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Logoleiste-01

Gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und der Europäischen Union – Europäischer Sozialfonds

Augenopikerin- Arbeiten im Ausland

Kann ich mich verständigen? Was werde ich an der Arbeit machen? Wie sind meine Arbeitskollegen? Mit wem wohne ich im Apartment zusammen? Sind es Deutsche oder Franzosen, Engländer oder Italiener? Finde ich jemanden mit denen ich mich vertrage?
All diese Fragen habe ich mir gestellt als es hieß, dass ich für 4 Wochen nach Malta fahre.
Als ich gehört habe, dass ich ein Praktikum im Ausland absolvieren kann, war ich sehr begeistert und wollte es unbedingt machen. Sofort begann ich alles zu organisieren. Doch bis kurz vor der Abreise wurde mir erst klar, dass ich jetzt wirklich nach Malta fahren werde. Meine Nervosität wurde immer größer.

Doch wie es immer so ist macht man sich am Anfang immer mehr Gedanken als es am Ende Nötig gewesen wäre.

Am 29.09 2018 ging es für mich los. Mein Flieger ging um 20.20 Uhr von Frankfurt am Main und mein Flieger landete um 23.30 Uhr. Ich wurde am Flughafen von George abgeholt und er zeigte mir das Apartment.Ich stellte fest, dass ich mehr verstand als ich mir zu getraut habe. Er erzählte mir, dass ich mit 2 anderen deutschen zusammen wohnen werde, die ebenfalls aus Kassel kommen. In dem Moment fiel mir der zweite Stein vom Herzen. Als ich am Apartment ankam, war schon alles dunkel. Netterweise war einer von den beiden wach geblieben um mich zu begrüßen und zeigte mir wie ich mich hier zurecht finde. Am Sonntag lernte ich meine andere Mitbewohnerin kennen und wir verstanden uns von Anhieb sehr gut. Es dauerte nicht lange bis unsere WG zu wachs bekam. Um 14 Uhr reisten 2 weiter Jungs an. Die beiden wohnen in der Nähe von Berlin. Wir sind dann zusammen zum Strand in Gazia  gegangen um uns abzukühlen und die die beiden die vor uns an gereist waren zeigten uns ein wenig die Umgebung.

Meine erste Arbeitswoche

Am Montag fing mein erster Arbeitstag an. Ich traf mich um 9.40Uhr mit George an der Bushaltestelle und er zeigte mir meine Arbeitsstelle und wie ich es mit dem Bus erreichen kann. Meine Arbeitsstelle ist in Slima beim Augenoptiker „K Optiks“.
Ich lernte meinen Chef Kevin kennen und meine Anderen Arbeitskollegen. Kevin zeigte mir die Werkstatt wo ich die meiste Zeit arbeite. Meine Arbeitszeiten sind von 9.00 Uhr bis 13.00Uhr und von 16.00 Uhr bis 19.00Uhr. In der erste Woche hab ich mich an die Praktikantin aus Italien gehalten, die Alessia. Sie zeigte mir schon am ersten Tag wie ich den Schleifautomaten bediene und wie man die Gläser in die Fassung einsetzt. Ich versuchte alles wie ein Schwamm auf zu saugen  und alles genau so umsetzten. Von dieser Arbeit kann ich viel profitieren, da ich dies für meine Abschlussprüfung brauche, aber in Deutschland keine große Möglichkeit habe dies mit einer Routine zu erlernen. Gleich am ersten Tag sind mir ein paar Unterschiede zwischen Malta und Deutschland aufgefallen. In Malta färben sie die Sonnenbrillengläser selber und die Gräte wie zum Beispiel das Lötgerät oder die Ventilette sieht anders aus als ich es kenne. Im Gegensatz zu Deutschland dürfen die Augenoptiker in Mata kein Sehtest durchführen, aus diesem Grund kommt jeden Dienstag und Freitag der Doktor vorbei.
Um mich einschätzen zu können gab mir Kevin in den ersten Tagen paar Aufgaben. Ich sollte Sonnengläser von einem Sonnenclip in eine Sonnenbrille ein feilen. Ich sollte auch eine Brille ausrichten ,die er verbogen hat ,so konnte ich auch gleich gute Tipps und Tricks erlernen die mir in der Zukunft weiter helfen werden.

Erstes Wochenende

Am Freitagabend waren wir alle zusammen in der Disco und haben das Nacht Leben von Malta genossen. Das schöne ist das auf Malta 90% der Eintritte in den Discotheken  umsonst ist.
Am Samstag sind wir nach Valetta gefahren und haben dort den ganzen Nachmittag verbracht. Als wir ankamen haben wir erstmal die Schönheit dieser Stadt genossen. Die weißen Häuser und kleinen Gassen waren Atemberauben schön. Nachdem wir uns eine Weile orientiert haben, haben wir den Lower Barraka Garden aufgesucht. Da gab es einen kleinen Markt. Man konnte Honig, Süßigkeiten, Schmuck, Selbstgewebte Teppiche kaufen. Doch was mich am meisten Beeindruckt hat war der Ausblick direkt auf dem Meer. Leider mussten wir später feststellen das alle anderen Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel die National Bibliothek oder Saint John´s Co- Chathedral geschlossen hatten.
Durch Zufall bekamen wir mit, dass in Valetta abends ein Fest stattfinden soll. „ Notte Bianca“. Den ganzen Abend bis spät in die Nacht gab es Open Air Konzerte jeglicher verschiede Musikrichtung und alle Museum und Sehenswürdigkeiten öffneten ihre Türen. So konnten wir die Stadt in Aktion kennen lernen.

Am Sonntag blieb keine Zeit zum Ausruhen. Gleich am Morgen zogen wir los und fuhren in die ehemalige Hauptstadt Mdina die auch „Stadt der Stille“ genannt wird. Mdina ist eine kleine Mittelalterliche Stadt wo kein Autoverkehr stattfindet. Der Ausblick ist herrlich.

Nach dem Ausflug nach Mdina sind wir nach Valetta gefahren und haben dort den Botanik Garden berichtet. Danach sind wir nach Hause gefahren und anschließend nach Slima zu Strand gefahren. Da wir wussten, dass wir eine neue Mitbewohnerin bekommen, waren wir gespannt wie sie so sein wird. Nach dem wir ein wenig gequatscht haben und den Ausblick auf das Meer genossen haben, haben wir zusammen das Wochenende mit einen schönen Essen ausgingen lassen.

 

 

Erzähl doch mal…

Schon während meines Austauschjahres habe ich mir schwer getan eine Antwort zu finden, wenn jemand einfach nur „Erzähl doch mal“ zu mir sagte. Eigentlich wünsche ich mir, dass mich jemand mit Fragen bombardiert und ich genau weiß wovon ich doch mal erzählen soll. Das macht es für mich leichter: Ich weiß wo ich anfangen und wo ich aufhören muss.

Neulich habe ich nach über einem Jahr einen Freund wiedergetroffen. Er hatte wie immer wenig Zeit, weil er direkt weiter zum nächsten Job musste. Es blieb wenig Zeit zum Erzählen und zum Reden. Deswegen hatte ich beschlossen mir Zeit zu nehmen und ihm einen ordentlichen Brief zu schreiben und von einigem zu berichten. Und zwar nicht von den Dingen, die ich in meinem letzten Eintrag angesprochen habe, sondern von schönen Erlebnissen, wie meine Reisen nach San Francisco und nach Georgia.

Es ist mir wichtig, dass ich nach dem letzten Eintrag auch so etwas hier veröffentliche, weil mein Jahr in den USA auch viele gute Seiten hatte.

Ich habe in einem langen Brief einen Reisebericht an einen guten Freund geschrieben und darf mit seiner Zustimmung Auszüge daraus veröffentlichen:

„[…] Ich finde es bemerkenswert, dass du zwei Wochen Urlaub in NYC gemacht hast. Als ich dort letztes Jahr gelandet bin, fand ich es ehrlich gesagt ziemlich schrecklich dort. Mir war alles zu gerade. Die Straßen laufen ja schnurgerade, im rechten Winkel zu einander in alle Richtungen. Schaut man hoch geht es dort genauso gerade weiter. Und alles ist so grau. Ich war letztes Jahr zuerst mit ein paar Leuten aus meinem Programm unterwegs, die allerdings ihre Bucketlist am Start hatten, die es galt in vierundzwanzig Stunden abzuarbeiten. Ich war ziemlich froh, als ich in der Grand Central Station verloren ging. Das war für mich der beste Tag in dieser Stadt. Ich bin dann etwa dreißig Blocks bis zum Central Park gelaufen und habe einfach die Sonne genossen und ein Buch gelesen. Ich war tierisch froh, als es endlich von NYC weiter nach Minnesota ging, wo ich das letzte Jahr gelebt habe.

Trotzdem war ich dieses Jahr im Juli noch einmal in New York. Alle Teilnehmer haben sich dort getroffen und sind dann zusammen ausgereist. Ich habe mich schon ein paar Tage vor der gemeinsamen Rückreise dort mit einer Freundin getroffen. Wir haben uns ein Airbnb in Brooklyn gemietet, Wein getrunken und viel gute Musik gehört (hauptsächlich modern Country, was ich wirklich gerne höre, seitdem ich in den USA war). Nach einem Jahr in den USA, in dem ich mich daran gewöhnt habe, dass amerikanische Städte einfach quadratisch-praktisch-gut aufgebaut sind, kam ich auch in NYC zurecht. Es waren wirklich gute letzte Tage.

Der Strand in Destin, Florida liegt am Golf von Mexiko

Wenn du nochmal zum Urlaub machen in eine amerikanische Großstadt fliegen willst kann ich dir nur San Francisco, Washington D.C., Atlanta und (wenn es etwas kleiner sein darf) Madison in Wisconsin empfehlen. Alles Städte, in denen ich wirklich gerne war, vielleicht weil sie mir offener und europäischer vorkamen als Minnesota.

In San Francisco war ich vor knapp einem Jahr. Kurz nach meinem Geburtstag habe ich dort eine Bekannte besucht, die vor vielen Jahren in Göttingen studiert hat. Es war ein perfekter Trip. Ich habe jeden Morgen mit Blick auf Palmen und den Pazifik gefrühstückt und dann die Stadt mit jemandem erkundet, der seit einigen Jahren dort lebt. Das ist eigentlich das Beste, was einem passieren kann. Auf diese Art lernt man eine Stadt so viel besser und gar nicht nur touristisch kennen. Sie hatte den perfekten Mix aus ihren Lieblingsplätzen und Sehenswürdigkeiten gefunden und mich dann auch noch in die Oper eingeladen. „La Traviata“ kannte ich zwar schon, aber ich habe noch nie eine so schöne Inszenierung gesehen. Der gesamte Chor stand in historischen Kostümen auf der Bühne. Die San Francisco Opera hatte eine perfekte Welt des späten 19. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht. Und obwohl diese Oper wirklich schon lange in dieser Fassung auf der Bühne steht hat man davon nichts gemerkt. Mir kam es vor als wäre es die Premiere und die Motivation noch sehr hoch!

San Francisco ist eine wunderschöne Stadt mit einer unfassbaren Vielfalt! Das habe ich in Minnesota das Jahr über vermisst. Minnesota ist ein sehr weißer, republikanisch geprägter Staat. Man sieht selten Afroamerikaner, Inder, Pakistani oder Mexikaner. Ich bin wirklich froh, dass ich am Anfang bei Events internationale Freunde gefunden habe. Ich hing am liebsten mit den pakistanischen Zwillingen ab, die ein wirklich leckeres Curry kochen und nebenbei eine angenehme Weltanschauung vertreten.

Im Museum über Martin Luther King jr. und das Civil Rights Movement

Als ich meine Schwester besucht habe, die jetzt in Kennesaw (Georgia) studiert, musste ich mich wirklich wieder daran gewöhnen andere Hautfarben zu sehen. Es ist verrückt, wie schnell man sich an ein bestimmtes Stadtbild gewöhnt. Zusammen mit meinen Schwestern habe ich einen kleinen, kurzen Roadtrip von Georgia durch Alabama nach Florida gemacht. Das war das Osterwochenende in diesem Jahr. Ich war so froh endlich wieder in einer Gegend zu sein in der es wärmer als 0°C war, in der kein Schnee lag und wo es grünes Gras gab.

Du musst wissen, dass ich den ersten Schnee letztes Jahr im Oktober hatte. Ab da an wurde es kontinuierlich kälter und ab November hatten wir permanent etwa dreißig Zentimeter Schnee. Neujahr habe ich gemeinsam mit meiner Schwester am zugefrorenen Gull Lake bei minus fünfunddreißig Grad verbracht. Ich glaube kälter wurde es nicht mehr. Der Schnee blieb bis Mitte April liegen und der Mississippi, der durch St. Cloud fließt, blieb bis dahin auch zugefroren. Bevor ich zu meiner Schwester nach Georgia geflogen bin, dachte ich noch, dass der Winter bis zu meiner Rückkehr nach Minnesota endlich vorbei sein würde.

Tatsächlich fiel in St. Cloud an Ostern nochmal Schnee (ca. 30cm) während ich im Golf von Mexiko stand und mir die Haut verbrannte. Ich glaube ich, habe in meinem Leben noch nie einen Sonnenbrand so gefeiert, dabei konnte ich gar nicht mehr auf dem Rücken liegen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Essen mal vermissen würde

Solltest du mal in die Südstaaten kommen, dann fahr nach Fort Walton Beach, da kann man noch ein bisschen was über die Geschichte des Ortes herausfinden, was wie ich finde, leider sehr selten in den USA ist, weil Geschichtliches wenig aufgearbeitet wird. Fahr nach Andalusia, Alabama. Dort kann man sich viele alte Mansions von Plantagenbesitzern anschauen, aber leider auch allgemein sehen, was die Folgen von Sklaverei und Unterdrückung sind. In Atlanta, Georgia, sollte man auf jeden Fall in das Museum über Martin Luther King jr. und das Civil Rights Movement gehen. Was mich dort allerdings schockiert hat, war die Feststellung, dass dort eigentlich nur schwarze Besucher waren. Ich habe im letzten Jahr festgestellt, dass so viele Amerikaner so wenig über ihr eigenes Land und deren Vergangenheit wissen. Das ging mir am Ende so tierisch auf den Keks. Trotz dieser schönen Erlebnisse, wie nach San Francisco zu reisen und in Madison in ein tolles Theaterstück zu gehen, ging es mir am Schluss so auf die Nerven, dass man mit zu vielen Menschen nicht über Politik sprechen kann. Keiner konnte mir erklären, was mit den Native Americans in Minnesota passiert ist. Sie wussten einfach nichts darüber. Und trotzdem sind sie so stolz darauf Amerikaner zu sein. Wie kann man stolz auf ein Land sein, von dem man so wenig weiß?

Irgendwann habe ich mir schwer getan diese Mentalität zu verstehen, dass ein Volk einerseits so ignorant gegenüber anderen und gegenüber seiner eigenen Geschichte sein kann und zur gleichen Zeit sich für die einzig wahre Nation hält, die Europa vor dem zweiten Weltkrieg gerettet hat und auch immer noch denkt, was sie in Afghanistan machen wäre ein Träumchen. Ich könnte jetzt immer so weiter machen, aber ich wollte eigentlich keinen zynischen Brief schreiben.

An der Quelle des Mississippi im Itasca State Park, der im Norden von Minnesota liegt

Ich hatte ein echt gutes Jahr und ich habe in einem wunderbaren Staat gelebt. Das haben mir die letzten drei Wochen vor der Ausreise gezeigt. Gemeinsam mit meinen Eltern war ich im Norden von Minnesota unterwegs.

Minnesota ist flächentechnisch größer als Deutschland, es leben dort aber nur so viele Menschen, wie in Berlin. Die größte Stadt zählt dreihunderttausend Einwohner, besteht eigentlich aus zwei Städten und wird als Großstadt bezeichnet. Mein Gastbruder war entsetzt, als ich ihm sagt, dass Mineapolis/St. Paul eigentlich nicht so groß ist und immer noch überschaubar.

Mit meinen Eltern bin ich von See zu See gefahren, bin viel geschwommen und habe mir in der Regel diese wunderbaren Sonnenuntergänge von einem Paddelboot aus angeschaut. Ich habe mir den Lake Superior angeschaut, der so endlos ist, dass man meint am Meer zu stehen. Tatsächlich schippern auch Ozeantanker über diesen See, weil er so groß ist. Dort oben kann man stundenlang schnurgerade Straßen entlang fahren ohne, dass ein Haus in Sicht ist und vielleicht kommt mal ein Auto an einem vorbei. Dort mit dem Auto liegen zu bleiben wünsche ich wirklich keinem. Man kann dort gut zum Urlauben hinfahren, wenn man einfach abschalten möchte. Es gibt in Minnesota tatsächlich nicht so viel zu tun. Die meisten pflegen folgende Hobbies: Angeln, Jagen, Quilten.

Und trotzdem gab es für mich nach dem Jahr nichts schöneres, als genau das meinen Eltern zu zeigen. Während super viele der andern Teilnehmer einen Roadtrip an der Westküste gemacht haben und zum Abschluss noch ein paar Tage nach Boston geflogen sind (alle Insta-Stories sahen gleich aus) habe ich mir viele verschiedene Seen angeschaut, einen Leuchtturm (Split Rock Lighthouse) besucht und die Quelle vom Mississippi-River gefunden. Der Fluss fließt übrigens einfach aus einem See raus und dann auch erstmal nach Norden. Ich habe eine Woche lang das Sprichwort „Life is better at a lake“ gelebt und sehr genossen (übrigens sehr empfehlenswert!).

Life IS better at a lake! Keine Diskussion…

Gemeinsam mit einer Freundin bin ich das Jahr über am liebsten an einen See oder Fluss gefahren und habe vor mich hin gestarrt. Das klingt vielleicht komisch, aber es war schön einfach nur zusammen dazusitzen, dem Wasser zuzuhören und die Ruhe zu genießen.

Ich könnte vermutlich noch seitenweise so weiterschreiben und von Washington D.C., meinen tollen Theaterkursen, die ich im vergangenen Semester belegt hatte und meinem geliebten Auto berichten. Aber dann höre ich gar nicht mehr auf und brauche noch ein paar mehr Seiten. […]“

Von San Francisco habe ich schon letzten Herbst in meinem blog berichtet und kurz nach meinem Zwischenseminar in Washington D.C. beschrieb ich wie schön es war im Capitol zu sein und mir die Stadt anzuschauen. Aber es gibt noch einiges zu erzählen, wie von dem Urlaub bei meiner Schwester in Georgia und mit meinen Eltern in Minnesota, die ich oben nur angeschnitten habe. Ich hoffe sehr, dass ich auch in Zukunft, wenn ich angefangen habe zu arbeiten und in Paderborn angekommen bin, Zeit finden werde zu schreiben und hier mehr von meinem Jahr in den USA zu berichten.

See you soon
Eure Clara

Different Country, Different Me?

Ich bin immer gerne Zug gefahren. Ich weiß, dass Viele in Deutschland auf die deutsche Bahn schimpfen von wegen Pünktlichkeit. Ich mochte es schon immer, mich in den Zug an ein Fenster zu setzten und einfach die Landschaft zu genießen oder ein Buch zu lesen. In alten ICs werde ich immer ein wenig nostalgisch, schiebe ein Fenster runter und halte mein Gesicht in den Fahrtwind.

Das alles hatte ich ein Jahr lang nicht. Zum Reisen in den USA habe ich entweder mein Auto, oder den Flieger genommen, aber leider nie einen Zug. Das war etwas, was ich während meines Austauschjahres sehr vermisst habe.

Mit meinen Schhwestern in Fort Walton Beach, Florida

Ich habe lange nicht mehr berichtet, wie es mir ging und mittlerweile bin ich auch schon wieder seit knapp zwei Monaten zuhause in Deutschland. Es lag einerseits daran, dass es in den letzten vier Monaten nicht viel Neues gab und andererseits, weil meine Gedanken in diesen Monaten sehr durcheinander waren und ich dieses Chaos erst einmal beseitigen wollte.

Bis Anfang Mai war bei mir alles okay. Ich konnte gut damit umgehen, dass man in Minnesota Gewehre und Pistolen im Supermarkt direkt neben den Spielwaren finden kann. Ich konnte darüber schmunzeln, dass die Leute in meinem Umfeld sagten, dass Politik ein privates Thema ist (was ich persönlich ganz anders sehe) und deswegen nicht darüber sprechen wollen. Und ich konnte es aushalten, alles mit dem Auto zu machen und nicht Fahrrad zu fahren oder zu laufen.

Dann wurde mir plötzlich alles zu viel. Um genau zu sein, hatte ich schon im April einiges über. Nachdem ich meine Schwester über Ostern im Süden der USA besucht hatte, fiel es mir sehr schwer, wieder in das immer noch verschneite Minnesota zurück zu fliegen. Es störte mich, dass man sich nur beim Vornamen nennt, auch wenn man sich gerade erst kennen gelernt hatte. Diese dadurch entstandene Nähe erschien mir oberflächlich. Es nervte mich, dass Telefonate nur mit „Hello?“ beantwortet wurden und ich einfach nicht wusste, mit wem ich sprach, oder ob ich mich verwählt hatte.

Ich begann Dinge in Frage zu stellen und wollte wieder diskutieren, mich besonders über Politik mit den Amerikanern austauschen. Ich stieß dabei aber leider oft auf taube Ohren, weil die meisten die ich kennengelernt habe, Politik als etwas Privates ansehen, was man nicht einmal mit Freunden und Verwandten bespricht.

Nachdem ich im Mai dann den Film „X-Ray“ angeschaut hatte, der die Zeit einer jungen Soldatin in Guantanamo Bay beschreibt, fing ich an, Dokumentationen über Guantanamo Bay, die amerikanischen Waffengesetze und Donald Trump zu schauen. Doch anstatt, dass diese mir Klarheit verschafft hätten, verwirrten sie mich eigentlich noch mehr. Mir erschienen die USA plötzlich so unfrei, wobei es sich doch um das Land handelt, in das so viele gekommen sind, um endlich Freiheit zu erfahren. Ich hatte plötzlich den Eindruck, dass dieses Land mit seiner Mentalität, wie ich sie kennengelernt habe, sehr einschränkt und eben nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, in dem man „vom Tellerwäscher zum Multimillionär“ werden kann. Ganz im Gegenteil. Es klammert sich fest an seinen alten Vorstellungen von Freiheit.

Ich denke, das Bild zeigt am besten, wie sich viele Menschen Amerika vorstellen: Florida, sonnig warm und keine Sorgen, weil man ja frei ist

Ein junger Amerikaner hat mir mal versucht zu erklären, warum die Amerikaner sich so weigern, beziehungsweise schwer tun, die Waffengesetze zu verschärfen. Die Erklärung war mehr eine Geschichtsstunde zurück in die Zeit der Siedler, des Goldrausches und der Kämpfe gegen Indianer. Die Pistolen und Gewehre seien das einzige Symbol der Freiheit, das aus dieser Zeit übrig geblieben sei, und deswegen sei es sehr wichtig, das Recht eine Waffe zu besitzen zu erhalten.

Ich habe mich lange mit meiner Mutter über dieses Thema unterhalten und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass in den USA, oder wenigstens in der Umgebung, in der ich gelebt habe, noch sehr an alten, vergangenen Werten festgehalten wird. Ich kann das nicht verstehen, wie ein Land auf einer Seite so fortschrittlich sein kann (z. Bsp. Im Silicon Valley) und zur gleichen Zeit aber so festgefahren.

Ich habe in dem vergangenen Jahr dadurch gelernt zu akzeptieren, dass mir vieles zweigeteilt erscheint. Für mich gab es oft nur schwarz oder weiß und selten Graustöne oder das ganze Farbspektrum. Angefangen bei der Politik: entweder Demokraten ODER Republikaner, aber eine Partei, die von beidem ein bisschen vertritt oder mal was ganz Neues an den Start bringen würde, gibt es nicht. Krankenversicherung oder halt keine, weil das Geld oft nicht reicht. Studium oder kein Studium, Ausbildungsmöglichkeiten wie bei uns gibt es ja nicht.

Das erste dreiviertel Jahr war einfach alles aufregend. Jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken und stressige Situationen konnte ich einfach ausblenden, weil mir Reisen nach San Francisco, Washington D.C. und Atlanta bevorstanden. Ich würde die ersten neun Monate als Honeymoon-Zeit beschreiben: Alles neu, alles ungewohnt und einfach anders. Mit der Praktikumsphase hat sich der Alltag eingeschlichen. Der Tagesablauf im Hotel war immer der gleiche und auch wenn bei „stitch it!“ jeden Tag neue Kunden in den Laden kamen, ähnelte jeder Tag dem anderen. Rückblickend haben sich noch nicht einmal die Gespräche verändert.

Mit meinen Eltern auf dem Campus der Saint Cloud State University, an der ich ein Semester studiert habe

Am vergangenen Wochenende hat mein Abschlussseminar in Köln stattgefunden und ich hatte endlich Zeit mich mit anderen Teilnehmern auszutauschen, Geschichten zu erzählen und nochmal über das ganze Jahr nachzudenken. Wir haben viel über unsere Erfahrungen mit den Amerikanern dort gesprochen, was unsere Schwierigkeiten im vergangenen Jahr waren, aber auch wie diese uns geprägt und weitergebracht haben.

Unter anderem haben wir über diese Dinge gesprochen, indem wir ein typisch amerikanisches Sprichwort ins Zentrum der Diskussion gestellt haben: Zum Beispiel: „Take it easy“, „Just do it!“ und „Life is what you make of it“. Natürlich stehen diese Sprichwörter für die Leichtigkeit und Risikobereitschaft der Amerikaner, schnell wurde uns allen aber klar, dass das eine sehr oberflächliche und in unseren Augen wenig reflektierte Lebensweise ist.

In dieser Gesprächsrunde sind wir zu dem Schluss gekommen, und das passt auch zu meinem Gefühl, trotz dieser „Freiheit“ so eingeengt zu sein. Denn unter dieser  Lockerheit liegt eine Strenge, die kein Fehlverhalten zulässt. Eine Teilnehmerin erzählte davon, dass an ihrem Arbeitsplatz Strafpunkte vergeben wurden, wenn man nur eine Minute zu spät zur Arbeit kam, oder wenn man krank war (trotz Krankschreibung!). Nach sieben angesammelten Punkten wird man gefeuert. Strenge wird auch bei dem Thema Sexualität gezeigt. Meine Gastfamilie hatte mir verboten, männliche Übernachtungsgäste in meinem Zimmer zu haben. Ein anderer Teilnehmer erzählte, dass er bei Damenbesuch seine Zimmertür offen lassen musste, weil sich seine Gastmutter sonst unwohl fühlte. Es gab noch einige weitere Geschichten, wie diese.

Nach dem letzten Wochenende habe ich einmal mehr festgestellt, wie wohl ich mich in Deutschland fühle und wie gut ich mit unseren Gepflogenheiten zurechtkomme. Ich genieße es im Moment, gesiezt zu werden und andere Menschen zu siezen. Ich mag es, wenn ich in einem Laden oder einer Bankfiliale mit meinem Nachnamen angesprochen werde. Da bleibt man bei etwas Offiziellem auf einer sachlichen Ebene, auf der trotzdem ein freundliches Verhältnis gepflegt wird. In den USA wurde mir oft eine Nähe vorgegaukelt, die es so eigentlich nicht gab.

Währen des Seminars haben wir eine Gedankenreise gemacht. Wir haben Momente auf unsere innere Leinwand projiziert, an die wir alle nicht mehr so oft gedacht haben: Von der Ausreise und den ersten Tagen in New York City, dem Ankommen im Platzierungsort, in der Gastfamilie und am College, Thanksgiving, Weihnachten und Silvester, der Jobsuche und dem Arbeitsbeginn bis hin zu unserem Abschlussseminar in New York City und der Ausreise. Ich habe viele schöne Bilder in meinem USA Film gehabt, die ich nicht vergessen werde. Ich habe meine Freunde gesehen, die mir bleiben werden, weil ich mit ihnen wunderbare Erinnerungen teile und vielleicht mit ihnen noch mehr davon machen werde.

Mit Regina (die ein Jahr lang in Appleton, Wisconsin war) nach einer „Chicago“-Vorstellung am Broadway, NYC

Zum Abschluss des Seminars gab es eine kleine Zeremonie, in der uns Urkunden überreicht wurden. Zu jedem Teilnehmer sagte Theo Fuß (Mitarbeiter der GIZ und zuständig für das PPP) etwas. Als ich aufgerufen wurde, sagte er, dass ich Minnesota lieben gelernt und daher lieber meinen Staat bereist habe, als woanders hinzufahren. Und es stimmt: Minnesota ist bezaubernd schön und ich kann jedem nur empfehlen dort Urlaub zu machen besonders „Up North“, also im Norden.

Ich habe einiges aus diesem Jahr mitgenommen: Freunde, schöne Landschaften, wertvolle Erfahrungen. Ich habe mich selbst noch besser kennengelernt und dadurch auch festgestellt, dass ich großes Glück habe, in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen. Wir haben eine Vielfalt hier, die wir pflegen sollten, und gerade jetzt, wo die AFD groß wird, gegen Migranten gehetzt wird und sich die deutsche Bevölkerung zu spalten scheint, sollten wir uns erneut vor Augen führen, was dieses Land seit dem zweiten Weltkrieg alles geschafft hat, was es aufgearbeitet und aufgebaut hat. Wir müssen die Vorzüge, die Deutschland bietet (ich meine Dinge wie Krankenversicherungen, Arbeitsverträge, Arbeitslosengeld etc.) wieder schätzen lernen, anstatt sie wegen kleiner Schwäche tot zu diskutieren. Wir haben sie und die Amerikaner haben sie nicht! Wir haben dadurch, wie ich finde, ein bisschen mehr Lebensqualität, da unser Leben in dieser Hinsicht gesicherter ist als das Leben vieler US-Amerikaner.

In den letzten Wochen bin viel unterwegs gewesen und habe viel erledigt. In Zügen habe ich immer Zeit, nachzudenken und den Gedanken nachzuhängen. Ich kann abschalten und rekapitulieren. Ich bin froh wieder in Deutschland zu sein, bin mir aber sicher, dass ich aus dem Jahr in den USA viel mitgenommen habe. Es war nicht das Jahr meines Lebens und trotzdem war es ein Jahr, das mir viel mit auf den Lebensweg gegeben hat. Ein Jahr, von dem ich noch lange zehren werde:
Die Jobsuche in den USA hat mich vorbereitet auf die Jobsuche in Deutschland, weil es härter war als hier. Die Arbeit bei „stitch it!“ hat mir gezeigt, dass ich am Theater richtig aufgehoben bin. Die Mentalität, die ich dort kennengelernt habe, hat mich mehr für andere Kulturen geöffnet, besonders aber für meine eigene.

Minnesota, Minnesota (im Itasca State Park wo die Quelle des Mississippi liegt)

Für mich geht es jetzt in Paderborn weiter. Ich werde dort in der Schneiderei des Theaters arbeiten und wieder genau das tun, was ich in meiner Ausbildung gelernt und geliebt habe. Ich wer das letzte Jahr mitnehmen und meine Erfahrungen teilen!

See you soon
Eure Clara

 

Last greetings…

Die letzte Woche meines Auslandspraktikums ist nun vorbei und die Zeit verging wie im Flug. Nach 3 Wochen in Portsmouth bin ich wieder zurück in der Heimat. Oft denke ich an die schöne Zeit zurück, wobei ein bisschen Fernweh aufkommt. Es war toll, nach der Arbeit an den Stand zu fahren und den Sonnenuntergang zu genießen.

Wochenende

Das Wetter war jedes Wochenende fantastisch, wodurch sich die Wochenenden wie Urlaub angefühlt haben. Ich war oft am Stand und habe den Ausblick auf das Meer genossen oder bin zusammen mit anderen Auslandspraktikanten oder Kollegen an der Standpromenade entlang gelaufen. Mir hat das Viertel Southsea sehr gefallen, was direkt an der Küste liegt. Man kann dort nicht nur gut einkaufen gehen, es gibt auch tolle Restaurants, Cafés und Bars. Am Wochenende befindet sich dort ein Markt und ein kostenloses Live Musik Event am Strand vor dem Southsea Castle.

Southsea Castle Lighthouse

Business

Meine Arbeit war nach wie vor interessant. Ich habe weiter an der Vorbereitung für die anstehenden Messen gearbeitet. Es mussten verschiedene Bestellungen für Messestand Equipment vorgenommen werden und älteres Equipment auf Funktionalität geprüft werden. Des Weiteren habe ich Materialien für die Messe wie Broschüren, Flyer oder Werbegeschenke zusammengesucht. Um alle auf den aktuellen Stand zu bringen und zu besprechen, welche Aufgaben noch erledigt werden müssen, hatten wir regelmäßig Meetings.

Auch die Arbeit im Kundenbeziehungsmanagementsystem SugarCRM war sehr interessant, da ich noch nie zuvor mit dieser Software gearbeitet hatte. Grundsätzlich ist sie ähnlich aufgebaut wie das System SAP, was ich bei der Arbeit in Deutschland benutze. Im Gegensatz zu SAP, welches man zur Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse eines Unternehmens wie Buchführung, Einkauf, Verkauf, Produktion und Lager verwenden kann, ist dieses System auf den Kundenkontakt spezialisiert. Man bekommt einen guten Überblick über die Kunden, ihre Standorte und den Interaktionen mit ihnen wie zum Beispiel Telefonate, Mails, Musteranfragen und Downloads von technischen Zeichnungen.

Kundenbeziehungsmanagementsystem SugarCRM

Ich habe mich sehr an die Software Trello gewöhnt. Jeden Morgen öffne ich zuerst Trello, um einen Überblick über meine Aufgaben für den Tag zu bekommen. Trello ist eine web-basierte Projektmanagementsoftware, auf der in sogenannten Boards Karteikarten angelegt werden können. Die Karten können beliebig bearbeitet werden und mit Checklisten, Anhängen sowie einer Deadline versehen werden. Sie können in Kategorien eingeteilt werden wie „Priorität“, „Warten auf Antwort“, „In Bearbeitung“ oder „Abgeschlossen“, welche sich jeweils farblich unterscheiden. Durch die farblichen Markierungen sieht man auf einen Blick, welche Aufgaben Vorrang haben. Ich finde Trello sehr übersichtlich und hilfreich, wenn man an vielen unterschiedlichen Projekten und Messen arbeitet.

Projektmanagementsoftware Trello

Hin und wieder habe ich kleinere Aufgaben übernommen. Harwin hatte Schilder benötig, um das Grundstück als Eigentum zu kennzeichnen. Dafür habe ich mitgeholfen ein Schild zu entwerfen und einer Schilddruckerei eine Anfrage mit den Details geschrieben. Nachdem ich die Antwort der Druckerei erhalten habe, haben wir die Schriftart, Größe und den Preis vereinbart.

Die Firma Harwin PLC

Die Verständigung mit Lieferanten fällt mir immer leichter, da ich täglich mehrere Anfragen und Bestellungen schreibe. Auch meine sprachlichen Kompetenzen haben sich verbessert, da ich die mündliche Kommunikation im täglichen Arbeitsleben trainiert habe und an einigen Meetings teilnehmen durfte.

Ich werde die netten Kollegen und die abwechslungsreichen Aufgaben sehr vermissen und bin froh, dass ich mein Auslandspraktikum dort absolvieren durfte. Die Zeit wird mir immer in guter Erinnerung bleiben.

Dresscode

Der Kleidungsstil unterscheidet sich in England von Firma zu Firma sehr stark. In manchen Firmen sind die Leute locker gekleidet, wie man sich in der Freizeit anziehen würde. Bei mir in der Firma gilt „Smart Casual”. Niemand trägt Jeans an der Arbeit. Männer tragen Anzüge mit Krawatten und Frauen tragen Stoffhosen oder Röcke und Blusen in Kombination mit einem Blazer.

Nicht nur in den Firmen unterscheiden sich die Outfits sehr stark. Auch auf der Straße sind die Leute recht gegensätzlich angezogen. Gerade wenn es ein bisschen wärmer ist, sind einige Leute sehr leicht bekleidet, wobei andere Winterjacken und Stiefel tragen. Auch das generelle Erscheinungsbild und die Gepflegtheit der Menschen weicht stark voneinander ab.

Ceremony of achievement

An meinem letzten Tag in England wurde ich von der Vermittlungsagentur zu einer Abschiedsfeier eingeladen. Einige andere Auslandspraktikanten hatten ebenfalls ihren letzten Tag. Wir beglückwünscht und bekamen ein Zertifikat.

Work Experience Certificate

 

Abreise – Glück im Unglück

Ich war vor meiner Abreise sehr nervös, da die Anreise nicht ganz reibungslos verlief. Vormittags bestellt ich mir ein Taxi, was mich mit meinem großen blauen Koffer zu der Bushaltestation brachte. Der Bus kam mit etwa 30 Minuten Verspätung an. Auf der vierstündigen Fahrt nach London Heathrow erfuhr ich, dass mein Flug annulliert wurde. Das hielt ich erst für einen technischen Fehler in der App des Flugunternehmens, was sich allerdings als traurige Realität herausgestellte. Sofort rief ich bei der Fluggesellschaft an, wo ich nach 20 minütlichem Warten in der Schleife einen Mitarbeiter erreichte. Dieser bot mir einen früheren Alternativflug an, da kein späteres Flugzeug an diesem Tag mehr flog. Aufgrund meines verspäteten Busses hatte ich nahezu keine Chance mehr, rechtzeitig mein Gepäck aufzugeben. Ich erklärte dem Busfahrer meine unangenehme Situation. Da er sich daraufhin sehr beeilte, kam ich zwei Minuten vor Schließung der Gepäckabgabe an der Central Bus Station im Flughafen an.

Mit einer Verspätung von 10 Minuten erreichte ich den Check-In Schalter, der bereits geschlossen war. Ich ging zu ein paar Mitarbeitern, die damit beschäftigt waren Kinderwagen und Rollstühle transportfertig zu machen. Nachdem ich ihnen meine Lage erklärte, nahmen sie glücklicherweise meinen Koffer noch an. Nach den Sicherheitskontrollen suchte ich auf der Anzeigetafel mein Gate, da das Boarding in fünf Minuten beginnen sollte. Dort war lediglich der Hinweis, dass dieses bald angezeigt werden würde. Nach 20 minütigen Warten hatte ich bereits die Befürchtung, dass dieser Flug vielleicht auch abgesagt wird. Zu meiner Erleichterung wurde kurze Zeit später das Gate angezeigt und ich konnte das Flugzeug betreten.

Wir flogen mit einer Verspätung von über 60 Minuten in Richtung Frankfurt, wo mich ein starkes Gewitter erwartete. Nach einer etwas wackeligen Landung bin ich heil in Deutschland wieder angekommen. Ich war froh, als ich endlich meinen Koffer hatte und am Flughafen abgeholt wurde. Dennoch werde ich die Zeit dort ein wenig vermissen, da ich viele Leute kennen gelernt habe und mir die Arbeit auch großen Spaß gemacht hat.

Ankunft in Deutschland

Erfahrungen

Ich konnte viele neue Eindrücke und Erfahrungen in Portsmouth sammeln. Es ist wirklich eine Herausforderung, so ein Praktikum ganz ohne Gruppe zu machen. Bei Problemen muss man sich selbst zu helfen wissen oder Fremde um Hilfe bitten. Das gewohnte Umfeld zu verlassen und sich in ein kleines Abenteuer zu stürzen kostet Überwindung, aber es lohnt sich. Meiner Meinung nach sollte jeder, der die Möglichkeit dazu hat, einmal im Ausland arbeiten.

Ein Dankeschön gilt der Firma Harwin, der Handwerkskammer Kassel, den Bildungswerken der Hessischen Wirtschaft e. V. und meinem Arbeitgeber, der Dr. Schumacher GmbH, die mir das Auslandspraktikum ermöglicht und mich unterstützt haben!

Thank you very much and many greetings,

Sabrina

Hello again!

Meine zweite Arbeitswoche in Portsmouth ist nun vorbei und sie begann mit einem Feiertag, dem Spring Bank Holiday. Er ist einer von drei zusammenhängenden Bankfeiertagen in Großbritannien und Irland und wird jedes Jahr am letzten Montag im Mai gefeiert. Da ich nicht zur Arbeit musste, fuhr ich zusammen mit ein paar anderen Auslandspraktikanten nach Bournemouth, um das schöne Wetter am Meer zu genießen.

Strand in Bournemouth

 

Wetter

Das Wetter ist mittlerweile sehr schön, wenn auch wechselhaft, wie man es von England kennt. Wettervorhersagedienste scheitern hier komplett. Portsmouth hat ein ganz eigenes Klima, wie es auf Inseln typisch ist. Es kann morgens bei 10 Grad regnen und trotzdem nachmittags  28 Grad mit strahlendem Sonnenschein sein. Manchmal fängt es auch an einem schönen Tag plötzlich für 15 Minuten an stark zu Regnen, daher sollte man immer einen Regenschirm dabei haben.

Sonnenuntergang am Hafen

 

Routine

An jedem Arbeitstag gehe ich ca. um 7 Uhr aus dem Haus und laufe zur Bushaltestation, an der dieselben Leute wie jeden Tag mit mir warten. Nach fast 40 Minuten hat sich der Bus endlich durch das Verkehrschaos am Morgen gequält. Ich steige aus und laufe das letzte Stück zur Arbeit. Angekommen öffne ich mithilfe meines Firmenausweises ein Tor und gehe zu meinem Arbeitsplatz. Meine Aufgaben sind in einem Projektmanagementsystem eingepflegt. Um 12:15 Uhr ist Mittagspause. Ich gehe mit ein paar anderen Kollegen in das gegenüberliegende Gebäude, in dem sich der Pausenraum befindet. Nach 30 Minuten Lunch gehen wir zurück an unsere Plätze. Hin und wieder stehen nachmittags Besprechungen an. Um 16:30 Uhr ist Feierabend. Oft kaufe ich noch bei Sainsbury’s ein. Sainsbury’s ist ein Supermarkt, der der Größe amerikanischer Supermärkte sehr nahe kommt. Mit dem Bus fahre ich anschließend in meinen Wohnbezirk zurück. Gegen Abend gibt es bei meiner Gastmutter Dinner. Nach dem Abendessen treffe ich mich noch gerne mit anderen Auslandspraktikanten, um sich auszutauschen und die Stadt zusammen zu erkunden.

Busstaion & Clarence Pier

 

Shoppingmeile

Gunwharf Quays ist ein großes Outlet Center, was sich direkt neben dem Hafen befindet. Man findet hier unter anderem Michael Kors, Karl Lagerfeld, Nike, Adidas, Swarovski, Fossil, The Body Shop und viele weitere Marken, die ihre Produkte um bis zu 50 % reduzieren. Von günstig kann man hier selbstverständlich nicht sprechen, da es sich meistens eher um teure Marken handelt. So kostet eine reduzierte Michael Kors Tasche „nur noch” £200 statt £350. In der näheren Umgebung gibt auch einige Bars und Restaurants. Gerade am Wochenende ist es schön, ein wenig Abwechslung von der Arbeit zu haben und mit anderen Auslandspraktikanten dort gemeinsam einkaufen oder essen zu gehen.

Gunwarf Quais

 

Arbeit

Ich bin sehr froh, dass ich bei Harwin verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen kann. In den letzten Tagen habe ich unter anderem bei den Vorbereitungen für verschiedene Messen mitgeholfen. Es mussten Anmeldungen auf den Webseiten der Messen vorgenommen werden, Flüge gebucht, Autos gemietet, Zugverbindungen vom Flughafen zum Hotel gefunden und Taxifahren geplant werden, um einen reibungslosen Ablauf der Anreise, Messe und Rückreise für die Kollegen zu erstellen. Neben der Reiseplanung war auch die Erstellung von Guidelines meine Aufgabe. Dabei geht es um ein Dokument, was das Datum der Messe und die Besuchs- und Aufbauzeiten enthält, sowie die teilnehmenden Kollegen mit ihren Verantwortungsbereichen und allgemeine Regeln wie der Dresscode. Wir hatten zwischendurch Meetings, in denen wir den Ablauf und sonstige Dinge besprochen haben.

Bei einer Messe soll eine Drohne verlost werden. Meine Aufgabe bestand darin eine passende Drohne auszusuchen. Ich schaute nach Produktrezessionen und dem Aussehen, da sie den “Wow-Effekt” haben sollte, um das Interesse der Besucher zu wecken. Nach dem Vergleich einiger Drohnen habe ich eine Liste mit meinen 3 Favoriten an meine Tutorin geschickt.

Zwischendurch bekomme ich Reading Material zugesandt. In den Artikel geht es beispielsweise darum, wie man einen Business Social Media Post gestalten sollte oder eine gute Präsentation hält. Ein anderer Artikel handelte von der Anatomie einer Email und in welchem Rhythmus man automatisierte Mails schicken sollte. Es wird immer leichter für mich, auch wirtschaftliche Artikel auf Englisch zu lesen und zu verstehen.

Da es oft passiert, dass Kunden im System doppelt angelegt werden, habe ich die Aufgabe bekommen, diese zusammen zu führen. Ich bekam die Login Daten für das System und habe mithilfe einer Excel Liste die doppelt angelegten Kunden gesucht und die Kontakte miteinander verknüpft. Bei Abweichungen in der Anschrift oder der Branche suchte ich im Internet nach den korrekten Daten und habe sie in den Stammdaten eingepflegt.

Ich freue mich, so abwechslungsreiche und ansprechende Aufgaben machen zu dürfen und bin auf meine letzte Arbeitswoche gespannt.

Kind regards,

Sabrina

Many greetings from Portsmouth!

Hallo,

ich heiße Sabrina, komme aus Melsungen und mache derzeit ein 3-wöchiges Praktikum in Portsmouth.

Anreise

Meine Anreise verlief nicht ganz nach Plan: von Frankfurt aus startete mein Flugzeug nach London Heathrow, wo ich mich aufgrund meines verspäteten Fluges sehr beeilen musste, rechtzeitig meinen Bus für die Weiterfahrt zu erreichen. Als ich bei der Central Bus Station ankam, erfuhr ich, dass dieser ausfiel. Ich konnte mit einem Ersatzbus quer durch London zur Victoria Coach Station fahren und bin dort in den Bus nach Portsmouth umgestiegen.

Busfahrt durch London

Nach 2 Stunden Flug und fast 4 Stunden Fahrt hatte ich endlich meinen Zielort am Hafen von Portsmouth erreicht.

Erste Eindrücke in Portsmouth

Eine Frau von der Vermittlungsagentur holte mich dort ab, gab mir ein paar Unterlagen und brachte mich zum Taxi. Nach einer kurzen Fahrt lernte ich meine Gastmutter kennen, die mir das Haus und mein Zimmer zeigte.

Am nächsten Tag fanden eine Einführungsveranstaltung bei der Vermittlungsagentur und eine Stadttour statt. Eine Schulklasse aus Belgien nahm zusammen mit mir daran teil. Hierbei konnte ich erste Kontakte knüpfen und mich mit vielen Personen unterhalten. Nach der Tour fuhr ich mit dem Bus zu meiner Unterkunft zurück, da es unerwartet angefangen hatte zu regnen.

Stadttour mit der belgischen Schulklasse

   

  1. Tag an der Arbeit

Gestern hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Meine Arbeitszeiten sind von Montag bis Freitag, 8-16:30 Uhr inklusive 30 min Pause. Ich wurde von der Vermittlungsagentur abgeholt und zu meinem Arbeitsplatz gebracht. Dort erwartete mich Emma, meine Tutorin. Sie zeigte mir meinen Arbeitsplatz im Marketing, stellte mich meinen Kollegen vor und führte mich durch die Firma.

Mein Arbeitsplatz für die nächsten 3 Wochen

 

Harwin Plc ist ein Industrieunternehmen mit über 100 Mitarbeitern, das sich auf Platinen, Steckverbindungen und weitere Hardware spezialisiert hat. Nach der Werksrundführung hatten wir eine Telefonkonferenz, um die Aufgaben für die nächsten Wochen abzustimmen und diese zu priorisieren. Es war für mich ein wenig schwierig, den Gesprächen zu folgen, da die Aussprache durch das Telefon nicht so deutlich war und ich bisher noch nicht wusste, wofür die anderen Personen der Abteilung verantwortlich waren. Zurück an meinem Arbeitsplatz bekam ich meine ersten Aufgaben. Mithilfe von einem Projektmanagementsystem werden mir Aufgaben zugeordnet, die in den Karteikarten des Systems kurz erläutert werden.

Harwin Plc

 

Meine erste Aufgabe, die ich ab jetzt für die nächsten 3 Wochen jeden Morgen machen werde, ist das Auswerten von Online-Kundenberatung. Die Kunden von Harwin können über die Homepage einen Live-Chat mit den Kundenberatern führen. Dieser Chat wird aufgezeichnet und die Kunden haben die Möglichkeit, eine Bewertung und ein Kommentar zu schreiben, ob sie mit der Beratung zufrieden waren. Die Informationen sind in einem Formular gebündelt und kommen bei mir als Mail an. Ich übertrage die Informationen in eine Excel Liste, um spätere Auswertungen zu ermöglichen.

Nachdem ich damit fertig war, bekam ich die Aufgabe, Fußball Trikots, Hosen und Socken für die Fußballmannschaft von Harwin Plc zu bestellen sowie eine Nachbestellung von Krawatten vorzunehmen.

Meine letzte Aufgabe des Tages war das Testen der Webseite, ein sogenannter Usability-Test. Ich bekam verschiedene Ziele z. B. das Herunterladen einer technischen Zeichnung eines Produktes, die ich unter Dokumentation der Dauer und wie viele Maus-Klicks dafür benötigt werden ausführte. Die Ergebnisse verglich ich mit Webseiten ähnlicher Anbieter, um zu sehen, ob und wo Verbesserungspotential bei der eigenen Webseite besteht.

Bus fahren und Linksverkehr

Nach Feierabend war ich noch kurz einkaufen und bin dann mit dem Bus zu meinem Gasthaus zurück gefahren. Wenn man hier in Portsmouth die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt, ist es wichtig zu wissen, dass man die Hand rausstrecken muss, damit der Bus anhält. Die Buskarte ist eine elektronische Chipkarte, die man kontaktlos über einen Scanner hält, der danach grün aufleuchtet. Man bedankt sich beim Einsteigen immer bei dem Busfahrer und verabschiedet ihn beim Verlassen des Busses. Nach dem Aussteigen schaut man zum Überqueren der Straße erst nach rechts, statt nach links, da die Autos in England auf der anderen Seite fahren.

  1. Tag an der Arbeit

Heute hatte ich meinen zweiten Arbeitstag. Ich begann wieder mit dem Auswerten der Online-Beratung. Im Anschluss bekam ich die Aufgabe, Videolayouts auf verschiedenen Webseiten zu vergleichen. Auf der Webseite von Harwin Plc gibt es viele Videos über Produkte und Messen zum Informieren der Kunden. Hier im Marketing wird sehr darauf geachtet, dass der Kunde schnell und ohne Umstände an die nötigen Produktinformationen gelangt.

Kunden möchten oftmals Muster der Platinen oder Steckverbindungen haben, um zu überprüfen, ob sie kompatibel sind. Ein Kunde aus Frankreich hatte eine bestimmte Platine angefordert, die ich im Lager mit Emma abgeholt habe und zusammen mit einem Anschreiben anschließend in den Versand in einem anderen Gebäude gebracht habe.

Produkte von Harwin Plc

 

In der nächsten Zeit stehen ein paar Messen an. Für eine Messe habe ich eine Anfrage zum Ausleihen von iPads geschrieben und für eine andere habe ich zwei Mitarbeiter im Online Formular der Messe angemeldet. Danach habe ich ein Hotelzimmer in München für einen Kollegen gebucht.

Die letzte Aufgabe des zweiten Tages bestand darin, einige Excel Listen mit Kundenadressen zu kontrollieren. Um Duplikationen zu vermeiden, habe ich die doppelt aufgleisten Kunden farblich markiert und die Richtige der Adressen kursiv gemacht. Die doppelten Adressen werden anschließend in einer weiteren Liste zusammengeführt, die eine Kollegin weiter bearbeiten wird.

Englische Tastatur

Die englische Tastatur ist für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Es gibt kein ä, ö, ü und ß. Da ich die meiste Zeit an der Arbeit nur auf Englisch schreibe, bemerke ich den Unterschied kaum. Ich vertippe mich aber hin und wieder bei „you”, da die Buchstaben y und z verdreht sind. Es gibt auch kein Anführungszeichen unten, da es im Englischen nicht gebraucht wird und auch das Fragezeichen, Bindestrich, At-Zeichen und Slash sind anders angeordnet.

Smalltalk

Engländer lieben Smalltalk. Ob bei der Stadttour, morgens im Bus oder an der Arbeit bei Telefonkonferenzen und  beim Treffen von anderen Kollegen. Man redet über das Wetter, das Essen, Nachrichten und was man am Wochenende macht.

Ich freue mich auf die nächsten Tage und bin gespannt, was für Herausforderungen und neue Eindrücke mir begegnen werden.

Best regards,

Sabrina

 

 

Klugherz Höschen Mecklenburg

Es gibt die unterschiedlichsten Menschen und Namen dazu und seitdem ich hier in St. Cloud arbeite lerne ich viele davon für einen kurzen Moment kennen. Es ist immer angenehm mit Kunden ein wenig Smalltalk zu machen und weil die Region um St. Cloud etwas deutsch geprägt ist finde ich auch meistens schnell einen Aufhänger. Viele Deutsche Auswanderer sind unter anderem in Minnesota gestrandet, dadurch sehe ich während der Arbeit viele deutsche Nachnamen.

Der Laden in dem ich arbeite

Mir macht es immer Spaß die Kunden zu fragen, wie sie ihren Nachnamen aussprechen. In der Regel fangen die meisten an zu lächeln, nennen mir ihren Namen und fügen dann hinzu, dass es eigentlich ein deutscher Name sei, der an das englische angepasst wurde und dass die Oma ihn noch anders ausgesprochen hat.

Mit den Münzen der amerikanischen Währung habe ich nach wie vor noch meine Probleme. Hier gibt es die riesengroße fünfundzwanzig-Cent-Münze, eine zehn-Cent-Münze, die kleiner ist als die fünf-Cent-Münze und einen ein-Dollar-Schein. Ich entschuldigte mich also neulich bei einer Kundin, als ich etwas länger brauchte um das Wechselgeld herauszusuchen. Offenbar erinnerte sie sich, dass ich die deutsche Mitarbeiterin bin und erzählte mir, dass sie das mit den Münzen verstehe. Sie selbst war neulich erst in Italien und ganz aufgeschmissen mit unserem Euro, auch wenn diese Münzen mehr Sinn machen würden.

Diese Unterhaltung hatte eine andere Kundin mitbekommen und erzählte mir sogleich, dass ihre Mutter 1952 aus Deutschland in die USA gekommen ist. Ihr Vater kam ursprünglich aus der Ukraine, musste aber nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland fliehen, wo er ihre Mutter kennenlernte. Wir kamen durch ihren Namen auf den ihres Bruders und auf meinen Namen zu sprechen, besonders auf meinen Nachnamen (der hier erschreckend wenigen etwas sagt): Merkel.

Als die Kundin das hörte erklärte sie mir, wie unverantwortlich es sei, seine Ländergrenzen nicht zu verteidigen, jeden einfach aufzunehmen und dann noch nicht einmal zu kontrollieren wer das eigentlich sei. Sie hätte ja bei den letzten Wahlen Trump gewählt, ich solle sie jetzt aber nicht falsch verstehen: Sie mag ihren mexikanischen Schwiegersohn sehr, aber der ist auch auf dem richtigen Weg in die Staaten gekommen und lebt nicht seine Kultur aus, sondern passt sich an.

Ich hätte gerne mit ihr diskutiert, weil es für mich nach einem Widerspruch in sich klang, aber ich habe hier in den USA schnell gelernt, dass man mit solchen Menschen nicht diskutiert und ich hatte genug Arbeit auf der Kleiderstange hängen, die nur darauf wartete erledigt zu werden. Für mich war es eine interessante Erfahrung, gerade weil ich immer noch überrascht bin, wenn Gespräche diese Wendung nehmen.

Auch mein Akzent lässt viele nachfragen, woher ich komme. Am Anfang habe ich auf diese Frage immer direkt mit: „Aus Deutschland!“ geantwortet. Oft wurde daraufhin mit einem überlegenen: „Achja, dass hätte ich gleich sagen können!!“ reagiert. (Warum wurde ich dann nochmal nach meiner Herkunft gefragt?) Mittlerweile antworte ich immer mit der Gegenfrage, was sie denn denken. Laut einiger Kunden komme ich aus England oder Australien. Eine Kundin, die mit ihrem erwachsenen Sohn bei uns im Laden war, tippte auf Israel. An die beiden erinnere ich mich noch gut, weil sich ein angenehmes Gespräch entwickelte. Ich erwähnte also, dass ich aus Deutschland komme, als ihr Sohn auch schon anfing mit mir auf Deutsch zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er über ein Programm, während des Studiums ein Praktikum im deutschen Bundestag gemacht hat und im Rahmen dessen Deutsch gelernt hat. Sogar mein Programm, das PPP, war ihm ein Begriff. Besonders angenehm blieb mir in Erinnerung, dass er mich während des ganzen Gesprächs mit dem SIE ansprach und nicht nach meinem Vor- sondern Nachnamen fragte, den er dann auch verwendete um sich mit mir zu unterhalten. Etwas sehr außergewöhnliches hier in den USA.

Eine andere Begegnung habe ich auch noch sehr gut im Kopf, weil sie natürlich mit Deutschland, um genau zu sein mit dem Mauerfall zu tun hat. (Für mich als kleiner Geschichtsfan ein besonderer Moment, weil seit langem Geschichte wieder lebendig wurde.)

Der Kunde brachte seine Uniform zu uns um ein neues Abzeichen aufnähen zu lassen. Aus Neugierde fragte ich nach wozu er gehöre: Army, Marines oder Air Force und ein Gespräch entspann sich. Er erzählte mir, dass er Ender der 80er in Deutschland stationiert war. Genau an dem Tag an dem die Mauer fiel, war er allerdings mit ein paar anderen Amerikanern in Ostberlin. Als die Neuigkeiten bei ihnen ankamen, versuchten sie so schnell wie möglich zurück zum Checkpoint Charlie zu kommen. Sie waren nicht sicher, was genau los war und ob sie noch in den Westen gelassen würden, oder nicht.

Ich bekomme bei meiner Arbeit also die ein oder andere Geschichte zu hören, sowie witzige Versionen von den Namen KLUGHERZ, HÖSCHEN, ZWILLING und MECKLENBURG. Auch wenn es manchmal komisch ist, weil jemand einfach seine Meinung raushaut und los redet, weil er einfach mal wieder jemandem zum Reden braucht, in der Regel freue ich mich über die Offenheit zum Smalltalken, die mir hier entgegengebracht wird und die ich in Deutschland manchmal vermisst habe.
Und es macht das Arbeiten um so viel angenehmer.

See you soon,
Eure Clara

Verspätete Ostergrüße aus Florida

All good things come to an end – even in Iceland

Vier Wochen sind nun vergangen, seitdem ich in Island angekommen bin und heute Nacht geht es auf zum Flughafen und damit zurück nach Deutschland. In dieser allzu kurzen Zeit habe ich dennoch viel an Erfahrung sammeln können – sowohl kulturell, als auch fachlich. Aber alles der Reihe nach.

Die dritte Woche durfte ich einen jungen Kollegen begleiten, der erst vor kurzem anfing in der Firma zu arbeiten. Wir wurden von einem dritten Mitarbeiter in ein Objekt eingewiesen und führten dort eine manuelle Abtauung eines Tiefkühlers durch. Die Ursache für diese Vereisung war auch nicht zu übersehen, die Kühltheke war einfach überladen, so dass es zu einem Luftstau kam und der Verdampfer einfach immer weiter abkühlte.

Kurz den Betreiber auf die Problematik hingewiesen und es ging zurück in die Werkstatt. Dort warteten (für meine Verhältnisse) große Kältemitteltanks auf uns, die umgerüstet werden sollten um ein Ammoniaksystem eines Schiffes leeren zu können. Hierzu wurden die Tanks geleert und anschließend die kupferhaltigen Messingventile gegen solche aus Edelstahl getauscht, da Ammoniak erstere schnell korrodieren lässt. Aus den anfangs drei Fässern, die sich schon in der Werkstatt befanden, gesellten sich bald noch acht weitere und somit wurde daraus eine mehrtägige Aktion. Zuerst wurde überprüft, ob sich noch Kältemittel in den Tanks befand und falls ja, ob vielleicht auch noch Öl-Reste vorhanden waren, die gesondert entsorgt werden mussten. War das erledigt, wurde das Kältemittel einfach so abgelassen – was in Deutschland und der EU soweit ich weiß als Straftat geahndet wird, nur ist Island eben kein Mitglied der EU. Folgend wurden die Ventile ersetzt.

Leer wogen diese Tanks um die 500-700kg und konnten bis zu 500l Ammoniak aufnehmen
Die alten Messingventile…
…und die neuen Edelstahlventile

Zuletzt wurde, um sicher zu stellen, dass die neuen Ventile auch dicht sind, eine Druckprobe mit 7 bar Überdruck durchgeführt und eventuelle Leckagen mit Lecksuchspray (eine Art Seifenspray, das Blasen wirft, sobald unter der Oberfläche Gase austreten) gesucht. War dieser Test bestanden wurde die Luft abgelassen und eine Vakuumpumpe angeschlossen um das Innere der Behälter von sämtlichen Gasen zu befreien. Die Pumpen wurden zum Teil über Nacht laufen gelassen und am nächsten Morgen, ehe sie erneut zum Einsatz kamen wurde ein Ölwechsel durchgeführt, damit die volle Leistung gewährleistet werden konnte.

Die Druckprobe

Zuletzt wurden die Tanks mit einer Spraydose gekennzeichnet, damit klar war, womit sie gefüllt sein würden und anschließend auf einen LKW verladen um sie in den Hafen zu bringen.

R717 ist die Kältemittelbezeichnung für Ammoniak
Selbst der Gabelstapler musste mit

Nach 2 Tagen war alles erledigt. Am Mittwoch wurden zuerst Türanschläge mehrerer Tiefkühlräume getauscht und direkt danach der 6-monatige Service an der Kälteanlage einer Supermarktkette durchgeführt. Hier hat beim Überprüfen des Hochdruckwächters das Abblasventil am Sammler ausgelöst, bevor dies der Wächter tat. Der Verdacht lag nahe, dass dieser verstellt war, da die Abdeckung fehlte, dies war allerdings nicht der Fall und das Gerät musste getauscht werden. Außerdem waren die Leitungen einer anderen Anlage zu den Schaltern sehr abgenutzt und wurden getauscht und dabei so verlegt, dass sie sich nicht wieder aufreiben können.

Der neue Druckschalter
Die neuen Leitungen (schwarz)

Damit war die Arbeitswoche auch schon zu Ende, da in Island der Gründonnerstag ebenfalls zu den Osterfeiertagen zählt. Damit erwarteten mich 5 freie Tage, in denen ich den Süd-Westen Islands erkunden konnte. Hierzu möchte ich einfach ein paar Bilder sprechen lassen, da sich dieses absurd Schöne schlecht in Worte fassen lässt.

Schnell waren die freien Tage verflogen und die letzten 4 Tage Arbeit riefen.
Wegen des Ausfalls eines Getränkekühlers in einem Supermarkt war schnell klar, dass etwas mit dem Verdichter nicht stimmte. Er lief nicht an. Anhand der Stromaufnahme konnte schnell ermittelt werden, dass der Motor blockiert. Dank der großen Lagerfläche der Firma war schnell Ersatz gefunden und zwar sogar ein baugleicher gebrauchter Verdichter. Dieser wurde abgeholt und die Zylinderköpfe abgenommen um den Zustand der Zylinderplatten des Austauschkompressors zu überprüfen. Anschließend wurden die Verdichter ausgetauscht und ein Ölwechsel am „neuen“ Verdichter vorgenommen. Danach wurde er angeschlossen und Vakuum gezogen, um die Fremdgase (Luft) aus dem inneren des Motors und des Verdichters zu bekommen. Nach einem kurzen Probelauf war sofort klar, dass auch Kältemittel im System fehlte und beim Inspezieren des alten Geräts wurde schnell klar, wie es dazu kommen konnte. Der Verdichter hatte nämlich keinen Tropfen Öl mehr, demnach musste es eine größere Undichte im System gegeben haben. Diese wurde am Tag darauf gesucht und schnell gefunden, da sich schon wieder etwas Öl am Boden gesammelt hatte. Die Stopfbuchse des Absperrventils auf der Saugseite war lose. Es wurde nochmals ein Ölwechsel durchgeführt und mit dem Feinlecksuchgerät nach weiteren Undichten gesucht. Erfolglos, also waren wir erfolgreich. Zu guter Letzt haben wir noch die beschädigten Vibrationsdämpfer getauscht.

Zum Glück war genügen Platz im Keller

Das neue Öl war nach einem Tag schon nicht mehr klar
Der alte Vibrationsdämpfer hatte den Geist aufgegeben

Zuletzt wurde an diesem Tag noch der 6-monatige Service für einen Supermarkt durchgeführt. Dies hieß abermal: Die Anlage vermessen und das Prüfprotokoll ausfüllen und dabei weiter zu versuchen nichts zu verwechseln, weil man die Wörter nicht wirklich kennt.

Das Prüfprotokoll auf Isländisch
Zu zweit geht das Vermessen der Anlagen gleich doppelt so schnell

Am Donnerstag war dann ein reiner Servicetag für zwei Fischereien, zwei Supermärkte, sowie den Kühlraum am Flughafen Reykjavík – ein kleiner Flughafen am Rand der Stadt an dem Inlandsflüge angeboten werden.

Am Freitag wurde es dann noch einmal spannend. Arbeiten an einem Transkritischen CO2-Anlage bei einem Großhändler. Insgesamt 21 Verdichter arbeiteten hier sowohl für die Kühl- und Tiefkühltheken als auch für die Raumkühlung im Laden. Mein Kollege erklärte mir den Aufbau und die Funktion der Anlage ausführlich, während wir Kältemittel (also CO2) nachfüllten, was letztendlich den ganzen Tag dauerte. Aber umso mehr Zeit war um sich mit der Anlage zu befassen.
Zurück in der Firma verabschiedete ich mich von meinen Kollegen und realisierte dabei, dass die 4 Wochen jetzt wirklich vorbei sind. Es war eine wundervolle Erfahrung, extrem nette Arbeitskollegen, eine unglaublich schöne Natur, interessante Kultur und nicht zuletzt ungemein lehrreich!

Island, ich werde definitiv zurückkommen!

Ein letztes Mal…

Hallo,
diesmal aus Deutschland,

wir wurden heute morgen um 6:30 Uhr am Appartement abgeholt und von einem Taxi zum Flughafen gebracht. Dort merkten wir, dass nicht nur die maltesischen Busse die Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Mit einer halben Stunde Verspätung startete unser Flugzeug in Richtung Heimat. Nach einem angenehmen Flug sind wir um 11:30 Uhr in München gelandet.

In unserer letzten Woche haben wir noch einiges erlebt.
Am Karfreitag sind wir mit der Fähre auf die (fast) unbewohnte Insel Comino gefahren, die nur drei Einwohner hat. Dort sahen wir uns die Blaue Lagune an und trauten uns sogar, kurz ins 15 Grad kalte Wasser zu hüpfen.

Blaue Lagune
Ausblick von Comino auf das Meer

Zurück in Rabat empfing uns eine traurige Stimmung. Die Einwohner hatten sich im Zentrum Rabats versammelt, waren schwarz gekleidet, kaum einer redete und gelacht wurde auch nicht. Alle verfolgten den Karfreitagsumzug, der sogar von Fernsehkameras begleitet wurde. Für uns wirkte dies eher befremdlich.

Für den Ostersonntag hatte George uns einen Trip nach Gozo gebucht. Auf der Insel erwartete uns ein Taxifahrer, der uns zu den schönsten und interessantesten Orten von Gozo brachte. So erklärte er uns, wie beispielsweise das Meersalz gewonnen wird und zeigte uns die Salzgärten.

Die Salzgärten sind links unten zu sehen.

Außerdem sahen wir uns die Überreste des Azure Window an, das letztes Jahr leider bei einem Sturm einstürzte. Dabei wurden wir von einer Welle überrascht und dementsprechend nass. ?

Bei der Ramla Bay schauten wir uns die Kunst des Kitesurfings an und genossen die Aussicht.

Ramla Bay

Anders als in Deutschland, ist der Ostermontag auf Malta kein gesetzlicher Feiertag, weshalb wir wie gewohnt zur Arbeit gingen. Donnerstag hatten wir unseren letzten Arbeitstag. Wir hatten ein Abschlussgespräch und erhielten ein kleines Geschenk von der Behörde sowie unser Arbeitszeugnis. Nach Feierabend wurden wir von unseren Kollegen zum Abschied in eine kleine Bar eingeladen, wo wir gemütlich zusammen saßen und uns unterhielten.

Unsere Kollegen, in deren Büro wir saßen

Gestern hatten wir Zeit, uns auf die Abreise vorzubereiten und die Koffer zu packen.

Für uns ist es immer noch kaum zu glauben, dass  wir vier Wochen auf Malta verbracht haben, da die Zeit wie im Flug vergangen ist. Diese Insel haben wir mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Wir haben neue Bekanntschaften geknüpft, die über das Auslandspraktikum hinaus gehen, sodass man sich in Deutschland wiedersehen wird.

Wir können dieses Auslandspraktikum nur empfehlen, da man viele neue Erfahrungen sammelt und sicherer im Umgang mit der englischen Sprache wird. Zudem wächst man über sich hinaus und lernt andere Arbeitsweisen kennen.

Liebe Grüße

Meike und Alexandra ?

Halbzeit auf Malta ??

Good evening from Malta,

die zweite Hälfte unseres Auslandspraktikums ist nun angebrochen und der Heizstrahler in der Wohnung läuft auf Hochtouren. ?

Mittlerweile haben wir uns mit dem anfangs schwer verständlichen maltesischen Akzent vertraut gemacht und das Verstehen und Unterhalten fällt uns leichter.
In unserer Behörde haben wir eine gewisse Routine bekommen, die Arbeitsabläufe verstehen wir nun besser und an die fremde Arbeitsatmosphäre haben wir uns gewöhnt.
Da Malta sehr christlich lebt, findet monatlich eine Messe in der gegenüber liegenden Kirche statt, zu der die ganze Behörde geht. Der Osterschmuck ist bereits aufgebaut, jedoch müssen wir feststellen, dass dieser hier definitiv nicht dem gleicht, den man aus unserer Heimat kennt. ?

Am vergangenen Montag hatten wir frei, da der gesetzliche Feiertag St. Joseph anstand. Hier in Rabat wurde dies groß gefeiert. Mehrere Straßen wurden geschmückt, Live-Musik gespielt und verschiedene Stände wurden aufgebaut. Abends gab es mehrere wunderschöne Feuerwerke, die durch die Einwohner Rabats finanziert werden.

Außerdem besichtigten wir vergangene Woche die wunderschönen Dingli Cliffs, die Golden Bay und die blaue Grotte. In diese kann man eigentlich mit kleinen Booten hinein fahren, aufgrund der starken Wellen, war dies aber (bisher) nicht für uns möglich.

Dingli Cliffs

Blue Grotto
Golden Bay

Wir betrachteten die St. Pauls Catacomben und auch die römische Villa, was man beides in Rabat findet. Außerdem fuhren wir nach Sliema, wo wir ebenfalls das traumhafte Meer und die schöne Stadt bewunderten.

Sliema

In unserer WG wohnen nun fünf Personen und wir verstehen uns super. Am kommenden Wochenende werden wir gemeinsam nach Gozo fahren. Da es bis zu 23 Grad werden soll, hoffen wir, unsere Füße ins Wasser halten zu können. ?

Wir wünschen schon jetzt frohe Ostern!

Meike und Alexandra ?