

Seit meinem ersten Post sind nun schon wieder 10 Tage vergangen und ich bin schon über zwei Wochen in Finnland. Mittlerweile habe ich mich hier schon wirklich gut eingelebt, einiges gesehen und vor allem neue Erfahrungen an der Arbeit machen dürfen. In mehreren „Themenblöcken“ möchte ich ein paar meiner Eindrücke und Erfahrungen mit Euch teilen.

Die Arbeit im Betrieb: Am Anfang dieser Woche habe ich mit dem Kollegen die letzten Tischplatten fertig stellen können. Danach durfte ich ihn bei den nächsten Schritten einen kleinen Abschnitt Teak-Deck herzustellen unterstützen . Hierfür haben wir bereits letzte Woche eine zugeschnittene Platte aus Aluminium mit Wabenstruktur als Grundlage genommen und mithilfe von Fugenmasse als Klebstoff, sowie Abstandshölzern zugeschnittene Teakholzstücke aufgeklebt. Auf der Formatkreissäge sind diese dann nach dem Trocknen der Masse „besäumt“ worden. Das heißt, die Kanten aller Teile sind nun exakt parallel zueinander. So konnten wir nun mit dem Rahmen fortfahren. Dieser besteht aus L-förmigen Teakholzstücken, die durch eine Feder verbunden sind und ist auf Gehrung gearbeitet. Da alle Fugen dieselben Maße haben müssen, musste die genaue Länge der Rahmenteile mehrmals überprüft werden. Erst dann konnten wir auch sie mithilfe der Fugenmasse aufkleben. Eigentlich hätte die Masse nun wieder erst über Nacht aushärten und die Rahmenteile dabei mit Zwingen an der gewünschten Position gehalten werden müssen. Um jedoch gleich die Fugen füllen zu können, sind die Teile zusätzlich von unten durch die Aluminiumplatte durch Schrauben fixiert worden, sodass wir schon nach kurzer Zeit die Zwingen abnehmen und die Fugen füllen und mit einem Spatel abziehen konnten. Mindestens vier Tage muss die Fugenmasse nun komplett aushärten.

Danach hat sich für mich, auf der Suche nach neuen Aufgaben, die Möglichkeiten ergeben auch mit anderen Kollegen ins Gespräch zu kommen und ein paar Worte zu wechseln über das, was sie gerade machen. Ich bin dann schließlich für einige Tage bei einem Kollegen gelandet, der für das Belegen von Spanplatten, Aluminium und oben genannten Wabenplatten zuständig ist, sowie das Verleimen von MDF, das durch die Verwendung der großen (Furnier)Pressen erleichtert wird. Wir haben viele, viele Teile mit Laminat belegt und dabei entweder flüssigen Klebstoff verwendet, der zunächst mit einem Härter vermischt werden muss und dann mit Spachtel und Rolle verteilt wird oder wir haben bei den großen Wabenplatten auf einen Klebstoff zurückgegriffen, der fest ist, aufgerollt und sich wie eine Folie anfasst. Er wird erst durch das Pressen und die Hitze dabei flüssig und verbindet sich dann mit beiden Materialien. Am Ende dieser Woche habe ich dann noch einige Zeit mit Schleifen verbracht. Bei der Größe der Projekte in diesem Betrieb sind es immer eher mehrere Dutzende anstatt „nur“ einem Dutzend Leisten…

Die Sprache: An der Arbeit kommuniziere ich mit meinen Kollegen glücklicherweise fast problemlos auf Englisch. Bisher war es immer möglich sich gegenseitig zu verständigen und zu besprechen, was zu tun ist, auch wenn man vielleicht noch einmal nachfragen musste und nicht sofort die richtigen Worte finden konnte. Schwieriger ist es da schon eher sich an Gesprächen zu beteiligen. Wenn sich Kollegen unterhalten, ist es unmöglich mitzubekommen, über welches Projekt oder private Thema sie sich gerade unterhalten, denn die Bedeutung finnischer Worte lässt sich wirklich nicht leicht ableiten… Das wird sich für mich in den nächsten Wochen wohl auch leider nicht ändern, aber ich hoffe, dass ich immerhin in der englischen Sprache noch ein bisschen mehr an Sicherheit gewinnen werde und es mir leichter fällt mich so auszudrücken, wie ich es auch in meiner Muttersprache tuen würde.

Das Busfahren: Mittlerweile ist es schon ganz normal, letzte Woche wäre es mir aber bei meiner ersten Busfahrt fast zum Verhängnis geworden: hier in Finnland muss man den Bussen an den Haltestellen per Handzeichen zu verstehen geben, dass man einsteigen möchte. Die Haltestellen werden hier von vielen verschiedenen Buslinien angefahren und hält man den Bus nicht an, fährt er weiter. Da ich das aus Deutschland so nicht kenne, war ich unglaublich froh, dass noch eine andere Frau mit mir an der Haltestelle stand, die denselben Bus nehmen wollte, wie ich.  

Die Landschaft: An unterschiedlichen Orten und auf unterschiedlicher Weise konnte ich in den letzten Tagen die Landschaft der Südwestküste Finnlands etwas besser kennenlernen. Zu Fuß war ich auf dem Festland in Naantali unterwegs und habe den Blick auf die vielen Inselgruppen genossen, sowie die Straßen der Altstadt aus bunten kleinen Holzhäusern, die ihren ganz eigenen Charme haben. Von zwei Kollegen bin ich am Mittwoch eingeladen worden mit ihnen eine Runde Kajak zu fahren und es war unfassbar schön selbst zwischen diesen Inseln auf dem Wasser unterwegs sein zu können. Wir haben auf einer kleinen Insel eine Pause gemacht, waren also mittendrin in diesem Schärenmeer und konnten uns die grüne und felsige Küste des Festlandes genauer anschauen. Und gestern bin ich von Hanko aus, einer Küstenstadt auf halbem Weg zwischen Turku und Helsinki, mit dem Boot auf die Insel Bengtskär gefahren, um dort den südlichsten und auch höchsten Leuchtturm Finnlands zu besichtigen. Hier war keine andere Insel oder das Festland mehr in Sicht, sondern man konnte über das Meer bis zum Horizont schauen.  

Das war es erst einmal wieder von mir! Morgen geht es wieder an die Arbeit – mal sehen, was in der nächsten Woche für Projekte auf mich warten.

Als Tischlerin in Finnland – Marie Imke

Ankommen

Donnerstag, Tag 6

So ganz kann ich es immer noch nicht glauben, aber ich sitze schon lange nicht mehr zum ersten Mal an dem Küchentisch einer kleinen Wohnung am östlichen Stadtrand von Turku, sondern wohne nun schon fast sechs Tage hier.

Turku liegt an der Südwestküste Finnlands und ist damit ganz schön weit weg von Kassel. Also warum bin ich hier? Ich werde die nächsten Wochen in Raisio, einem Vorort von Turku, ein Praktikum in dem Betrieb „Paattimaakarit“ absolvieren. Wer bin ich? Ich bin Marie, 20 Jahre alt und jetzt am Ende meines zweiten Lehrjahres der Ausbildung zur Tischlerin.

Letzten Samstag ging es für mich also nach langer Zeit der Unsicherheit, ob dieses Praktikum aufgrund der aktuellen Weltlage überhaupt stattfinden kann, nach Frankfurt zum Flughafen und von dort in ungefähr zwei Stunden nach Helsinki. Dort bin ich in den Zug umgestiegen und hatte genug Zeit, um einen ersten Eindruck von dem Land zu bekommen. Und der war vor allem grün! Manchmal aber auch rot, mit Dach und weißen Fenstern.

Am frühen Abend bin ich dann in Turku am Bahnhof angekommen und wurde von Vesa, der hier in Finnland alles für das Praktikum organisiert hat, abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Dort hat er mir alles Notwendige gezeigt, erklärt und wir haben uns für Montagmorgen um 9 Uhr verabredet, um gemeinsam in den Betrieb zu fahren. Ich hatte so also genug Zeit, um in Ruhe anzukommen und mir meine Umgebung etwas genauer anzuschauen.

Das Stadtzentrum von Turku hat mich am Sonntag mit blauem Himmel und Sonnenschein begrüßt. Zu Fuß bin ich einfach losgelaufen, entlang des Flusses zum Hafen und der Burg von Turku, dann einmal quer durch die Innenstadt. Es war Triathlon in Turku und so viel los auf den Straßen und vor den Lokalen, was wirklich schön war. Und was ich noch beobachten konnte: auch hier, direkt in der Stadt, ist es super grün!

Montagmorgen ging es dann also mit Vesa nach Raisio. Die Begrüßung im Betrieb ist super kurz ausgefallen und große Erklärungen zu Arbeitsbereichen oder -abläufen gab es keine, dafür bin ich aber direkt einem Kollegen zugeteilt wurden und durfte ihn sofort bei seiner Arbeit unterstützen. Ich darf an der Herstellung von Tischplatten mitarbeiten und da es sich hierbei nicht nur um zwei oder drei handelt, sind wir damit auch die letzten Tage beschäftigt gewesen. Leider habe ich dadurch und durch die individuellen Pausenzeiten noch keinen näheren Kontakt zu anderen Kollegen gehabt, aber dafür habe ich hoffentlich noch die nächsten 5 Wochen genug Zeit. Es ist auf jeden Fall super interessant mitzuerleben, wie in der großen Halle des Betriebes alle an eigenen Teilprojekten arbeiten oder die Arbeitsschritte für den nächsten vorbereiten. Anders als ich es aus meinem Ausbildungsbetrieb gewohnt bin, ist es hier unmöglich alles mitzubekommen. Und der Geräuschpegel ist auch ein anderer…

Morgen früh klingelt also um 5 Uhr wieder der Wecker und ich werde zum Frühstücken hier am Küchentisch sitzen, damit ich pünktlich kurz vor 7 Uhr an der Arbeit bin und hoffentlich die letzten Tischplatten fertig werden.

Stehaufmännchen

„Ich kritisiere sehr, dass diese Flexibilität von jungen Menschen bedingungslos gefordert wurde und niemand hinterfragt hat, was das mit uns macht.“

Ich wurde neulich gefragt, ob ich mir Sorgen machen würde nach meiner Weiterbildung eine Stelle an einem Theater zu finden, jetzt wo sie doch eine schwere Zeit hinter sich haben und nicht jedes Theater das Geld hat. Ich hatte bis dahin nicht einmal darüber nachgedacht, ob die Pandemie und die damit fehlenden Einnahmen von Theatern zu einen Stellenabbau in den Werkstätten führen könnten. Und ich bin froh, dass mir dieser Gedanke nicht gekommen ist, ansonsten wären die letzten Monate noch schwerer durchzuhalten gewesen.

Blick ins Tutu – das erste Tutu was ich je gemacht habe, zusammen mit einer Mitschülerin

Seit August vergangenen Jahres mache ich meine vollschulische Weiterbildung zur Gewandmeisterin Fachrichtung Damen und auch wenn ich schon viele Jahre darüber nachgedacht habe, wie diese Weiterbildung sein würde auf die Idee, dass ich die Hälfte meines ersten Schuljahres per Onlineunterricht absolvieren würde, bin ich nicht gekommen.

Schon im ersten Lehrjahr meiner Ausbildung zur Damenmaßschneiderin am Staatstheater Kassel stand für mich fest, dass ich Gewandmeisterin werden möchte. Meine damalige Gewandmeisterin hat mich begeistert und ich habe mir zu der Zeit gedacht, wenn ich auch nur ansatzweise so werde wie sie, dann habe ich schon was erreicht. Der Beruf der Gewandmeisterin fand im magischen Raum der Anprobe statt, dort wurden die Grundsteine für ein Kostüm gelegt in Form von Schnittmustern und zugeschnittenen Stoffbahnen. Die Anprobe war der Raum in den man nicht so oft kam, schon gar nicht während der Anproben. Für mich war es immer etwas besonderes, dort schnell durch zu huschen um ein Nadelkissen rein zureichen und dabei einen ersten Blick auf das Kostüm an der Schauspielerin zu erhaschen.

Ich liebe mein Handwerk. Ich finde es immer noch wundervoll zu sehen, wie etwas entsteht und aus einer platten Fläche ein Kleidungsstück zu formen, dass sich dreidimensional um den Körper legt. Aber der Beruf der Gewandmeisterin bietet mir und den Dingen, die ich gerne tue, noch mehr Raum diese auszuleben. Mit dem konstruieren der Schnitte setze ich bei der Entstehung eines Kostüms noch einen Schritt weiter vorne an. Ich bin viel in Kontakt mit neuen Menschen, lerne Kostümbildner und Schauspieler kennen und bin so ein Scharnier zwischen der Welt des Handwerks und der Welt der Kunst. Nur für die Kunst zu arbeiten würde mir dann doch zu bunt werden.

Vorbereitungen zu weiteren Schnittkonstruktionen

Ich bin also im vergangenen Sommer, nach knapp fünf Monaten in Heimarbeit nach Hamburg gezogen und habe mich unglaublich gefreut, dass die Weiterbildung begann und die einzige Einschränkung Stoffmasken waren – Einschränkungen die gut auszuhalten waren.

Die letzten Wochen vor den Sommerferien durfte ich auch wieder ohne viel nachzudenken jeden Tag in die Schule kommen, zwar mit FFP-2 Maske im Gesicht und regelmäßigen Schnelltests, aber besser als noch einen weiteren Tag von meinem Zimmer aus zu arbeiten. Denn ab Dezember 2020 kam das Homeschooling durch das ich zunächst gut gekommen bin, weil ich mir viel Zeit zum planen und To-Do-Listen schreiben genommen habe. Weil ich mich dazu gezwungen habe mich nicht zu wundern, dass ich jetzt viel schneller mit den vorgenommenen Aufgaben fertig bin. Und vor allem weil ich irgendwann die Politik und die Entscheidungen von Bund und Ländern nicht mehr ernst genommen habe.

Um ganz ehrlich zu sein, haben mir die ersten Wochen sehr gut getan. Ich hatte Zeit für mich, konnte konzentriert arbeiten, weil es keine Ablenkung gab und wenn ich einen nicht so guten Tag hatte war ich immerhin in einer Umgebung, die sich gut anfühlte. Ich habe mein bestes gegeben meine Disziplin hochzuhalten um nicht jeden Tag um 12 Uhr auf der Couch zu landen und da haben sich Wecker und To-Do-Listen als wahre Wunder entpuppt. Ich habe weiterhin einen gleichmäßigen Tagesablauf eingehalten, zur selben Zeit aufstehen, Mittagessen und Feierabend machen. Irgendwann habe ich dann gemerkt, wie viel Kraft es kostet, das alleine durchzuhalten.

Innenverarbeitung Korsett

Wege fielen weg -alleine durch den fehlenden Schulweg gewann ich 90 Minuten pro Tag- , Wege wurden kürzer -mein Zimmer ist einfach kleiner als die gesamte Etage, die uns in der Schule zum arbeiten zur Verfügung steht- und durch das kontinuierliche arbeiten wurden die Dinge einfach schneller fertig. Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich das verstanden hatte und nicht mehr glaubte faul zu sein, nur weil ich jetzt zu Hause und teilweise von der Couch aus arbeitete.

Was mich auf Dauer mürbe gemacht hat, war der Fakt, dass ich ab Januar mehr schwarze Felder bei Zoom, Moodle, Webex etc. als Menschen gesehen habe. Ich war bereit zu planen und umzuplanen, aber nur wenn ein klares Ende in Sicht wäre, was die Politik nicht zugelassen hat. Das Hoffen, dass es vielleicht in zwei Wochen, sieben oder zehn Tagen normal und in Präsenz weitergeht, und die Enttäuschung, dass es doch nicht klappt, hat mich erschöpft. Ich wurde in einem Interview zu diesem Thema befragt und die Journalistin hat meine Aussagen perfekt zusammen gefasst: „Ich kritisiere sehr, dass diese Flexibilität von jungen Menschen bedingungslos gefordert wurde und niemand hinterfragt hat, was das mit uns macht.“ Wenn ich jetzt zurück blicke, weiß ich was ich mir von der Politik gewünscht hätte, und zwar einen harten Lockdown, wie andere europäische Länder um uns herum. Nach Weihnachten das Land für drei Monate dicht machen, egal wie die Zahlen sind und dann zwei Wochen vor Ende auswerten wo wir stehen. Ich bilde mir ein, dass ich damit besser hätte umgehen können als mit diesen Häppchen an Optimismus die mir zugeworfen wurden.

Trotzdem kam ich an den Punkt, an dem ich an mein Höhlenleben gewöhnt war. Ich konnte damit umgehen, dass meine Schulsachen auch noch von meinem Bett zu sehen waren und dass ich eigentlich jeden Abend staubsaugen musste um Fäden und Flusen aufzusaugen um langsam wieder das Gefühl zu haben in meinem Zimmer und keiner Werkstatt zu sein. Langsam gewöhnte ich mich daran Privatleben und Schulleben, das im selben Raum stattfand auszubalancieren.

Ich habe sechs Jahre lang darauf hin gefiebert diese Weiterbildung anzufangen, wie viele meiner Mitschülerinnen auch. Und es stimmt mich schon traurig, dass ich mich in meinem ersten Jahr der Weiterbildung mehr darum gekümmert habe, unter welchen Bedingungen ich in ein Schulgebäude darf, oder meine Freunde sehen darf, oder Materialien kaufen kann, als einfach auszuprobieren, was mit dem Beruf der Gewandmeisterin alles möglich ist.

Es war zwar ein taffes Jahr, aber es gab schon auch eine Menge zu lachen

Aber nein, ich mache mir keine Sorgen eine Stelle am Theater zu bekommen. Ich meine, ich möchte für Theater arbeiten, die Stehaufmännchen Deutschlands. Die gesamte Kulturszene hat mich in dem letzten Jahr beeindruckt, in dem so ziemlich alles gefördert und unterstützt wurde (auch Pelzfarmen in Dänemark), nur sie nicht so wie sie es verdient hat. Dabei standen die Hygienekonzepte zuerst in Schauspiel- und Opernhäusern, sowie Konzertsälen fest. Theater sind wandelbar, mussten sich immer wieder neu erfinden und haben es auch so durch die Pandemie geschafft. Es wird sich eine Stelle für mich finden, vielleicht nächstes Jahr, vielleicht auch erst in zwei Jahren, an einem Schauspielhaus oder einem Mehrspartentheater, in Deutschland, der Schweiz oder Österreich. Da bin ich mir sicher.

Bis bald,
Ihre Clara